Bergwiesen im Osterzgebirge

12.11.2018

© Bergwiesenprojekt

Auch optisch ein Gewinn: Die Bergwiesen des Osterzgebirges sind Lebensraum für etwa 70 gefährdete Tier- und Pflanzenarten. Als Naturschatz steigern sie auch den touristischen Wert der Region.

Rund um Altenberg und Geising, sagt Thomas Schmidt, könne man einen Schatz ­entdecken – einen Naturschatz. ­Neben den hiesigen Sportmöglichkeiten und den Spuren des einstigen Zinnerzbergbaus in der Region sei es vor allem die Naturlandschaft im oberen Osterzgebirge, die Menschen in ihren Bann ziehe und den sanften Tourismus fördere, so Sachsens Umwelt- und Agrarminister. Dass es diese Landschaft noch gibt, sie sogar gepflegt und weiterentwickelt werden konnte, ist dem Naturschutzgroßprojekt „Bergwiesen im ­Osterzgebirge“ zu verdanken, das Ende des Jahres nach 19 Jahren Laufzeit erfolgreich beendet 

wird.

 

Nicht zuletzt haben auch Landwirte im Rahmen des Projektes ihren Anteil am Erhalt der alten Bergwiesen und Steinrücken, die einst durch bäuerliche Bewirtschaftung  entstand – und auch nur durch Nutzung bestehen bleiben kann. Darauf verwies Heiko Weigel, Beigeordneter für Bau und Umwelt im Landratsamt Sächsische Schweiz-Osterzgebirge, während der Abschlussveranstaltung des Naturschutzgroßprojektes, die vergangene Woche in Zinnwald stattfand. Rund 20 Betriebe seien in die Bemühungen um die wertvolle Kulturlandschaft als wichtige Partner involviert gewesen und hätten „tolle Arbeit geleistet, um die Bergwiesen wieder zum Leben zu erwecken“, so Weigel. Gleichzeitig sei für die Landwirte auch eine zusätzliche Einkommensquelle durch die honorierte Pflege der Flächen entstanden.

 

Geschaffen wurde Beachtliches, seit sich Ende der Neunzigerjahre der damalige Weißeritzkreis gemeinsam mit den Städten Altenberg und Geising sowie dem Förderverein für die Natur des Osterzgebirges zur Umsetzung eines Naturschutzprojektes von bundesweiter Bedeutung entschloss, das dank der Bundesförderung Naturschutz „chance.natur“ realisiert werden konnte. Das betonte Minister Schmidt, der darauf hinwies, dass im knapp 3.000 ha großen Projektgebiet auf einer Fläche von rund 1.800 ha ungestörte Lebensräume aus Bergwiesen, Nasswiesen, Steinrücken und Mooren geschaffen wurden. „Dadurch konnten sich die hier lebenden etwa 70 gefährdeten Tier- und Pflanzenarten deutlich besser entwickeln, darunter Wachtelkönig, Birkhuhn, Trollblume, Arnika und Karpatenenzian“, so Schmidt. Dass das Projekt zwei Mal verlängert wurde, sei eine Würdigung der wertvollen Arbeit. Mehr als 10 Mio. € hauptsächlich aus Bundes- und Landesmitteln seien seit Ende 1999 in die drei Projektphasen geflossen. Ausdrücklich hob der Minister den Projektleiter Holger Menzer hervor. „Ohne diesen Mann wäre es nicht das gleiche Projekt gewesen!“

 

Personelle Gründe sieht auch Inka Gnittke, Referatsleiterin Gebietsschutz beim Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit, als einen Grund für das Gelingen an. „Das regional verankerte Projektmanagement ist einer der Erfolgsfaktoren“, sagte sie. Bundesweit habe es bisher 80 Naturschutzgroßprojekte gegeben. „Das Besondere hier: Es läuft super“, so die Bundesbeamtin. Das Projekt gelte als Vorbild was Planung, Umsetzung und Erfolg betrifft. Für die extensive Nutzung, die für den Erhalt der struktur- und artenreichen Offenlandschaft im Mittelgebirge nötig sei, habe man Akzeptanz in der Region schaffen müssen. Dies sei gelungen und habe zugleich auch zur wirtschaftlichen Stabilisierung der Region beigetragen. „Die ‚Chance.Natur‘ haben Sie perfekt genutzt“, so Gnittke in Anspielung auf den Programmnamen der Bundesförderung.

 

Dass hierzu auch Überzeugungsarbeit zu leisten gewesen ist, verdeutlichte Projektleiter Holger Menzer, der als langjähriger Leiter einer Milchviehanlage nicht nur regionale Kenntnis, sondern auch fachlichen Bezug zur Landwirtschaft mitbrachte. Im Projektverlauf seien nach intensiven Vorarbeiten Flächen durch Grunderwerb gesichert worden, habe man „biotopersteinrichtende“ ebenso wie erhaltende  Maßnahmen  durchgeführt und Öffentlichkeitsarbeit geleistet. Bestehende Blühwiesen werden einschürig gemäht, anschließend nachbeweidet. Vor allem Schafe, durch die  einst die Bergwiesen oftmals erst entstanden, hätten sich hier bewährt, so Menzer, der deshalb den Rückgang der Haltung im Ost­erzgebirge sehr bedauert und auf eine stärkere Berücksichtigung der Schafhaltung in der kommenden EU-Förderung hofft. Durch Mähgutübertragungen und die gezielte Wiederansiedlung bestimmter Pflanzenarten wurden die Bergwiesen in ursprüngliche Zustände zurückversetzt und ökologisch aufgewertet. Fast 100 km Steinrücken wurden gepflegt oder neuangelegt, rund 40 ha Wald naturnah umgewandelt. Auch durch Wiedervernässungen, die ein durchaus konfliktreiches Thema waren, konnten wertvolle Lebensräume wiederhergestellt werden. Durch die Ausweisung von Naturschutzgebieten auf 1.300 ha habe man die Ergebnisse gesichert, berichtete Menzer. Für die Ausführung der Maßnahmen seien meist Landwirte herangezogen worden, die etwa die Hälfte des Auftragsvolumens (insgesamt ca. 3 Mio. €) erhielten. Doch auch regionale Baufirmen kamen zum Zuge und konnten mit Aufgaben wie z. B. der Steinrückenpflege die meist auftragsarmen Wintermonate überbrücken. 

 

Während das Naturschutzgroßprojekt zum Jahresende ausläuft, sollen die Bemühungen um die Bergwiesen des oberen Osterzgebirges auch künftig weitergehen. Der Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge als Projektträger prüft hierfür mehrere Möglichkeiten. 

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