Bienenweiden: Damit es länger blüht

30.07.2014

© Karsten Bär

Der Blühstreifen soll vor allem in der zweiten Sommerhälfte Nahrung für Bienen und Wildinsekten bieten. Im Bild (v. l.): Erik Fleischer, Rübenabteilung Brottewitz, Imker Peter Müller und Günter Schubert, Johannes Scherpe, Kaisaer Agrargenossenschaft, Werner Stohr, Rübenabteilung Brottewitz, und Christian Müller, Feldbauleiter des Betriebes.

Wenn Mitte Juni die Lindeblüte endet, wird für die Bienen das Nahrungsangebot knapp. „Wichtig ist für uns Imker das Nahrungsangebot in der zweiten Sommerhälfte“, sagt Peter Müller. Der Imker aus Lausa hielt bis vor kurzem noch bis zu 70 Völker. Aus Altersgründen hat er den Bestand inzwischen auf 30 Völker zurückgefahren. Doch auch die kleinere Völkerzahl muss im Juli und im August noch Nektar und Pollen sammeln können. Über Mangel an Blüten will sich Peter Müller allerdings nicht beklagen – vor allem dank des örtlichen Agrarbetriebs, der Kaisaer Agrargenossenschaft, ist die Situation in seiner Heimatregion vergleichsweise entspannt.

Blühstreifen als Nahrungsangebot für Honigbienen und Wildinsekten legt die Agrargenossenschaft  schon seit einigen Jahren an. „Aus Verbundenheit zur Natur und aus Interesse an der Biene, die auch eine Bestäubungsleistung erbringt“, erklärt Vorstandsvorsitzender Johannes Scherpe. „Wir leben schließlich von und mit der Natur.“ Begünstigend komme hinzu, dass Flächen, auf denen Blühstreifen wachsen, weiterhin unter die Agrarförderung fallen.

Pilotprojekt aufgelegt

In diesem Jahr hat der Betrieb drei Blühstreifen auf insgesamt 3,9 ha angelegt, gut doppelt so viel wie sonst. Die Initiative für den Anbau eines Blühstreifens an einem Zuckerrübenschlag ging in diesem Jahr von der Rübenabteilung des Südzucker-Werkes in Brottewitz aus. „Südzucker möchte die Landwirte dabei unterstützen, den Imkern zu helfen und zugleich etwas für die Biodiversität zu tun“, erklärt Werner Stohr, Leiter der Brottewitzer Rübenabteilung, den Hintergrund des Pilotprojektes. Man stelle den Betrieben unentgeltlich eine Blühmischung zur Verfügung, die auf die Rübenfruchtfolge abgestimmt sei und viele verschiedene Blühpartner enthalte, die einen langen Blühzeitraum gewährleisten. Nach dem Ende der Vegetationszeit sollen die Erfahrungen, die Landwirte und Imker mit den Flächen gemacht haben, ausgewertet werden. „Auch, ob die Mischungen noch optimiert werden können oder ob andere Aussaattermine günstiger wären“, sagt Stohr. Unter allen Südzuckerwerken hat die Zuckerfabrik Brottewitz in ihrem Einzugsgebiet den meisten Zuspruch für das Blühstreifenpr­jekt gefunden. „Elf Betriebe, die 16 Blühstreifen auf insgesamt 17 ha Fläche angesät haben“, verdeutlicht der Abteilungsleiter. „Das ist so viel wie in allen anderen Zuckerfabriken zusammen.“ Es habe sich gezeigt, dass die Landwirte dem Ansinnen sehr aufgeschlossen gegenüberstehen. „Wir haben gemerkt: Viele Betriebe haben sich schon mit dem Thema beschäftigt.“

Doch einfach loslegen und die Saatmischung ausbringen – so simpel ist es nicht. „Es muss alles passen“, betont Christian Müller, Feldbauleiter der Kaisaer Agrargenossenschaft. Und das betreffe nicht allein die Einordnung der Arbeiten in den Betriebsablauf oder die Auswahl der Fläche.  Beachtet werden muss auch, dass beispielsweise Unkrautdruck entstehen kann, der sich in Folgejahren auf die dann angebauten Kulturen auswirkt.  Dem müsse Rechnung getragen werden, auch durch eventuell zusätzliche Bearbeitungsschritte der Blühstreifen. Die Teilfläche, die sein Betrieb in diesem Jahr mit Unterstützung von Südzucker für die Anlage einer Bienenweide gewählt habe, sei für diesen Zweck gut geeignet. „Der Streifen weist schwierige Bodenverhältnisse auf, hier wären eh wenig Rüben gewachsen“, so Christian Müller.

Mehr Zeit bis zur Ernte

Zuckerrübenflächen halten für die Anlage von Blühstreifen aus Sicht von Werner Stohr ohnehin einen entscheidenden Pluspunkt parat: Auf ihnen wird erst im Herbst geerntet. „Das ist ideal“, meint der Leiter der Brottewitzer Rübenabteilung. „Getreide wird jetzt geerntet, danach die Stoppeln bearbeitet. In dem Zusammenhang wird meist auch der Blühstreifen gemulcht und umgebrochen.“ Am Rand von Zuckerrübenschlägen  könnten die Pflanzen hingegen noch wochenlang blühen – und sowohl Honig- als auch Wildbienen, Hummeln und anderen Insekten als Nahrungsquelle dienen.

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