Anbauflächen: Milch statt Malz

17.07.2014

© Karsten Bär

Mehr als 40 Landwirte, Vertreter von Züchterfirmen, Vermarkter und Verarbeiter machten sich bei der Braugerstenschau in Gahlenz ein Bild von den Beständen.

So viel Niederschlag gab es in Gahlenz selten auf einmal in diesem Jahr. „20 Liter heute Morgen“, sagte Götz Eckardt, Geschäftsführer der Erzgebirgskorn Gahlenz eG, als er vergangene Woche Dienstag die Teilnehmer der Braugerstenschau begrüßte. „Bisher kam immer nur so viel Regen, dass es gerade so reichte.“

So untypisch das Wetter am Gahlenzer Braugerstentag, so gewohnt ist die Meldung über die Entwicklung des Sommergerstenanbaus in Sachsen: Auch 2014 ist die Anbaufläche wieder deutlich gesunken. Nachdem 2011 und vor allem 2012 zwischenzeitlich deutliche Steigerungen registriert wurden, setzte sich der seit Jahren spürbare negative Trend ab 2013 wieder fort. Von rund 24 500 ha im Vorjahr ging die Anbaufläche in diesem auf 21 300 ha zurück. Vor allem zugunsten von Silomais und Ackergras sei der Anbauumfang von Sommergerste zurückgeschraubt worden, glaubt Götz Eckardt. Denn viele Betriebe haben im vergangenen Jahr weniger Futter als gewohnt geerntet und hätten daher jetzt einen hohen Bedarf. „Dass die Preise für Braugerste nicht die besten sind, wird da gewiss auch eine Rolle gespielt haben“, sagt er. Wenn man entscheiden müsse, welche Kulturen dem Futteranbau weichen müssen, fange man eben bei denen an, die die geringeren Erlöse versprechen.

Immerhin: Wer in der Erzgebirgsregion in diesem Sommer Gerste anbaute, kann trotz vieler trockener Wochen auf eine passable Ernte hoffen. Das zeigte die Rundfahrt zu den Anbauflächen der Betriebe Agrozuchtfarm Breitenau und Agrargenossenschaft Memmendorf, die bei der diesjährigen Schau besucht wurden. Traditionell standen dabei nicht allein die Braugerstenbestände im Fokus – auch Brauweizen wurde in Augenschein genommen.

Abreife schon begonnen

Als solcher hat die Sorte „Julius“ bislang keine Karriere gemacht. Doch das kann sich ändern. Versuchsweise hat die Agrozuchtfarm Breitenau außer einer Vermehrungsfläche auch einen Schlag mit dieser Sorte mit dem Ziel der Erzeugung von Brauweizen im Anbau. „Es scheint zu funktionieren“, so Feldbauleiter Alfons Nickel. Bislang hatte der Betrieb zu diesem Zweck auf die Sorte „Tabasco“ gesetzt, bis deren mangelnde Winterfestigkeit vor zwei Jahren deutlich zum Vorschein kam. Der Proteingehalt des winterhärteren „Julius“ kommt seiner Verwendung als Brauweizen insbesondere in naturtrüben Weizenbieren zupass. Erstmals im Anbau hat die Agrozuchtfarm die Sorte „Elixer“, die ebenfalls mehr Winterfestigkeit verspricht. Der Bestand sehe gut aus, doch entscheidend sei, „was auf die Waage kommt.“ Alfons Nickel, dessen Betrieb 240 ha Weizen und rund 200 ha Sommergerste im Anbau hat, rechnet mit einer guten Ernte. „Eine sehr gute wird es nicht“, glaubt er.

Die Sommergerste der frühen Sorte „Grace“ beginne teilweise schon  mit der Abreife. „Es geht zeitig los“, so der Feldbauleiter. Die Bestandsentwicklung habe sehr früh begonnen, allerdings hätte die zwischenzeitliche kühlere Witterung den dreiwöchigen Vegetationsvorsprung auch wieder etwas relativiert. Was letztlich geerntet werden könne, sei auch von der Witterung abhängig. Anfang August, rechnet er, wird es in die Sommergerste gehen. Mit dem Drusch der Wintergerste hatte der Betrieb vergangene Woche Montag begonnen.

Den Weizen der Sorte „Tabasco“, der auf Flächen der Agrar-genossenschaft Memmendorf wächst, hat der Betrieb planmäßig als Futterweizen im Anbau, wie der Memmendorfer Feldbauleiter Torsten Schubert erklärt. „Wir brauchen um die
2 500 t für die Fütterung und für unsere Biogasanlage“, erklärt er. „Die Übermenge vermarkten wir – am liebsten als Brauweizen.“ Den Regenguss am Morgen hat Torsten Schubert gern gesehen. „Das Wasser kommt für den Weizen zur rechten Zeit“, sagt er. Vorsichtig geschätzt, rechne er mit einem Ertrag von 75 dt/ha beim Winterweizen.

Futter hat Vorrang

Bereits am 6. März hatte die Agrargenossenschaft Memmendorf Sommergerste der Sorte „Marthe“ gesät. „So früh kommt das ganz selten vor“, verdeutlicht Torsten Schubert. Meist werde dies erst Ende März/Anfang April getan. Trockenheit und eine kühle Witterungsphase haben den Vorsprung zwar etwas reduziert. Dennoch liefere sich die Sommergerste inzwischen „ein hartes Rennen mit dem Triticale, wer zuerst geerntet wird.“ Der Feldbauleiter rechnet mit einem Ertrag von 50 dt/ha.

Ernten muss die Agrargenossenschaft allerdings nicht mehr die gesamte mit Sommergerste bestellte Fläche. Denn die zur Neige gehenden Silobestände vor Augen, hatte sich der Betrieb im März entschlossen, auf  30 ha Kleegras in die auflaufende Gerste einzusäen – diese Gerste ist inzwischen siliert.  

Einen Blick auch auf neuere Sorten verschiedener Züchter erlaubte der Braugerstenstreifenversuch, der auch in diesem Jahr wieder in Zusammenarbeit mit der BayWa auf Flächen der BEGA Gahlenz eG angelegt wurde. Neben den altbewährten Sorten „Grace“ (BayWa) und „Quench“ (Syngenta) stehen hier vier neue bzw. in der Praxis noch nicht etablierte Sorten im Anbau.

Gute Malzqualitätseigenschaften und hohe Erträge verspricht „Solist“ (IG Pflanzenzucht), eine Braugerste, die im zweiten Jahr erfolgreich am „Berliner Programm“ teilgenommen hat. „Avalon“ (SW Seed) hat im vergangenen Jahr die erste Stufe im „Berliner Programm“ geschafft. Die Sorte im mittleren Reifebereich weist niedrige Proteingehalte und gute Korneigenschaften auf. Als frühe Sorte schickt sich die ertragsstarke und strohstabile „Planet“ (RGT) an, Nachfolgerin von „Grace“ zu werden. Sie steht im dritten Wertprüfungsjahr und kurz vor der Zulassung. Bereits seit zwei Jahren in den Landessortenversuchen und mit einer vorläufigen Empfehlung für Löß-Standorte versehen ist „Catamaran“ (KWS). Bislang hat diese sehr ertragsstarke Braugerste allerdings noch nicht in der Praxis Fuß ­gefasst.

Diese Webseite verwendet Cookies. Wenn Sie durch unsere Seiten surfen, erklären Sie sich mit unseren Nutzungsbedingungen einverstanden.

Erfahren Sie mehr