Schäferbetriebe

24.05.2013

Die Ehrenmitgliedschaft im Landesschafzuchtverband ist Schäfermeister Hartmut Wöhlbier (M.) auf Vorschlag des Vorstandes von der Mitgliederversammlung einstimmig verliehen worden. Erste Gratulanten waren Vorsitzender Dirk Papendieck (l.) und Wolfgang Ox

 

Die öffentlichen Direktzahlungen sind für uns Schäfer unentbehrlich. Wir sind auf die Förderprogramme zur Existenzsicherung unserer Betriebe angewiesen“, machte der Vorsitzende des Landesschafzuchtverbandes (LSV), Dirk Papendieck, gleich zu Beginn seines Berichtes an die diesjährige Mitgliederversammlung am 18. April in Bernburg-Strenzfeld deutlich. Er verwies auf betriebswirtschaftliche Auswertungen, die zeigten, dass die Schafhaltung im Vergleich der landwirtschaftlichen Betriebszweige die geringste Flächenproduktivität habe. Nur 35 % der Erlöse kämen direkt aus der Tierproduktion. Ein weiteres Drittel der Einnahmen machten die entkoppelten Betriebsprämien aus, ein Viertel die Gelder für Landschaftspflegeleistungen. 9 % seien Mittel für Deichpflege und sonstige Erlöse.

Weniger Fördermittel

Mit Sorge sieht der Verbandschef daher, dass die Mittelausstattung für die Kulturlandschaftspflege, bedingt durch die angespannte Finanzsituation des Landes und das Programm-angebot, rückläufig sind. Da wegen der anstehenden Agrarpolitikreform zudem nur bestehende Extensivierungs- und Agrar-umweltmaßnahmen um ein Jahr verlängert wurden und dies wohl auch 2014 wieder der Fall sein dürfte, sei allenfalls der Status quo in den Betrieben zu halten. Papendieck sprach daher von einer insgesamt „unbefriedigenden Situation“.

Der Bitte des Verbandes, die Grünlandprogramme und insbesondere FNL-B-Maßnahmen zu stärken, sei nicht entsprochen worden. „Wir brauchen die Mittel aus der ersten Säule und die zusätzliche Vergütung aus der zweiten Säule für die wirtschaftliche Sicherung der Wirtschaftlichkeit der Schafhaltung“, unterstrich der Schäfermeister.

Hierbei gehe es auch darum, die Arbeit der Schäfer angemessen zu entlohnen, die so viele Umweltleistungen wie kein anderer Zweig der Landwirtschaft erbrächten, gegenüber anderen Grünlandnutzern aber kaum konkurrenzfähig seien. Zudem steige die Belastung der Betriebe kontinuierlich, unter anderem durch die Beiträge zur Berufsgenossenschaft. Große Sorgen macht sich Papendieck angesichts rückläufiger Ausbildungszahlen auch um die Nachwuchssicherung für die Schäfergilde.

Tierbestand rückläufig

LSV-Geschäftsführer Dr. Hans-Jörg Rösler konnte in seinem Geschäftsbericht auf eine relativ konstante Zahl von 208 Verbandsmitgliedern verweisen. Er musste jedoch einen stetigen Rückgang des Schafbestandes im Land seit dem Jahr 2000 aufgrund des Wegfalls der Mutterschafprämie auf ein niedriges Niveau konstatieren. Aktuell weise die amtliche Agrarstatistik 79.300 Schafe, davon 58 700 Muttertiere, aus. Bei der Tierseuchenkasse wurden zu Jahresbeginn dagegen 5 384 Haltungen mit 124.857 Schafen, darunter 93.359 Muttertiere, sowie 1.769 Ziegenhaltungen mit 12 909 Tieren gemeldet. Im Herdbuch des LSV waren 2012 insgesamt 11.681 Tiere eingetragen, davon 9.303 Schafe und darunter wiederum 5.572 Merinofleischschafe, sowie 2.378 Ziegen. Durch Förderprogramme für vom Aussterben bedrohte Rassen sei der Herdbuchbestand zuletzt wieder gestiegen.

Rösler machte außerdem auf die schwierige Konstellation von extensiver Landschaftspflege mit Schafen einerseits und den Auswirkungen der dadurch rückläufigen Fruchtbarkeitsleistungen auf die Lämmerproduktion aufmerksam. Dies rechtfertige eine Ausgleichsfinanzierung. Erfreut zeigte sich der Zuchtleiter darüber, dass sachsen-anhaltische Böcke bei vielen Schafrassen das züchterische Niveau in Deutschland mitbestimmen, was zahlreiche Erfolge auf Zucht- und Absatzveranstaltungen zeigten. Rösler appellierte an die Züchter, ihre Böcke im Sinne des Zuchtfortschritts und der Auslastung der Kapazitäten auf die Prüfstation der Landesanstalt für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau in Iden zu bringen. Ein Problem sieht der Geschäftsführer in den immer strenger werdenden veterinärrechtlichen Auflagen für Tierschauen, die auch die für die Schäferzunft so wichtige Öffentlichkeitsarbeit einschränken.

Landeshüten in Krosigk

In seinen Ausführungen informierte der Geschäftsführer ferner darüber, dass der Wollhandel künftig wegen des altersbedingten Ausscheidens von Mitarbeitern nur noch über den Verband koordiniert werden kann und dass das Landesleistungshüten 2013 auf Beschluss des Vorstandes am 24. August im Landgut Krosigk (Saalekreis) auf dem Hütegelände am Krosigker Mühlberg ausgetragen wird. Rösler stellte zudem die neue LSV-Mitarbeiterin Ricarda Schäfer vor, die sich im Rahmen eines geförderten Projektes um die Erhaltungszuchtprogramme von vom Aussterben bedrohter Schafrassen kümmern wird.

An die Mitgliederversammlung in Strenzfeld schloss sich ein Qualifizierungslehrgang des Landesbetriebes für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft (LHW) für interessierte Halter zur Deichpflege mit Schafen an. Verbandsvorsitzender Papendieck hofft, dass der neue Rahmenvertrag zur Deichpflege mit dem LHW mit seinen verbesserten Konditionen die Attraktivität der Deichpflege für die Schafhalter erhöht. Bislang werde nur ein Viertel der gesamten Deichfläche im Land mit Schafen gepflegt.

 

Ehrenmitglied

Mit der Verleihung der Ehrenmitgliedschaft an Schäfermeister Hartmut Wöhlbier würdigt der Schafzuchtverband die bleibenden Verdienste des Ruheständlers aus Emden (Bördekreis), der bis 2012 die Merinofleischschafherde der Agrargenossenschaft Emden betreute, um die Schafzucht (u. a. auch als Mitglied im VDL-Rasseausschuss), die Ausbildung des Berufsnachwuchses (als Mitglied im Meister- und Prüfungsausschuss) und das Hütewesen. Zugleich ist die Ehrung Anerkennung für seine ungezählten Erfolge auf züchterischem Gebiet und bei Leistungshüten. Wöhlbier absolvierte insgesamt 107 Hüten und errang dabei mehrfach Titel eines DDR-Meisters, Landesmeisters von Sachsen-Anhalt und Bundesmeisters.

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