Weniger Weizen, aber in guter Qualität

16.11.2015

© Bettina Koch

Winterweizen macht fast 60 % der Getreideanbaufläche im Land aus. Hier wird das Korn bei Gröningen im Landkreis Börde gedroschen.

Zur Erntepressekonferenz hatte Präsident Michael Reichelt im Statistischen Landesamt in Halle rotbäckige Äpfel und kugelrunde blaue Pflaumen auftischen lassen – frisches Obst aus regionaler Produktion. Auf den Plantagen in Sachsen-Anhalt wurden in diesem Jahr derweil weniger Äpfel und Kirschen geerntet. Die Weinmosternte an Saale und Unstrut dagegen fiel reichlich aus. Insgesamt zogen die Statistiker eine gemischte Bilanz: Anhaltende Trockenheit, aber auch Unwetter mit Sturm, Hagel und Starkregen haben die Ernteergebnisse 2015 beeinflusst.

 

Einbußen beim Raps


Die diesjährige Gesamtgetreideernte von insgesamt 563 900 ha Anbaufläche bezifferten die Statistiker mit 3,7 Mio. Tonnen. Mit durchschnittlich 68 dt/ha lagen die Erträge eine Dezitonne unter dem langjährigen Mittel. Der Winterweizen als dominierende Feldfrucht brachte es auf 73,7 dt/ha, das waren fast vier Dezitonnen weniger als im Durchschnitt der Vorjahre.


Mit einem A-Weizen-Anteil von über 70 % konnten sich die hiesigen Landwirte jedoch über ein deutliches Qualitätsplus freuen. „Im Bundesdurchschnitt wurden nur 47 Prozent A-Weizen geerntet“, sagte Michael Reichelt, Präsident des Statistischen Landesamtes in Halle, „wir haben weniger, aber besseren Weizen“.


Beim Winterraps lag das Ernteergebnis mit 37,7 dt/ha um 3,2 dt/ha unter dem langjährigen Mittel und 10 dt/ha unter dem Vorjahresniveau. „Die Rekordernte von 2014 ließ sich witterungsbedingt in diesem Jahr nicht wiederholen“, sagte Reichelt. Zudem richteten Feldmäuse und Rapserdflöhe Schäden in den Kulturen an. Die Qualität  der Ölsaat, sprich: der Ölgehalt, ist mit mittleren 43,6 % dennoch hoch und liegt in der Größenordnung der Jahre 2009 bis 2014.
Einen deutlichen Rückgang stellten die Statistiker bei den Hackfrüchten fest. Während die Anbaufläche bei Kartoffeln binnen Jahresfrist um acht Prozent auf rund 12 100 ha schrumpfte, sank die Erntemenge – gerechnet auf die bis Ende September erfassten Daten – um fast 25 % auf 540 000 Tonnen (447 dt/ha).

 

Rübenanbau reduziert


Nach der Rekordrübenernte des Vorjahres und der Notwendigkeit, Übermengen vorzutragen, wurde auch der Zuckerrübenanbau um fast 30 % reduziert. Die Erträge liegen im Mittel bei geschätzten 640 dt/ha und fallen damit um fast ein Viertel niedriger aus als 2014.


Auch von den Obstplantagen melden die Statistiker Ernteeinbußen wegen fehlender Niederschläge. Mit 27 200 Tonnen Äpfeln wurden 16 % weniger als im Vorjahr geerntet. Immerhin, so rechnete Michael Reichelt aus, „könnte man mit dieser Menge 27,2 Millionen Apfelkuchen backen“. Zum langjährigen Mittel der letzten sechs Jahre ist die Ertragslage bei Äpfeln dennoch um 5,6 % höher. Bei Süßkirschen mit 1 500 Tonnen lag das Minus bei 40 %. Auch die Erdbeerernte war mit 60,2 dt/ha unterdurchschnittlich. Einige Betriebe beklagten Totalausfälle nach Hagelschäden und Stürmen.

 

Zufriedene Winzer


Die Winzer des nördlichsten Qualitätsweinbaugebietes Deutschlands freuen sich über eine gute Ausbeute. Die Schätzungen gehen von 49 000 Hektoliter Weinmost aus, das sind 9 800 Hektoliter oder 25 % mehr als im Vorjahr. Besonders hohe Ertragszunahmen erzielten die Weinbauern an Saale und Unstrut mit den Rebsorten Blauer Spätburgunder sowie Grauer und Weißer Burgunder.


Die ertragsfähige Spargelfläche wurde seit 2010 um fast die Hälfte auf 597 ha reduziert. Technologisch aufgerüstet, mit Folienabdeckung und in Einzelfällen mit Bodenheizung – durch Abwärme aus Biogasanlagen gespeist – konnten Sachsen-Anhalts Spargelbauern trotz kühler Witterung zum Saisonstart und trotz des Niederschlagsdefizits noch 46 dt/ha Spargel stechen. Im vergangenen Jahr waren 4,7 dt/ha mehr geerntet worden.

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