122. Lipsia und 100. Nationale

27.11.2018

© Kathrin Große

Prachtvolles Rassegeflügel wird vom 7. bis 9. Dezember wieder in der Leipziger Messe zu sehen sein.

Etwa 43.600 Tiere werden Anfang Dezember (7.-9.12.) in den Hallen der Messe in Leipzig wieder gackern, schnattern und gurren. Ausgestellt werden sie von etwa 4.400 Züchtern, überwiegend aus Deutschland, aber unter anderem auch aus Frankreich, Österreich, Polen, Tschechien und den Benelux-Ländern. Dass das große Jubiläum ausgerechnet in der Messestadt Leipzig stattfindet, freut den ausrichtenden „Leipziger Rassegeflügelzüchterverein 1869 e.V.“ ganz besonders. Vorsitzender Dr. Lothar Heinrich: „Für uns ist das eine Ehre. Die ‚Erste Deutsche Geflügelausstellung‘ fand hier in Leipzig statt und jetzt die ‚Hundertste‘. Wir sind froh, dass wir das machen dürfen. Alle Mitarbeiter sind hochmotiviert und wir gehen davon aus, dass wir sehr viele internationale Gäste bekommen.“ Schirmherrin der Veranstaltung ist die Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft, Julia Klöckner. 

 

Selbst Kaiser Wilhelm schickte Grüße

 

Eine Besonderheit in diesem Jahr ist, dass sich die Anzahl des auszustellenden Geflügels und der Tauben in etwa die Waage hält. In den Jahren zuvor waren immer die Tauben in der Überzahl, in diesem Jahr holen Hühner, Enten, Gänse und Co. kräftig auf. „Warum das so ist, wissen wir nicht. Aber ich denke, das wird dem geschuldet sein, dass sich die Geflügelzüchter gerne im Jubiläumskatalog sehen wollen“, schmunzelt der 73-Jährige. Bei dieser Gelegenheit klappt er ein altes, in schwarzes Leder eingebundenes Büchlein auf, das für Züchterfreunde einen immensen historischen Wert hat. Es handelt sich um den Ausstellungskatalog der „Ersten Nationalen Geflügelausstellung“ aus dem Jahre 1893.  In altdeutscher Schrift ist zu lesen, dass damals „Seine königliche Hoheit, Prinz Johann Georg, Herzog zu Sachsen“ die Schirmherrschaft übernommen hatte. Sogar der Deutsche Kaiser Wilhelm II. ließ Grüße aus Berlin überbringen, die auch abgedruckt sind. „Der Kaiser hatte damals ein Telegramm geschickt und viel Erfolg gewünscht. Die Rassegeflügelzucht hatte damals die Stellung wie heute ein Golfclub“, betont Dr. Heinrich. Gehoben waren auch die Preise, die für die ausgestellten Tiere verlangt wurden. So ist in dem Büchlein zum Beispiel zu erfahren, dass damals ein Aussteller aus London ein gelbes Cochin-Paar für 500 Reichsmark anbieten konnte. Ein Züchter dagegen aus Leipzig-Gohlis wollte ein Cochin-Paar für 100 Reichsmark verkaufen. Grundsätzlich waren diese Preise für normale Arbeiter nur schwer erschwinglich, wenn der Wochenverdienst bei etwa 50 Reichsmark gelegen habe, so der heutige Vereinsvorsitzende.Umso wichtiger ist die Arbeit der Rassegeflügelzüchter über all die vielen Jahre einzuschätzen, die auch heute noch ihr Hobby mit viel Herz leben. Da werden Zuchtfreunde mit Tieren unterstützt, für die ein fairer Preis verlangt wird. Jungzüchter bekommen oft sogar auch sehr gute Tiere geschenkt, um sie an das Hobby heranzuführen. Überhaupt erhalten die Züchter nicht nur die bunte Artenvielfalt, sondern sie bewahren damit etliche Haustierrassen vor dem Aussterben. Dr. Lothar Heinrich: „Mit der Rassegeflügelzucht haben wir eine enorm wichtige Genreserve, auf die notfalls bei Epidemien zurückgegriffen werden kann, denn dann sind auch hochindustrialisierte Gesellschaften auf die ursprünglichen Rassen angewiesen. Deshalb ist es ein erklärtes Zuchtziel, dass die Tiere dem jeweiligen Rassestandard möglichst nah kommen.“ Entsprechend werden auch diesmal wieder viele Preisrichter die Tiere nach ihren Rassemerkmalen und ihrer Schönheit bewerten. 

 

Fachforum und Leistungspreise

 

Besonderheiten auf der Jubi­läumsschau in diesem Jahr sind sowohl ein Fachforum des Sächsischen Landesamtes für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie zu einheimischen Geflügelrassen (siehe Info-Kasten) als auch die Leistungspreise, die der Sächsische Geflügelwirtschaftsverband auslobt. Die Züchter mit den vier besten Tieren in den Rassen „Amerikanische weiße Leghorn“, „Rhodeländer“, „Cröllwitzer Puten“, „Deutsche Legegänse“ sowie „Amerikanische Pekingente“ sollen jeweils 100 € Prämie bekommen. Dabei handelt es sich nach Auskunft des Zuchtexperten und Preisrichters Dr. Manfred Golze um die vom Aussterben bedrohten Urformen der heutigen Leistungsrassen und Linienhybriden. 

 

Gehofft wird auf viele Besucher

 

125 Jahre nach der „Ersten Nationalen Geflügelausstellung“ wird auch die „100. Nationale“ in Leipzig ausgerichtet. Ausgesetzt wurde die Großveranstaltung während der beiden Weltkriege, der Wirtschaftsrezession in den 1920er-Jahren, in den Nachkriegsjahren sowie in Tierseuchenjahren. Hinsichtlich der alle Jahre wieder gefürchteten Vogelgrippe gibt es zum Jubiläum keine Schwierigkeiten. Die Veranstalter freuen sich auf viele Besucher vom 7. bis 9. Dezember in Leipzig. 

 

 

 

Landesamt lädt zum Fachforum: Leipzig. Traditionsgemäß lädt das Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG) auch in diesem Jahr im Rahmen der Lipsia-Bundesschau zu einem Fachforum ein. Im Mittelpunkt steht die Gesundheit des Rassegeflügels als Basis für eine erfolgreiche Zucht. Themen sind alte einheimische Geflügelrassen, die den Status „stark gefährdet“ bzw. „gefährdet“ haben. Außerdem wird über Impfprogramme und Impftechnik gesprochen, über die Pullorumseuche, die Darmgesundheit und tiergerechte Fütterung. Das Forum findet am 8.12.18 von 10 bis 14 Uhr in der Taubenhalle statt. 

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