Wassermanagement

25.07.2018

© Ralf Franke

Am Zehrengraben überzeugten sich Vertreter von Landwirtschaftsministerium, Agrarverwaltung, Landgesellschaft, Kommunen und Unterhaltungsverbänden sowie Planer und Landwirte insbesondere vom Zustand der instand gesetzten Bauwerke zur Gewässerregulierung.

Eigentlich sind Unterhaltungsverbände (UHV) dafür da, die Fließgewässer zweiter Ordnung in ihrem Einzugsgebiet so zu pflegen, dass das Oberflächenwasser möglichst schadlos abfließen kann. Das kostbare Nass zurückzuhalten, sieht das Landeswassergesetz nicht vor. Unter anderem, weil das Kosten verursacht, die die Nutznießer selbst tragen sollen. Weshalb viele Anlagen zur Wasserregulierung in den Gewässern nach der Wende verschwanden, da sich Landeigentümer bzw. -pächter und Kommunen nicht zuständig fühlten oder finanziell überfordert sahen.

 

Doch es ist eben nicht nur die Landwirtschaft, sondern vor allem auch die Natur, die davon profitiert, wenn das Wasser nicht zu schnell abfließt. Zumal sich Flora und Fauna im Laufe vieler Jahrzehnte den Bedingungen der Kulturlandschaft angepasst haben.

 

Förderung vom Land

Vor fünf Jahren wurde dazu in der östlichen Altmark im Auftrag des Landwirtschaftsministeriums von der Landgesellschaft Sachsen-Anhalt ein Pilotprojekt „Regionales Wassermanagement“ für die Einzugsgebiete von Tanger und Zehrengraben angeschoben. Mitte Juni machten sich Fördermittelgeber und Beteiligte vor Ort ein Bild vom Erfolg der zu 90 % vom Land bezuschussten Maßnahmen.

 

Zuständig für die Umsetzung des Pilotprojektes am rund 29 km langen Zehrengraben, der mit einem Einzugsgebiet von 250 km2 neben Aland, Elbe und Seege eines der wichtigsten Gewässer im Vorflutersystem der Region ist, ist der Unterhaltungsverband (UHV) Seege/Aland mit Sitz in Seehausen. Dieser hat in den vergangenen beiden Jahren sechs alte Anlagen zur Gewässerregulierung am Zehrengraben für rund 1,2 Mio. € instand gesetzt, blickte UHV-Geschäftsführer Klaus-Peter Meißner beim Vor-Ort-Termin bei Deutsch zurück. Teil des Projektes ist es auch, dass der Unterhaltungsverband mit den Anlagen das Wassermanagement übernimmt. Was wiederum nur in Zusammenarbeit mit Landwirten und deren Erfahrungen gelingt. Bei den Anlagen Drösede, Bömenzien und Deutsch wird Bodo Kurtze bei Bedarf zur Kurbel greifen und die Wasserstände in Absprache mit anderen Verantwortlichen und dem Verband regeln.

 

Nutzen auch bei Dürre

Kurtze war voll des Lobes, dass mit dem Erhalt der Anlagen ein guter Beitrag zum Naturschutz und zur Umwelterhaltung geleistet werde. Er mochte sich nicht ausmalen, wie die Landschaft sonst bei der diesjährigen extremen Tockenheit ausgesehen hätte. Er ermunterte die Verantwortlichen zudem, an neuralgischen Punkten noch mehr für den Gebietswasserhaushalt zu unternehmen.

 

Dass landwirtschaftliche Flächen im Einzugsgebiet des Zehrengrabens davon profitieren – die Planer sprechen von knapp 1.700 ha Vorteilsfläche – ist ein nützlicher Nebeneffekt, war aber nie oberstes Ziel des Pilotprojektes. Frank Wiese, Vorstandsvorsitzender der Agrar-Genossenschaft „Altmärkische Höhe“ Lückstedt, betonte, die Maßnahme sei auch eine Investition in den Hochwasserschutz, weil unzählige Kilometer Drainage über viele Vorfluter in den Zehrengraben führen. Eine Menge Wasser, die im Ernstfall zurückgehalten werden kann, um die Flüsse zu entlasten.

 

Dr. Wolfgang Milch, Abteilungsleiter Naturschutz und Wasserwirtschaft im Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft und Energie, vernahm das Lob kurz vor seinem Wechsel in den Ruhestand gern. Milch versprach, in seinen letzten Arbeitstagen in Magdeburg für solche Projekte zu werben, von denen gleich mehrere Bereiche im ländlichen Raum profitieren können.

 

 

 

Wassermanagement / UHV Tanger

Projektträger für südliche Altmark

Tangerhütte. Rund 750.000 € (davon 90 % Förderung vom Land) sind im Verbandsgebiet des Unterhaltungsverbandes (UHV) Tanger im Rahmen des Pilotprojektes „Regionales Wassermanagement“ investiert worden, um alte, teils nicht mehr nutzbare Anlagen zur Gewässerregulierung für die Zukunft zu ertüchtigen. Wie die Tageszeitung „Volksstimme“ berichtete, hält Detlef Braune, Landwirt in Schönwalde und Verbandsvorsteher des UHV Tanger, die Zuordnung der Anlagen zum UHV für eine gute Sache, da dieser damit auf kurzem Wege regulierend eingreifen könne. Braune hatte gemeinsam mit dem Geschäftsführer des UHV Tanger, Jan Klein, sowie dem Verbandsvorsteher und dem Geschäftsführer des UHV Seege/Aland, Joachim Hallmann und Klaus-Peter Meißner, zur Auswertung eingeladen (siehe auch nebenstehender Beitrag).

Für den Bereich des Mahlwinkler und Sandbeiendorfer Tangers sowie des Dollgrabens südlich von Tangerhütte waren vom UHV Tanger 28 Stauanlagen untersucht und acht als sanierungsfähig eingestuft worden. Sieben Anlagen konnten nun im Rahmen des Projektes erneuert werden. Ziel des Pilotprojektes sei gewesen, ein Konzept für das Staumanagement in Regionen mit hohem Anteil an vernässten Standorten, aber auch zusätzlichem Bewässerungsbedarf bei Trockenheit zu erarbeiten, erklärte Dr. Cornelia Häfner von der Landgesellschaft Mitte Juni beim Vor-Ort-Termin.

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