1. Schwarzwildsymposium in Nossen

02.12.2014

© Rolfes/DJV

Für die Regulierung des Schwarzwildbestandes in Sachsen bedarf es gemeinsamer Anstrengungen.

Dicht gefüllt war beim ersten Sächsischen Schwarzwildsymposium der große Saal im Julius-Kühn-Bau des Landesamtes für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG) in Nossen. Rund 240 Jäger, Landwirte und Grund-
eigentümer waren der Einladung des Staatsministeriums für Umwelt und Landwirtschaft (SMUL), des Sächsischen Landesbauernverbandes (SLB), der Landesarbeitsgemeinschaft der Jagdgenossenschaften und Eigenjagdbesitzer (LAGJE) und des Landesjagdverbandes Sachsen (LJVS) gefolgt. Vorträgen aus der Wissenschaft schlossen sich Berichte aus der Praxis und Diskussionsrunden im Plenum und auf dem Podium an.

Nicht an veraltetem Wissen festhalten

Bei der Veranstaltung ging es nicht um Schuldzuweisungen, sondern um praktikable Wege zum Reduzieren der überhöhten Schwarzwildbestände. Deutlich wurde, dass dabei in erster Linie die Jäger gefordert sind. Wie Prof. Dr. Hans-Dieter Pfannenstiel herausstellte, dürfen die Jäger nicht an falschen Erkenntnissen zum Thema Schwarzwild beharrlich festhalten. Lernbereitschaft und neue Mittel und Methoden sind bei der Jagdausübung gefragt. Angesprochen und teils kontrovers diskutiert wurden dabei Themen wie: Abschuss der Leitbache, Abschuss gestreifter Frischlinge, Einsatz von Nachtjagdgeräten, Einsatz von Saufängen. Wie der Moderator der Veranstaltung, Dr. Richard Lammel, feststellte, ist auch der Inhalt der Waidgerechtigkeit nichts Statisches, sondern unterliegt im Laufe der Zeit Änderungen. Bedauerlich sei es, so Pfannenstiel, wenn ein Teil der Jägerschaft gar kein Interesse an der Reduzierung der Schwarzwildbestände habe.

Klar wurde bei der Veranstaltung, dass revierübergreifende Drückjagden einen nachhaltigen Beitrag zum Reduzieren der Schwarzwildbestände leisten können. Andreas Padberg vom Staatsbetrieb Sachsenforst erläuterte, wie derartige Gesellschaftsjagden regelmäßig im Colditzer Forst hoch professionell bis hin zu Straßensperrungen durch die Polizei und Wildverkauf direkt ab Strecke an die Bevölkerung organisiert werden. Ein interessanter Aspekt wurde bei der Diskussion angesprochen: Wenn die Jäger die Schwarzwildpopulationen nicht in den Griff bekommen, verspielen sie gegenüber der Öffentlichkeit ihre Glaubwürdigkeit. Die Jagd lässt sich dann als Regulierer von Wildbeständen nicht mehr erklären.

Wie auch die Landwirte einen Beitrag beim Reduzieren der Schwarzwildbestände leisten können, erläuterte anschaulich Arndt Hötzel, Geschäftsführer eines besonders von Wildschäden betroffenen Agrarbetriebs in der Nähe von Chemnitz. Die Palette möglicher Maßnahmen reicht vom kontinuierlichen Informationsaustausch mit den Jägern über den Verzicht auf den Anbau bestimmter Zwischenfrüchte bis zur Organisation von Erntejagden. Angesprochen wurden auch Bejagungsschneisen im Raps, die aber derzeit anders als solche im Mais noch nicht förderfähig sind.

„Freiberger Erklärung“ mit Leben erfüllen

Für Gunther Zschommler, Vorsitzender der LAGJE, war die Veranstaltung ein Auftakt, der gemeinsamen Verantwortung um die Wildschweinproblematik gerecht zu werden. Es gelte, in der „grünen Familie“ mehr miteinander und nicht übereinander zu reden. Die „Freiberger Erklärung“ müsse in der Praxis umgesetzt und von den handelnden Personen vor Ort mit Leben erfüllt werden. Des Weiteren müssen die Jagdgenossenschaften stärker und nachhaltiger ihrer Verantwortung gerecht werden. Wie Utz Hempfling, Referatsleiter Wald- und Forstwirtschaft, Forst- und Jagdbehörde  beim SMUL, in seinem Schlusswort ankündigte, will der Freistaat Sachsen demnächst ein aus der Jagdabgabe mitfinanziertes Forschungsprojekt aus der Taufe heben. Dem ersten Schwarzwildsymposium soll auf jeden Fall eine weitere Veranstaltung folgen. Möglich sind auch mehrere Veranstaltungen auf regionaler Ebene.

Minister: Jäger brauchen Unterstützung der Landbewirtschafter
Forstminister Thomas Schmidt hat anlässlich des Schwarzwildsymposiums in Nossen die Reduzierung der Schwarzwildbestände als eine weiterhin wichtige Aufgabe für Sachsens Jäger bezeichnet. Dazu benötigten die Weidmänner jedoch die Unterstützung der Landbewirtschafter und der Grundeigentümer vor Ort.

Schon allein der Blick auf die Jagdstrecke der vergangenen Jahre sei ein deutlicher Hinweis darauf, dass die Bestände stetig wachsen. So habe man im Jagdjahr 2013/14 im Freistaat 26 173 Wildschweine erlegt. Dies sei fast doppelt so viel wie noch im Jagdjahr 1991/92, als die Jagdstrecke 13 772 Wildschweine zählte. „Trotzdem müssen wir von weiter steigenden Schwarzwildbeständen ausgehen, auch in Regionen, wo die Tiere bisher bestenfalls sporadisch vorkamen“, so Schmidt. „Das führt nicht nur zu hohen Schäden, vor allem in der Landwirtschaft. Es vergrößert auch die Risiken des Auftretens von Wildseuchen.“

Um der anwachsenden Schwarzwildpopulation Herr zu werden, habe der Freistaat in den vergangenen Jahren Maßnahmen ergriffen, mit denen die Jagd attraktiver werden soll und Hemmnisse abgebaut würden. Hierzu zählen die Einführung einer ganzjährigen Jagdzeit für Schwarzwild im Jagdrecht und die Unterstützung junger Landwirte beim Erwerb des Jagdscheines. Hinzu kommen Änderungen in der landwirtschaftlichen Förderung, die es ermöglichen, Jagdschneisen in Maisflächen anzulegen.

Ein wichtiger Schritt war Minister Schmidt zufolge darüber hinaus die Unterzeichnung der „Freiberger Erklärung“ durch die Verbände der Jäger, Jagdgenossenschaften, Landwirte und Waldbewirtschafter, mit der eine verbesserte Zusammenarbeit der Akteure vor Ort angestrebt wird, wie sie teilweise schon erfolgreich praktiziert werde. „Landwirte sollten die Jäger frühzeitig über ihre Anbauplanung und Erntetermine informieren. So können Bejagungsschwerpunkte und Jagdtermine besser geplant werden“, so der Minister.

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