Tag der offenen Tür in der Lübars Agrar GmbH

29.09.2014

© Bettina Koch

Die Besucher des Hoftages konnten die neue Stallanlage besichtigen.

Groß und schön präsentierte sich die Lübars Agrar GmbH, Landkreis Jerichower Land, kürzlich an ihrem Tag der offenen Tür anlässlich der Einweihung des neuen Melkzentrums und der Stallanlage in Hohenziatz. Berufskollegen, Verpächter und sonstige Wissensdurstige trotzten mit ihren Familien dem Nieselregen.

Eigentümer und Betriebsleiter Dirk-Jan van den Tillaart ist zufrieden. Er schätzt die Zahl der Besucher auf 3 500: Rund 900 Autos zählten die Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr, etwa 250 Leute kamen aus den Nachbarorten mit Fahrrädern.

Im Sinne des Tierwohls

Was sie zu sehen bekamen, waren Ställe für Milchkühe, Nachzucht und Jungbullen, Ackertechnik, die Biogasanlage sowie das neue, hochmoderne Melkzentrum mit einem 72er Karussell und den sich anschließenden großzügigen Stall mit 900 Kuhplätzen, der gerade nach hinten um weitere 400 Tierplätze erweitert und bis zum Jahresende fertiggestellt wird.

Große Stallanlagen und große Melkkarussells liegen im Trend, wie Martin Berendsen von der niederländischen Stallbaufirma Wopereis einschätzt. „Diese großen, breiten Ställe haben den Vorteil, dass hier die Lüftung hervorragend und von ganz allein funktioniert.“ Um die Firsthöhe von 17 m zu erreichen, die über die Öffnung nach oben einen Kamineffekt erzeugt, ist eine gewisse Breite erforderlich. Hier strömt ständig Frischluft in den Stall, ohne dass es zugig ist, und verbrauchte Luft wird nach oben Luft abgeführt. 73 m breit ist dieser Stall. Inklusive Melkzentrum und Erweiterungsbau wird der Komplex schließlich eine Länge von 200 m haben.

Berendsen lobt die Fortschritte im Sinne des Tierwohls: Neben der effektiven Lüftung sei mit Lichtplatten für Helligkeit im Stall gesorgt, breite Laufgänge gewährten Bewegungsfreiheit, die Kombination aus Betonspaltenboden und Gummieinlagen lasse tierische Ausscheidungen rasch absickern, mindere das Aufsteigen von Güllegerüchen, die Tiere könnten auf diesen Böden gut laufen. Für verbesserten Kuhkomfort sorge außerdem das „Green Bedding“. Die Kühe liegen auf ihren Plätzen auf Einstreu aus abgepresster Gülle, während der flüssige Gülleanteil in der Biogasanlage veredelt werde.

„Beim Kuhkomfort hat sich in den vergangenen Jahren eine Menge getan“, schätzt auch Kees de Vries, Landwirt und CDU-Bundestagsabgeordneter, ein. Und die Entwicklung werde weitergehen. Seine Vision ist, dass die „Weide unterm Dach“ den Boxenlaufstall ablösen wird, mit sickerfähigem Kunstrasen statt Spaltenböden, mit noch mehr Platz für die Tiere und mit Kompost als Einstreu. Versuche in dieser Richtung gebe es in den Niederlanden bereits. Die ständig steigenden Anforderungen an Tierschutz und Tierwohl werden die Entwicklung früher oder später in diese Richtung treiben, glaubt der Politiker, „vielleicht in 20 oder 30 Jahren“. Für heute und die nahe Zukunft sei die Lübars Agrar GmbH mit ihrer Ausstattung allerdings auf dem modernsten Stand und für den Wettbewerb bestens gerüstet.

Von Berufskollegen und Verpächtern bekommt Dirk-Jan van den Tillaart Lob und Bewunderung für die neue Anlage zu hören, aber auch manchmal die Frage: „Muss das alles so groß und schön sein?“ „Bei VW würde niemand eine solche Frage stellen“, gibt der Betriebsleiter zurück. „Wir produzieren ein hochwertiges Lebensmittel. Da dürfen die Anlagen auch groß und schön sein.“ Diese Investition sei seine Antwort auf den Wegfall der Milchquote im nächsten Jahr und den sich verändernden Wettbewerb, in dem sich jeder positionieren muss. Aber Größe sei nicht alles, es gebe auch kleine Betriebe, die gutes Geld verdienen. „Man muss nicht groß sein, man muss Profi sein“, betont van den Tillaart. Ein schlüssiges Gesamtkonzept, optimierte Stoffkreisläufe, effektive Strukturen, ein motiviertes Team seien einige wesentliche Voraussetzungen für den Erfolg.

Effektivität ist wichtig

Um 17 Uhr sind die Türen zur Melkstation für die Besucher des Hoftages der Lübars Agrar GmbH geschlossen. Der Einmarsch der Milchkühe beginnt. Zehn bis zwölf Minuten dauert eine Runde auf dem Karussell mit 72 Plätzen. Ganz schön flott. „Die Kühe wollen ja auch ihren Spaß haben“, scherzt Jacobus Hoekema, Händler-, Service- und Wartungsbetrieb für die DeLaval-Technikausstattung des Melkzentrums.  Nein, um Spaß geht es natürlich nicht, sondern um Effektivität. Immerhin sind insgesamt knapp 2 500 Kühe zweimal täglich zu melken, das sind gute sechs Stunden pro Schicht. Auf 3 000 Milchkühe soll der Bestand wachsen, wenn der letzte Stallabschnitt fertiggestellt ist. Ohne effiziente Technik ist das nicht zu bewältigen.

Die Milchkühe nehmen die Karussellfahrt gelassen. Von draußen sehen die Hoftaggäste im Nieselregen durch die Glasfront den drei Mitarbeitern beim Melken zu.

Bettina Koch

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