Wolfsangriffe häufen sich

31.03.2016

Dammwild © Meike Schulze-Wührl

Im Norden des Landes hat es in den vergangenen Tagen und Wochen mehrere Angriffe von Wölfen auf Nutztierherden und Wildgatter gegeben. In Uchtdorf bei Tangerhütte, Landkreis Stendal, rissen die Raubtiere am Wochenende vor Ostern neun hochträchtige Schafe. Weitere vier Tiere wurden verletzt, sieben wurden vermisst. Einige Schafe waren derart übel zugerichtet, dass die herbeigerufene Tierärztin sie nur noch von ihrem Leiden erlösen konnte.


Die Koppel war vorschriftsmäßig mit einem 90 cm hohen Elektrozaun mit Flatterbändern gesichert, den die Räuber offenbar übersprangen. Andreas Berbig von der Referenzstelle Wolfsschutz ging anhand der Spurenlage von einem Wolfsangriff aus. Nur wenige Wochen zuvor waren am selben Ort bereits zwei Schafe Opfer von Wölfen geworden.


Die Herde soll nun zusätzlich von Hunden bewacht werden. Die Gesellschaft zum Schutz der Wölfe will dem Tierhalter einen Herdenschutzhund mit zwei Welpen zur Verfügung stellen. Die Jungtiere sollen dann langfristig bleiben.Für die getöteten Schafe steht nach aufwändiger Beantragung eine Entschädigung in Aussicht.  Auf dem Schaden durch den Verlust der ungeborenen Lämmer, den Zuchtausfall sowie mögliche Verlammungen wird der betroffene Schäfer, für den es der vierte Wolfsangriff war, jedoch wohl sitzen bleiben.


Nachgewiesenermaßen durch einen oder mehrere Wölfe getötet wurden Mitte Februar in zwei aufeinander folgenden Nächten auch 25 Stück Muffel- und Damwild in einem Gehege in Walsleben bei Osterburg, ebenfalls Landkreis Stendal. Offenbar waren die Raubtiere unter dem Zaun hindurchgekrochen. Bei diesem Angriff handelte es sich wahrscheinlich um den bislang größten auf eine Nutztierherde im Norden Sachsen-Anhalts. Betroffen war hier eine Hobbyzüchterin, die auf einen Schlag die Hälfte ihrer Tiere verloren hat.


Zuvor wurden in Uthmöden bei Haldensleben, Bördekreis, fünf Schafe in einer Kleinhaltung gerissen. Ein Wanderschäfer, der nördlich von Magdeburg mit seiner Herde unterwegs ist, verzeichnete in den vergangenen Monaten nach eigenen Angaben inzwischen sieben Wolfsattacken. Er verlor dabei insgesamt 32 Tiere.


Anfang März wurde Medienberichten zufolge ein Wolf in der Dübener Heide bei Krina im Landkreis Anhalt-Bitterfeld gesichtet. Die Schäfer fordern angesichts zunehmender Übergriffe von Wölfen auf Weidetiere – trotz entsprechender Sicherheitsvorkehrungen – „drastischere Maßnahmen“. Wolfsexperte Berbig verteidigte gegenüber Medienvertretern „die von der Politik gewollte Ausbreitung der Wölfe in Deutschland“.


Das Magdeburger Agrar- und Umweltministerium machte den Nutztierhaltern ebenfalls keine Hoffnungen auf eine Aufnahme des streng geschützten Raubtiers in das Jagdrecht. Nach Schätzungen des Landesjagdverbandes (LJV) gibt es inzwischen 90 Wölfe im Land. Es könnten aber auch mehr sein, mutmaßen Schäfer und Jäger. Letztere will die Politik laut Verband zukünftig offenbar stärker für die zunehmenden Wildschäden in der Feldflur in die Pflicht nehmen. Dorthin flüchtet sich das Schalenwild aus Furcht vor dem Wolf aus den Wäldern.

Diese Webseite verwendet Cookies. Wenn Sie durch unsere Seiten surfen, erklären Sie sich mit unseren Nutzungsbedingungen einverstanden.

Erfahren Sie mehr