Am Netzwerk knüpfen

07.11.2013

Janine Pfeifer und Erik Ferchau stehen auf einem Feld.

Teamarbeit

Von der Kurzumtriebsplantage bis zur Durchwachsenen Silphie: Über den Anbau und die Verwertung nachwachsender Rohstoffe zu informieren ist die Aufgabe von Janine Pfeifer und Erik Ferchau. © Karsten Bär

Vorurteile sind hartnäckig. Das gilt auch für vermeintliche Argumente gegen die Nutzung von Nachwachsenden Rohstoffen (Nawaro). Von denen gibt es einige, die Janine Pfeifer und Erik Ferchau immer wieder hören: Bioenergie sei verantwortlich für das Entstehen von „Maiswüsten“ in der Agrarlandschaft oder für steigende Strompreise. „Gerade bei Biokraftstoffen wird oft auch die Tank-oder-Teller-Diskussion angeführt“, erzählt Janine Pfeifer. Was viele Menschen nicht wüssten: Pflanzenöl sei nur ein Produkt, das beim Anbau von Ölpflanzen gewonnen wird, ebenso wichtig sei der Presskuchen, der als eiweißreiches Futter in der Tierhaltung Verwendung findet und Sojaimporte ersetzen kann. „Dafür können wir auch auf sehr gute Beispiele aus unserem Verein zur Förderung von Biomasse und nachwachsenden Rohstoffen Freiberg e. V. verweisen“, betont Erik Ferchau.

 

 

Infos für Praktiker und Öffentlichkeit

Vorurteilen gegenüber Bioenergie und Akzeptanzproblemen entgegenzutreten, ist eines der Anliegen des Projektes „Förderung des Anbaus und der Verwertung von Nachwachsenden Rohstoffen“ des Biomassevereins, in dem Janine Pfeifer und Erik Ferchau seit Mitte des Jahres tätig sind. Es wird über die Richtlinie zur Förderung besonderer Initiativen des Staatsministeriums für Umwelt und Landwirtschaft (SMUL) gefördert und schließt sich an das inzwischen abgeschlossene Projekt „Bioenergieberatung Sachsen“ an. „Auch wenn der Ansatz ein etwas anderer ist, sollen die im Vorgängerprojekt geschaffenen Strukturen weiter genutzt werden“, erklärt Janine Pfeifer. Sachsenweit soll das Projekt über die Nutzung von Bioenergie informieren – sowohl auf fachlicher Ebene in Form von Wissenstransfer und Erfahrungsaustausch in Richtung land- und forstwirtschaftlicher Betriebe als auch auf einem allgemeineren Niveau in Richtung Öffentlichkeit und Bildungseinrichtungen. Auf Veranstaltungen – vom Volksfest bis zur Fachtagung – informieren die Projektmitarbeiter über Anbau und Nutzung von Nawaro, klären Kinder und Jugendliche über Bioenergie auf. Die beiden Projektmitarbeiter wissen, worüber sie reden. Erik Ferchau (41) ist studierter Diplomingenieur für Umweltverfahrenstechnik und jeweils mit einer halben Stelle im Projekt des Biomassevereins und an der TU Freiberg beschäftigt, wo er sich mit Biogastechnik befasst. Janine Pfeifer (29) hat an der Uni Kassel Landwirtschaft studiert und sich dann anschließend im Fachbereich Maschinenbau auf Erneuerbare Energien spezialisiert. Am Deutschen Biomasseforschungszentrum (DBFZ) in Leipzig war sie in verschiedenen Projekten eingebunden und bis vor Kurzem im Freiberger Biomasseverein für das RekultA-Projekt zum Nawaro- Anbau auf belasteten Flächen tätig. Fachlich ist das Team demnach auf dem Stand. Was auch notwendig ist, denn zu den Schwerpunkten des Projektes gehört es ebenso, Handlungsansätze in die Praxis zu vermitteln – sei es durch Fachveranstaltungen, die organisiert werden, oder durch das Aufzeigen von Beispielen, unter anderem bei Projektpartnern, die zum Teil als Demonstrationsbetriebe fungieren. „Und bei ganz speziellen Fragen vermitteln wir den Kontakt zu den richtigen Experten oder Institutionen“, so Janine Pfeifer.

 

 

Rat für Kommunen und Wohnungswirtschaft

Eng arbeiten die Freiberger mit dem „Bioenergienetzwerk Sachsen 2.0“ zusammen, das ebenfalls über das SMUL gefördert wird und bei dem Energieberatungsunternehmen Faktori3 in Dresden ansässig ist. Auch hier hat das Personal junge Gesichter: Seit Jahresmitte sind Sylvi Uhlig (36), Marlen Totzauer (28) und Juliane Krumbiegel (27) im Projekt tätig. Deckt das Freiberger Nawaro-Projekt in erster Linie die Erzeugerseite ab, zielt das Bioenergienetzwerk auf die Abnehmerseite: Kommunen, Wohnungswirtschaft sowie Industrie- und Gewerbebetriebe sollen sachsenweit für die Nutzung von Bioenergie interessiert und bei Anbahnung und der Verwirklichung von Projekten unterstützt werden. Hilfestellung benötigen viele Akteure – denn um mit Bioenergie konventionelle Energieträger wirtschaftlich sinnvoll zu ersetzen, müssen viele Faktoren stimmen. Den Beitrag, den das Bioenergienetzwerk leisten kann, erklärt Sylvi Uhlig, zuständig für das Netzwerkmanagement, an einem konkreten Fall. In Sebnitz begleite man den Aufbau eines Nahwärmenetzes, das von örtlichen Wohnungswirtschaftsunternehmen initiiert wurde. Dort erfolgt die Wärmeversorgung eines Wohngebietes über ein Gas-BHKW, Spitzenlasten werden über einen Holzpellet-Kessel bereitgestellt. „Wir unterstützen dies, indem wir das regionale Ressourcenpotenzial analysieren, nach technischen Lösungsansätzen und Möglichkeiten zur Effizienzoptimierung und insbesondere der Kosteneinsparung suchen“, sagt sie. So prüfe man beispielsweise, inwiefern der Bezug von Biomethan, das aus einer Biogasanlage in das Erdgasnetz eingespeist und in Sebnitz entnommen wird, wirtschaftlich sinnvoll zum Betrieb des BHKW beitragen kann. Auch die Einbindung kommunaler Gebäude ins Wärmenetz werde abgewogen.

 

 

Lösungssuche „ohne Scheuklappen“

„Wir suchen komplexe Lösungen“, macht die Projektverantwortliche den Anspruch deutlich. Dabei gehe es keinesfalls darum, um jeden Preis Bioenergie zur Anwendung zu bringen. Vielmehr soll sie dort eingesetzt werden, wo sie für den Anwender die besten Ergebnisse bringt – und das kann durchaus auch nur in Teilbereichen sein. „Wir gehen da nicht mit Scheuklappen ran“, verdeutlicht auch Juliane Krumbiegel, die als Fachingenieurin Energie im Projekt beschäftigt ist. Denn Schubladendenken sei fehl am Platz, sagt die Diplomingenieurin für Abfallwirtschaft und Altlasten. So sehen es auch ihre zwei Kolleginnen, die beide Diplomgeografinnen sind. Mit ihrem Abschluss halte sie sich jedenfalls für gut gerüstet, „fachlich breit zu denken“, meint Marlen Totzauer. „Als Geograf ist man von Hause aus darauf geschult.“ Ihr Schwerpunkt im Projekt liegt auf der Arbeit mit Geoinformationssystemen (GIS) – ein hilfreiches Instrument, um Nutzungspotenziale für Bioenergie zu ermitteln. Das tut sie unter anderem gerade im Rahmen einer Analyse für die Randbereiche Dresdens in Zusammenarbeit mit dem Umweltamt der Stadt, in der geklärt werden soll, welche Möglichkeiten dort für die Objekt- oder Nahwärmeversorgung auf bioenergetischer Basis bestehen.

 

 

Kurzer Draht zu vielen Partnern

Zugute kommt dem Projekt ein kurzer Draht zu einer Reihe von Partnern, die technische Lösungen für die Bioenergienutzung anbieten. Ebenso partnerschaftlich ist man mit dem DBFZ verbunden, um wissenschaftliches Know-how in die Breite zu tragen und um gut erprobte Lösungsansätze in andere Regionen Sachsens zu übertragen, wie Sylvi Uhlig erklärt. Aus diesen Tätigkeiten heraus ergebe sich die Zusammenarbeit mit Kommunen und Unternehmen. Doch auch auf Anfrage hin wird das Projekt beratend und unterstützend tätig. „Ideen und Herausforderungen gibt es viele“, weiß Sylvi Uhlig. Nur die Umsetzung sei oft nicht einfach, da es sich zumeist um komplexe Ansätze handele. Zumal auch das Bioenergienetzwerk – ebenso wie das Freiberger Nawaro-Projekt – nicht selten auf Vorbehalte gegenüber Bioenergie stößt. Störanfälligkeit der Technik, zu großer Lagerbedarf für die Biomasse und hohe Investitionskosten seien die häufigsten Gegenargumente. Doch vieles, versichert Juliane Krumbiegel, lasse sich relativ einfach lösen. Aufklärung darüber – und damit einhergehend die Erhöhung der Akzeptanz und Integration in bestehende Strukturen und Systeme –, auch das sei ein Schwerpunkt der Netzwerksarbeit. 

 

 

Kontaktdaten zu den Projekten „Förderung des Anbaus und der Verwertung von Nachwachsenden Rohstoffen“ Verein zur Förderung von Biomasse und Nachwachsenden Rohstoffen Freiberg e. V., Ansprechpartner: Erik Ferchau/Janine Pfeifer, Hauptstr. 150, 09599 Freiberg, Tel. (0 37 31) 7 98 07 00, Fax: (0 37 31) 7 98 07 01, E-Mail: kontakt@biomasse-freiberg.de, www.biomasse-freiberg.de Bioenergienetzwerk Sachsen 2.0, FAKTOR-i3 GmbH, Energiekonzepte und Beratung, Ansprechpartnerin: Sylvi Uhlig, World Trade Center, Freiberger Straße 35, 01067 Dresden, Tel. (03 51) 4 38 30 69-15, Fax (0351) 43 8 30 69-18 E-Mail: s.uhlig@faktor-i3.de, www.faktor-i3.de KB

 

 

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