Auszeichnung als „Rotmilanfreundlicher Betrieb“

23.04.2018

© Filip Lachmann

Auf die Auszeichnung „Rotmilanfreundlicher Betrieb“ ist Jörg Reihe stolz.

Für die Agrargenossenschaft Hohenroda gab es eine besondere Ehrung. Für ihren Beitrag zum Rotmilanschutz erhielt das Unternehmen aus dem gleichnamigen Ortsteil der Gemeinde Schönwölkau die Auszeichnung „Rotmilanfreundlicher Betrieb“. Die Würdigung entstammt dem Projekt „Rotmilan – Land zum Leben“ des Deutschen Landschaftspflegeverbandes (DVL) und des Bundesamts für Naturschutz (BfN). Überreicht wurde sie schon Ende Ja­nuar durch den Vorstandsvorsitzenden des Landschaftspflegeverbandes Nordwestsachsen (LPV), Volker Tiefensee. „Wir freuen uns wirklich sehr über diese Auszeichnung, da es ein bundesweites Artenschutzprojekt ist, bei dem nicht viele Betriebe geehrt werden“, sagt Jörg Reihe, Geschäftsführer des Betriebes. Und in der Tat gab es in diesem Jahr deutschlandweit lediglich sieben Preisträger.

 

Lebensraum Agrarland


Der Rotmilan nimmt in den deutschen Naturschutzprogrammen eine besondere Stellung ein, da hierzulande rund die Hälfte der weltweiten Population beheimatet ist. Die zunehmende Intensivierung der Landwirtschaft habe in den vergangenen Jahrzehnten zu einem spürbaren Rückgang der Bestände geführt. Da die Agrarlandschaft der Lebensraum des Greifvogels ist, sind allen voran Agrarbetriebe gefordert, zum Schutz der Vogelart beizutragen.


Ausschlagend für die Auszeichnung des nordsächsischen Betriebs waren neben der langjährigen, engen Zusammenarbeit mit dem LPV Nordwestsachsen insbesondere zwei konkrete Maßnahmen: weitreichende Heckenpflanzungen auf den betriebseigenen Liegenschaften sowie der gezielte Luzerneanbau. „Die Heckenpflanzungen betreiben wir bereits seit vielen Jahren. Einerseits sehen wir dies als unseren natürlichen Beitrag zum Naturschutz, gleichzeitig ist es eine hilfreiche Maßnahme zur Flächeneingrenzung“, erklärt Reihe. Die dichten Pflanzenstreifen dienen jedoch nicht allein dem Erhalt des bedrohten Greifvogels, sondern allen wildlebenden Tieren im Umfeld entweder als Unterschlupf oder Jagdrevier, betont der Geschäftsführer: „Der Naturschutz ist Teil unserer Unternehmensphilosophie und so versuchen wir im Arbeitsalltag, soweit es geht darauf Rücksicht zu nehmen.“


Beispielhaft nennt Reihe hier das verzweigte Grabennetz, das einst zur Verrieselung von Abwässern auf den Feldern diente und noch heute die Flächen des Betriebes durchzieht. Wirtschaftlichen Nutzen habe es nicht mehr. Im Gegenteil, eine Verfüllung der Gräben würde vor allem die Bewirtschaftung der Ackerflächen erleichtern. Überdies zahle der Betrieb auch noch Pacht für die ungenutzen Gräben. „Dennoch betrachten wir die Gräben keineswegs als nutzlos. Vielmehr bilden sie heute ein wichtiges Netz aus Einzelbiotopen. In diesen Bereichen verzichten wir auch auf Pflanzenschutzmittel“, sagt der 48-Jährige. Ähnlich verhalte es sich mit einer alten Bahntrasse entlang der Ackerflächen. Auch diese erhalte der Betrieb bewusst und pflanze dort, wie in den Hecken, hauptsächlich regionaltypische Pflanzenarten. Darüber hinaus legen die Hohenrodaer entlang von Straßen und Bachläufen Blühstreifen im Rahmen von Landschaftspflege bzw. Greening an.


Im Hinblick auf den Luzerneanbau gibt sich Reihe bescheiden: „Als Agrargenossenschaft mit gewachsener Milchproduktion sind wir in der vorteilhaften Lage, große Menge Luzerne verwerten zu können.“ Auf insgesamt 100 ha baut man Luzerne an. Damit ist sie gemessen an der Anbaufläche nach Weizen, Mais und Raps die viertwichtigste Kultur des Betriebes. Im Anbau werde komplett auf Pflanzenschutzmittel verzichtet. Somit sei es vergleichbar mit Grünland. Der Luzerneanbau wird derzeit im Rahmen von Agrar-Umwelt-Programmen stark honoriert, da auf diesen Flächen besonders viele Greifvögel auf die Jagd gehen. So stellt die Agrargenossenschaft auf und neben den Feldern regelmäßig Sitzkrücken für die Greife auf. „Im Vogelschutz verbindet uns eine langjährige Zusammenarbeit mit der Vogelschutzwarte Neschwitz – schon lange bevor das Greening aufkam“, unterstreicht Reihe.

 

Gewinn für drei Seiten


Gleichwohl fügt er an, dass der Betrieb trotz der verschiedenen Naturschutzbemühungen immer auch die Wirtschaftlichkeit berücksichtigen müsse. So erfolgten in der Zeit vor dem Greening die meisten Maßnahmen im Rahmen des Vertragsnaturschutzes. Ob in der Zusammenarbeit mit der Vogelschutzwarte oder dem LPV Nordwestsachsen, stets sei die Entwicklung der geeigneten Maßnahmen Hand in Hand zwischen den Partnern erfolgt. Letzten Endes entstünde so Gewinn für drei Seiten: für den Betrieb, die Naturschutzverbände und natürlich die Natur selbst.

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