Braugerstenschau

29.07.2013

Mehr als 40 Teilnehmer zählte die diesjährige Gahlenzer Braugerstenschau,

die zu Braugetreidebeständen verschiedener Betriebe rund um Oederan führte.

Fotos: Karsten Bär

 

 

Sommergerste wächst in diesem Jahr in Sachsen nur noch auf einer Fläche von rund 23.000 ha. Ein drastischer Rückgang, nimmt man das Vorjahr als Maßstab, als die Kultur auf 46.000 ha wuchs. „2012 ist kein Vergleich“, relativiert Götz Eckardt, Vorstandsvorsitzender der Erzgebirgskorn Gahlenz eG. Denn nach den vielen Auswinterungen zu Beginn des vergangenen Jahres sei viel Sommergetreide gesät worden, was die Anbaufläche überdurchschnittlich erhöhte. Doch auch gegenüber dem Jahr 2011 habe die Sommergerste an Bedeutung verloren. Knapp 32.000 ha waren damals im Freistaat mit dieser Kultur bestellt worden. Kaum rückläufig dürfte die Anbaufläche im Erzgebirge sein, wo die Erzeugung von Braugerste nach wie vor hohen Stellenwert besitzt. So stieß auch die Braugerstenschau am 9. Juli in Gahlenz bei Oederan auf gutes Interesse von Erzeugern und Verarbeitern von Braugetreide. Nach Auflösung des Sächsischen Braugerstenvereins führen das Vermarktungsunternehmen Erzgebirgskorn Gahlenz eG, die Bäuerliche Erzeugergenossenschaft Gahlenz (BEGA eG) und der BayWa-Züchtervertrieb seit einigen Jahren diese Veranstaltung fort, bei der Feldschläge verschiedener Unternehmen besichtigt und Erfahrungen ausgetauscht werden. Neben der Braugerste steht dabei auch der Brauweizen im Mittelpunkt, dessen Anbau in der Region ebenfalls von Bedeutung ist.Mit den Sorten Tabasco und Orcas hat die AGRO-Produkt GmbH Leubsdorf insgesamt 140 ha Brauweizen im Anbau. Hinzu kommen 80 ha Sommergerste. Albrecht Päch, Pflanzenbauchef des Unternehmens mit insgesamt 1 450 ha Fläche, zeigte sich mit dem Zustand dieser Kulturen zufrieden. „Schlecht sehen die Bestände nicht aus“, sagte er. Angesichts der teils schwierigen Witterungsverhältnisse in diesem Jahr – die Sommergerste konnte erst am 21. April gedrillt werden – hätte er dies nicht erwartet. Der Startschuss für die Ernte werde wohl erst im August fallen. „Vom Ertrag lassen wir uns überraschen“, hielt er sich mit Prognosen zurück. Nach einer sehr guten Ernte im Vorjahr erwartet Ronny Nagel, Feldbauverantwortlicher der Agrargenossenschaft Eppendorf, in diesem Jahr durchschnittliche Erträge. Der Betrieb baut ebenfalls Brauweizen (Tabasco und Orcas auf insgesamt 130 ha) sowie Sommergerste auf 100 ha an. Der Schlag Braugerste der Sorte Marthe, an die der Landwirt die Teilnehmer der Braugerstenschau führte, sei erst am 24. April gedrillt worden. „Wir sind mit allem spät dran in diesem Jahr“, so Nagel. Die Ernte werde wohl 14 Tage später als gewohnt beginnen.



Landwirt Andreas Steier in einem Weizenschlag der Sorte Julius, der

von seinem Betrieb als Brauweizen angebaut wird.

 


Er schätze den Ertrag lieber etwas vorsichtiger, sagte Andreas Steier vom Landwirtschaftsbetrieb Steier aus Großwaltersdorf am Rande eines 23 ha großen Schlages Sommergerste der Sorte Grace. Am 24. April gesät, zeigten die Pflanzen einen guten Ährenansatz mit 22 bis 25 Körnern je Ähre. „Der Bestand ist gleichmäßig und sieht gut aus. Wenn alles stimmt, können wir 50 bis 55 dt/ha ernten“, erwartet er. Im Vorjahr habe er zum selben Anlass einen Ertrag von 45 dt/ha prognostiziert – und sei schon damals von anderen Teilnehmern auf 55 dt/ha korrigiert worden, fügte er

mit einem Augenzwinkern hinzu. „Am Ende wurden es dann

57 dt/ha.“

Angebaut wurde die Sommergerste nach Buchweizen als Zwischenfrucht. „Auch wenn es dazu Bedenken gibt: Aus meiner Sicht nimmt die Braugerste dies gut an“, erklärte Steier. Die Vorteile des Zwischenfruchtanbaus, wie eine ausgezeichnete Bodengare im Frühjahr, würden überwiegen.

Erstmals im Anbau hat der Familienbetrieb in diesem Jahr die Weizensorte Julius. „Kein klassischer Brauweizen“, wie Steier einräumte. „Wir haben ihn in diesem Jahr auf Empfehlung eines Kollegen angebaut.“ Auch dieser Bestand zeige sich weitgehend gesund und vielversprechend. Kornreiche Ähren und 560 Halme je Quadratmeter lassen den Landwirt einen Ertrag zwischen 80 und 85 Doppelzentner erwarten.

Neben dem Anbau von 100 ha Grace und 45 ha Marthe betreut die BEGA eG in Zusammenarbeit mit dem Baywa-Züchtervertrieb einen Streifenversuch mit sechs Braugerstensorten verschiedener Züchter, die während der Rundfahrt ebenfalls angesteuert wurde und den Erzeugern einen Vergleich ermöglichen soll. Andreas Petschke, Vorstandsvorsitzender der BEGA eG, verwies hier noch einmal auf die Herausforderungen, die das Jahr nicht nur für den Anbau von Sommergerste mit sich brachte. „Man hatte in diesem Jahr immer den Eindruck, mit allem, was man tut, zu spät zu sein“, schilderte er. „Trotzdem haben wir ansehnliche Bestände.“ Ein Eindruck, den auch Götz Eckardt zum Abschluss der Rundfahrt bestätigte: „Im April konnte man daran zweifeln, ob wir überhaupt noch drillen brauchen. Inzwischen sehen wir Felder mit gut entwickelter Sommergerste.“

 

Karsten Bär, BauernZeitung

 

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