116. Lipsia

21.12.2012

 

 

Klein ist die traditionelle Leipziger Rassegeflügelschau „Lipsia“ schon lange nicht mehr. In diesem Jahr wurde sie zum 116. Mal ausgerichtet – und an die 27. EE- Europaschau angekoppelt. Diese sprengte schon im Vorfeld die Erwartungen. Ursprünglich lagen Anmeldungen sogar für etwa 110.000 Tiere vor, die aber in dieser Größenordnung keinen Platz fanden. Grund: Eine der fünf Leipziger Messehallen wurde für die große „Jose Carreras Gala“ gebraucht, die als Fernsehshow Millionenspenden für Leukämiekranke sammelte. Dar­auf nahm Europaschau-Ausstellungsleiter Dr. Lothar Heinrich Rücksicht und sagte schweren Herzens vielen Züchtern ab. Dennoch gab es genug zu tun, allen voran für den Ausrichter, den „Leipziger Rassegeflügelzüchterverein 1869 e. V. „Wir haben etwa 25.000 Käfige selbst vorrätig. Die anderen 70.000 haben wir uns von befreundeten Vereinen aus dem gesamten Bundesgebiet, aus Polen, Tschechien, Österreich und Frankreich besorgt“, schilderte der Vorsitzende Dr. Heinrich eine der logistischen Meisterleistungen. Er dankte insbesondere auch den über 500 Preisrichtern, die an zwei Tagen alle Hühner, Gänse, Enten, Tauben, Kaninchen, Ziervögel und Cavias nach Form und Aussehen bewerteten. Ganz groß abgeräumt hat hier zum Beispiel Ruben Schreiter aus Gornsdorf. Er wurde mit seinen Federfüßigen Zwerghühnern vierfacher Europameister. Die Ehrenurkunden bekam der 22-Jährige für die besten Kollektionen in vier Farbschlägen. Zudem wurde er viermal als Europachampion für Einzeltiere ausgezeichnet. „Das ist ein Riesenerfolg, da bin ich überwältigt“, strahlt der junge Mann, der seine ersten Zwerghühner zum Schulanfang geschenkt bekam. Aus dem Hobby ist mittlerweile eine Freizeitbeschäftigung geworden, nach der er den Alltag ausrichtet. Konkret bedeutet das eine enorme Pendelei. Ruben Schreiter studiert Landwirtschaft in Dresden und fährt täglich 250 Kilometer, um sich um seine etwa 100 Tiere zu Hause zu kümmern. Trotz aller Arbeit hat die Rassegeflügelzucht sein Leben immer bereichert. Er sagt: „Durch solch ein Hobby lernt man, von Grund auf Verantwortung zu übernehmen und sich bewusst um etwas zu kümmern.“


Höchstnoten bekam auch die zehnjährige Hanni Orisch aus Strehla mit ihren goldweizen­farbigen Ko-Shamo-Zwerg­kämpfern. Mit einem Hahn wurde sie sogar „Europachampion“. Sie züchtet bereits seit ihrem fünften Lebensjahr, die japanische Zwerghuhnrasse hat sie von ihrem Vater „geerbt“, weil dieser mittlerweile größere Hühner züchtet. Ihre große Schwester Heidi stellte Holländische Zwerghühner aus. Ihre besten Noten waren „sehr gut“. Die 15-Jährige war damit zwar nicht ganz zufrieden. Dennoch freute sie sich auch über den Erfolg der Schwester und verriet, dass diese dreimal schon Vereinsmeisterin geworden sei. Vater Jörg Orisch war mächtig stolz auf seine Töchter. Das Interesse an den Tieren und der Zucht habe sich in der Familie von Generation zu Generation weiterübertragen. Einen Anteil habe aber auch der Rassegeflügelverein in Strehla. Der sei recht rege und nehme jedes Jahr zum Beispiel am beliebten Staffellauf der Stadt Strehla teil. Hier stellt der Verein zwei Mannschaften und wirbt dafür an Schulen um Mitstreiter. „So versucht der Verein, jungen Leuten die Rassegeflügelzucht näherzubringen, und die sportliche Seite ist ja auch interessant“, lobt der Familienvater das Engagement.


Erstmalige Aussteller waren in Leipzig die Kaninchenzüchter Lisa Schmiedeck und Jens Höppner aus Lichtentanne. Das Paar suchte ein gemeinsames Hobby und fand es in der Zucht von Rhönkaninchen. Für ihre Tiere erhielten sie sehr gute Noten. Die Kaninchen sind ihnen so sehr ans Herz gewachsen, dass Lisa Schmiedek genau Protokoll führt, ihre Aufzeichnungen ins Internet stellt und fast jedes Tier einen Namen bekommt. Die Europaschau war für beide ein tolles Erlebnis. Jens Höppner meinte: „Ich war im Vorfeld sehr aufgeregt und hatte nachts sogar von der Benotung geträumt. Aber dass es hier so schön wird, hätte ich nicht gedacht. Bei der Einlieferung hat alles geklappt, die Tiere sind gut untergebracht, und alle sind freundlich.“ Bei der nächsten Lipsia sind sie gerne wieder mit dabei – und die findet wieder im nächsten Jahr, dann aber in einem kleineren Rahmen statt.


 

Kathrin Große

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