Ausbildung: Vor allem zählt die Qualität

11.03.2014

© SLB

Teilnehmer der Weiterbildungsschulung bei der Agrargenossenschaft Gnaschwitz eG.

Auch die Praxis kam nicht zu kurz, als Mitte Februar der SLB und das Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG) wieder zu drei Weiterbildungsschulungen in verschiedenen Regionen Sachsens geladen hatten. Dankenswerterweise hatten sich wieder drei Agrarbetriebe bereiterklärt, als Gastgeber für die Schulungen zu fungieren und über eigene Erfahrungen in Sachen Ausbildung und Nachwuchsgewinnung zu berichten.

Dass das Ringen um die Fachkräfte von morgen kein leichtes ist – die Agrargenossenschaften Arzberg und Gnaschwitz sowie die Bauernland AG Großolbersdorf wissen das aus eigenem Erleben. Es komme darauf an, motivierte junge Leute für die angebotenen Ausbildungsplätze zu finden und potenzielle Bewerber möglichst frühzeitig zu interessieren. Betriebsführungen, Praktika oder Projekttage sind nach Ansicht der drei Betriebe dafür geeignete Instrumente. Nicht jeder Bewerber sei den hohen Anforderungen der modernen Landwirtschaft gewachsen. Doch gerade weil Motivation und Leistungsniveau der Auszubildenden zum Teil stark schwanken, sei der Ausbildungsbetrieb gefordert, selbst Anstrengungen in die Qualität der Ausbildung zu investieren.

Dabei können die Betriebe durchaus auf Hilfe zurückgreifen. So unter anderem in Form einer wissenschaftlich fundierten Bewertung der Ausbildungsqualität durch das Projekt QEK (Qualität-Ertrag-Kosten), das Dr. Manfred Adamski von der Handwerkskammer Dresden in Gnaschwitz vorstellte. Ziel des Projektes ist es, auf Basis standardisierter Fragebögen Qualität und Ausbildungserfolg messbar zu machen und daraus Handlungsempfehlungen zur Optimierung der Ausbildung abzuleiten.

Hilfe anderer Art verspricht die gemeinnützige SES GmbH, die deren
Regionalkoordinatorin für Sachsen, Eva Möller, vorstellte. In dieses Projekt
involviert sind Fachleute im Ruhestand, die ihre Erfahrungen weitergeben und sich Auszubildenden widmen, die Motivationsprobleme oder Schwierigkeiten im sozialen Umfeld haben und denen ein Ausbildungsabbruch droht. Die Unterstützung ist kostenfrei, bedarf aber der freiwilligen Teilnahme des Jugendlichen.

Spätere Verdienstmöglichkeiten, aber auch schon die in der Ausbildungszeit gezahlte Vergütung sind für viele Jugendliche ein wichtiges Kriterium, sich für oder gegen einen Ausbildungsberuf zu entscheiden. So stieß der Vortrag von SLB-Rechtsanwältin Kati Fichter über die Ausbildungsvergütung in der Landwirtschaft auf großes Interesse. Eine „angemessene Vergütung“ sei gegeben, wenn sie sich an einem in der Branche vorhandenen Tarifvertrag oder, bei Fehlen eines solchen, an ortsüblichen Sätzen orientiere, erklärte die Expertin. Der für die Landwirtschaft maßgebliche Tarifvertrag wird zwischen Arbeitgeberverband und der IG BAU vereinbart, ist für Betriebe jedoch nur dann bindend, wenn die Vertragsparteien in der jeweiligen Organisation Mitglied sind. Dennoch ist der Tarifvertrag auch in anderen Fällen Richtschnur, wie Kati Fichter deutlich machte, denn eine Ausbildungsvergütung, die weniger als 80 % des tariflichen Wertes beträgt, ist laut einem Urteil des Bundearbeitsgerichtes von 2003 grundsätzlich nicht angemessen.

Berichte über Aktivitäten und Erfahrungen in Sachen Berufsnachwuchsgewinnung und Stand der Ausbildungssituation, die das LfULG und die Ausbildungsberater aus einzelnen sächsischen Landkreisen vortrugen, Erfahrungsberichte von Berufsschullehrern und lebhafte Diskussionen der anwesenden Praktiker aus den Betrieben rundeten die Ausbilderschulungen ab.

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