Was tun im Seuchenfall?

23.09.2014

© LKV

Rund 180 Teilnehmer, darunter Landwirte, Tierärzte und Behördenvertreter, besuchten die Infoveranstaltungen in Halle und Iden.

Große Resonanz fanden die von Landeskontrollverband (LKV) und Tierseuchenkasse (TSK) Ende August in Halle und Iden durchgeführten Informationsveranstaltungen für Schweinehalter. Dr. Ulrich Bachmann, LKV Agro-Tier-Service GmbH (ATS), erläuterte die neuen Regelungen zur Tierseuchenbekämpfung durch das am 1. Mai 2014 in Kraft getretene Tiergesundheitsgesetz. Hier sei nun klargestellt, dass im Seuchenfall der Landwirt für das Töten der Tiere zu sorgen und hierfür entsprechende Vorsorgemaßnahmen zu treffen hat.

Da diese Aufgabe in der Regel Kapazität und Qualifikation des Einzelnen übersteige, sei in Sachsen-Anhalt nach einer landesweit einheitlichen Lösung gesucht worden. Mittlerweile hätten Wirtschaftsgeflügelverband sowie Schaf- und Rinderzuchtverband die ATS GmbH mit dieser Aufgabe betraut.

Finanzierung durch TSK

Zum gegenwärtigen Arbeitsstand sagte Bachmann, nach Etablierung eines Lenkungsausschusses seien, beginnend beim Geflügel, Konzepte für das Töten von Groß- und Kleinbeständen entwickelt und ein Vorsorgevertrag mit einem Spezialunternehmen im Geflügelbereich geschlossen worden. Die Übernahme von im Land vorhandener bzw. die Anschaffung von Tötungstechnik für Kleinbestände sei in die Wege geleitet. Dankenswerterweise habe die Tierseuchenkasse, die ein großes Interesse an entsprechenden Vorkehrungen habe, die Finanzierung übernommen.

Leider fehle im Schweinebereich, der wie beim Geflügel hohe Bestandskonzentrationen aufweist, ein entsprechender Ansprechpartner zur Beauftragung. Die Anwesenden waren sich einig, dass die Schweinehalter in Sachsen-Anhalt in die landesweite Vorsorgelösung einzubeziehen seien und eine Vertretung brauchen. Ob hier die Stiftung zur Förderung der Schweinezucht diesen Part übernehmen könne, wurde überlegt und wäre zu prüfen.

Der zweite Vortrag befasste sich aus aktuellem Anlass mit dem tierschutzgerechten Töten nicht lebensfähiger bzw. unheilbar kranker Ferkel. Dazu stellten in Iden Dr. Lutz Kattein, Agrarministerium, bzw. in Halle Dr. Julian Azar, Landesverwaltungsamt, die Rechtgrundlagen und den kürzlich durch Agrarminister Dr. Hermann Onko Aeikens dazu verschickten Erlass vor. Danach ist die derzeit einzige zulässige und sichere Methode zur Tötung von Ferkeln unter 5 kg Gewicht das Betäuben durch Kopfschlag und der anschließende Blutentzug.

In der Diskussion machten die anwesenden Sauenhalter deutlich, dass es ihnen nicht leicht falle, unheilbar kranke Ferkel zu töten. Es gebe dazu aber auch keine Alternativen, um den Tieren weiteres Leid zu ersparen. Hervorgehoben wurde, dass der Erlass Rechtssicherheit in der Methodenanwendung bringe. Auch ein Sachkundenachweis wurde für wichtig erachtet. Eine praxisgerechte Lösung stellte Marcus Elmerhaus von der Firma Animal Welfare Service GmbH mit einem „Piglet Case“ genannten Servicewagen vor.

Antibiotika in der Mast

Einen weiteren Schwerpunkt bildeten die Regelungen zur 16. Novelle des Arzneimittelgesetzes. Diese beinhalten im Wesentlichen die Erfassung der Antibiotikagaben an Masttiere in einer zentralen Datenbank und Wege zur Minimierung des Antibiotikaeinsatzes in der Tiermast. Dr. Kattein und Dr. Azar erläuterten die rechtlichen Grundlagen und die Pflichten der Masttierhalter im Antibiotikamonitoring. Sie gingen auf die zur Meldung verpflichteten Betriebe sowie auf Art und Umfang der Meldungen ein. Halbjährlich werden die Mastbetriebe nach ihrem Antibiotikaeinsatz rangiert. Betriebe mit über dem Durchschnitt (Median) liegendem Einsatz müssen mit ihrem Hoftierarzt entsprechende Minderungskonzepte erarbeiten. Betriebe im oberen Viertel, die den höchsten Antibiotikaeinsatz haben, müssen dieses Konzept der zuständigen Veterinärbehörde einreichen, die es prüft. Dabei würden der Behörde weitgehende Rechte eingeräumt, die im Extremfall bis zum Haltungsverbot reichen.

Meldung an Datenbank

Der LKV, vom Land mit der Kennzeichnung und Registrierung von Vieh beliehen, soll auch Ansprechpartner für die Tierhalter im Antibiotikamonitoring sein und die Tierhalter z. B. bei der Dateneingabe unterstützen. Dr. Ines Naumann, LKV, stellte deshalb zum Abschluss in einer praktischen Demonstration vor, wie der Tierhalter seine Meldungen in der zentralen Datenbank HI-Tier, in welcher die Antibiotikadatenbank als Modul angedockt wurde, abgeben kann. Der Zugang ist analog die Registriernummer des Betriebes oder Standortes und eine durch den LKV vergebene Pin. Erläutert wurde auch, wie der Landwirt vorgehen muss, wenn er Dritte mit dieser Aufgabe betraut. Obwohl jede Meldung durch den Tierhalter storniert werden kann, forderte sie zu einer sorgfältigen Eingabe insbesondere des Medikamenteneinsatzes auf. Hier fehlen leider noch viele automatische Prüfungen der Datenplausibilität, wodurch es schnell zu falschen Eingaben kommen kann.

Naumann befürchtete, dass es ähnlich wie bei der Etablierung der Rinderdatenbank im Nachhinein zu durch den Landwirt zu korrigierende Fehlermeldungen kommen könnte. Auch wenn die Antibiotikaangaben erst am 14. Januar 2015 für das zweite Halbjahr 2014 eingegeben sein müssen, ist eine kontinuierliche Meldung vorteilhaft. Moderiert wurde die Veranstaltung durch den Geschäftsführer der Tierseuchenkasse, Dr. Falk Salchert.

Vorträge im Internet unter: www.tierseuchenkassesachsen-anhalt.de, www.lkv-st.de, www.llfg.sachsen-anhalt.de


Dr. Hans-Jörg Rösler,
LKV

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