Blond und kräftig

12.02.2015

© Karsten Bär

Der hornlose Bulle Utz ist eines der drei Tiere, mit denen die Gimmlitztaler Mutterkuh GmbH nach Meißen fährt.

In Sachsens Fleischrindzucht dominieren Limousin und Fleckvieh, gefolgt von Angus und Charolais. Die Zahl der Betriebe, die sich der Zucht der Rasse Blonde d´Aquitaine verschrieben haben, ist hingegen recht überschaubar. Gleichwohl zählen bei der jährlichen Zentralen Fleischrindkörung und Auktion in Meißen auch regelmäßig einige ausgewählte Bullen dieser Rasse zum Spektrum der aufgetriebenen Tiere. Das wird auch in diesem Jahr nicht anders sein, wenn unter den insgesamt 49 Bullen auch drei Blonde d´Aquitaine-Vererber in den Ring geführt werden. Alle drei sind von der Gimmlitztaler Mutterkuh GmbH gezogen worden, die dieses Mal als einziger Zuchtbetrieb dieser Rasse an der Veranstaltung teilnimmt.

Mit der Zucht von Blonde d´Aquitaine-Rindern befasst sich der Betrieb aus Hartmannsdorf-Reichenau im Osterzgebirge seit einem guten Jahrzehnt. Den Grundstock für den Bestand legten sechs weibliche Tiere, die man 2004 bei einem Züchter in Nordrhein-Westfalen kaufte, berichtet Jens Heinrich, Geschäftsführer der Gimmlitztaler Mutterkuh GmbH, einem 1995 gegründeten Tochterunternehmen der Agrargenossenschaft Bobritzschtal Reichenau eG. Inzwischen hält der Betrieb 20 Kühe dieser Rasse und ihre Nachzucht. „Bei dieser Bestandsgröße wollen wir auch bleiben“, so der Geschäftsführer. Während der Großteil des Rinderbestandes des Betriebes – insgesamt 200 Mutterkühe überwiegend der Rassen Fleckvieh und Limousin – ausschließlich zur Produktion von Kreuzungstieren für die Mast dient, sollen mit den „blonden Franzosen“ vor allem Zuchttiere erzeugt werden.

Zur Herdbuchzucht habe man sich zu Beginn vor allem entschieden, um eigene Deckbullen heranzuziehen. Für die Rasse sprachen ihre Leichtkalbigkeit, aber auch die Großrahmigkeit der Tiere und die gute Bemuskelung. Eigenschaften, die auch von anderen sächsischen Mutterkuhhaltern geschätzt werden, die Blonde d´Aquitaine-Vererber als Deckbullen für ihre Herden einsetzen, wie Jens Heinrich weiß. Die Gimmlitztaler Mutterkuh GmbH selbst tut dies ebenfalls. „Wir kreuzen sie gern mit Fleckvieh“, erzählt er. Jährlich werden ein bis zwei Bullen aus der eigenen Aufzucht eingesetzt, die meisten jedoch vermarktet, sowohl im Einzelverkauf an andere Züchter und Halter als auch bei Auktionen wie der in Meißen. „Wir versuchen schon, bis auf den Eigenbedarf alle Bullen als Zuchttiere zu verkaufen“, verdeutlicht Jens Heinrich. Bei den weiblichen Nachkommen werde hingegen abgewogen. Sie bleiben sieben bis acht Monate bei der Mutter, werden dann bis zum Erreichen des ersten Lebensjahrs intensiv gefüttert. „Dann wird das Gewicht ermittelt und entschieden“, so der Züchter. Tageszunahmen von 1 100 Gramm und mehr sollten die weiblichen Tiere aufweisen – bei den Jungbullen sind es im Schnitt 1 300 bis 1 400 Gramm – um als Zuchttiere Verwendung zu finden. Ein guter Rahmen und ein gutes Becken sowie ein ruhiger Charakter sind weitere Kriterien für die Auswahl.  Bei Zuchtschauen konnte der Betrieb durchaus bereits einige Erfolge mit einzelnen Färsen oder Bullen verbuchen. Etwa auf den Mitteldeutschen Fleischrindtagen auf der agra in Leipzig. „Dort haben wir 2011 und 2013 mit jeweils einem Blonde d´Aquitaine-Bullen den Rassesieger stellen können“, berichtet der Züchter stolz.

Eingesetzt wird von dem Reichenauer Betrieb, der knapp drei Viertel seiner Herdbuchkühe künstlich besamt, überwiegend Sperma französischer Bullen. Denn aus Jens Heinrichs Erfahrung sorgen die französischen Linien noch immer am besten für großrahmige und gut bemuskelte Nachkommen. Seit drei Jahren wird jedoch auch hornlose Genetik aus Tschechien eingesetzt. „Rumcajs und Fannar, zwei gute Bullen, die Leichtkalbigkeit vererben, für frohwüchsige Kälber sorgen und hornlos sind“, erklärt er und fügt hinzu: „Hornlosigkeit spielt in der Zucht von Blonde d´Aquitaine eine immer größere Rolle und wird entsprechend gut nachgefragt.

“Mit dem hornlosen Rubio ist auch ein Rumcajs-Sohn unter den drei jungen Bullen, mit denen die Gimmlitztaler Mutterkuh GmbH kommende Woche nach Meißen fährt. Hinzu kommt Rocky, ein gehörnter Bulle, dessen in Deutschland gezogener Vater Rudolph einer französischen Linie entstammt. Komplettiert wird das Trio durch Utz, einem Sohn des französischen Besamungsbullen Ulfila, von dem er einen großen Rahmen und gute Bemuskelung geerbt hat – von seiner Mutter jedoch die Hornlosigkeit.

Sechs Rassen in Meißen im Ring
Am 18./19. Februar werden im Masterrind-Vermarktungszentrum in Meißen, Schlettaer Straße 8, 49 Bullen der Rassen Angus, Aubrac, Blonde d´Aquitaine, Charolais, Fleckvieh und Limousin aufgetrieben. Am zweiten Tag werden die Tiere ab 9.30 Uhr prämiert, die Auktion beginnt 12 Uhr.

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