Sau im Dorf lassen

26.03.2015

© Heiko Rebsch

Dem Aufruf zur Demonstration sollen mehr als 300 Menschen gefolgt sein.

Größere Schweinehaltungsanlagen in Sachsen-Anhalt scheinen zunehmend zur Zielscheibe von Tierschutzaktivisten zu werden. Nach dem Unternehmen von Adrianus Straathof in Gladau (Landkreis Jerichower Land), der SAZA GmbH in Großkayna (Saalekreis) und der Gut Klein Wanzleben Schweinezucht GmbH & Co. KG (Landkreis Börde) geriet nun das sogenannte Schweine-Hochhaus in Maasdorf (Landkreis Anhalt-Bitterfeld) in deren Fokus bzw. den der medialen Öffentlichkeit.

Etwa 380 Menschen waren Mitte März einem Aufruf der Berliner Außenstelle des Deutsches Tierschutzbüro e. V., Bonn, zur Demonstration gegen den aus dem Jahr 1970 stammenden Experimentalbau in den kleinen Ort bei Köthen gefolgt. Das Motto der Protestaktion lautete: „Lasst die Sau raus!“

Heimliche Aufnahmen

Anfang März waren Filmaufnahmen, die Vereinsgründer Jan Peifer einige Wochen zuvor heimlich im Hochhaus gemacht hatte, bei einem privaten Fernsehsender ausgestrahlt worden.

Peifer will, wie er gegenüber der Mitteldeutschen Zeitung zum Ausdruck brachte, dafür sorgen, dass das Schweine-Hochhaus geschlossen wird. Das Tierschutzbüro, das gegen solche „Massentierhaltung“ sei, werde rechtlich gegen den Betreiber der Zuchtanlage, die JSR Hybrid Deutschland GmbH mit Sitz in Ahaus (Nordrhein-Westfalen) vorgehen und habe Anzeige bei der Staatsanwaltschaft Dessau wegen „mutmaßlicher Tierquälerei“ erstattet, hieß es.

Peifers Kritik richtet sich dem Zeitungsbericht zufolge unter anderem gegen die (zeitweilige) Haltung der Zuchtsauen in Kastenständen, die rein rechtlich zwar zugelassen, seines Erachtens aber eben nicht artgerecht ist. Unterstützung erhalten die Tierschützer von Vertretern der Partei Bündnis 90/Die Grünen auf Kreisverbandsebene sowie aus Landtag und Bundestag.

Betreiber dementiert

JSR-Geschäftsführer Michiel Taken wies die Vorwürfe der Tierschützer zurück. Er sieht das von ihm geleitete anerkannte Zuchtunternehmen einer „Hetzkampagne“ ausgesetzt. Es liege im Eigeninteresse des Betriebes, ordentliche Haltungsbedingungen zu gewährleisten, schließlich müsse der Gesundheitsstatus der Tiere „immer top sein“. Die Einwohner von Maasdorf teilen die Vorwürfe der Tierschützer offenbar ebenfalls nicht. Einige haben früher im Schweine-Hochhaus gearbeitet oder tun es noch heute. Etliche Bürger äußerten sich nach der Aktion der Tierschützer gegenüber der regionalen Tageszeitung, negative Aussagen zur besagten Schweinehaltung gab es dabei keine. Scheinbar ist die Anlage im Dorf akzeptiert. Eine Frau behauptete sogar, es habe kein Maasdorfer Bürger an der Demonstration teilgenommen. Auf Nachfrage der BauernZeitung bestätigte ein Sprecher des Magdeburger Landwirtschaftsministeriums, dass Veterinäre bei Vor-Ort-Kontrollen, die vom Ministerium nach den Fernsehberichten veranlasst worden waren, zwar Mängel festgestellt hätten, aber keine gravierenden Verstöße gegen Tierschutzbestimmungen. Der Betreiber habe versichert, diese Mängel abzustellen. Laut Ministerium ist ihm dazu eine Frist bis Ende März eingeräumt worden.

Ein Relikt aus Zeiten der DDR

Das Maasdorfer Schweine-Hochhaus ist in Deutschland, wenn nicht sogar Europa, einzigartig. Es wurde 1970 nach den Plänen von DDR-Wissenschaftlern errichtet. Hintergrund war das Bestreben des Staates, Versorgungslücken zu schließen, etwa durch eine industrielle Fleischproduktion. Es blieb letztlich, wohl auch wegen fehlender Wirtschaftskraft, bei diesem einen Experimentalbau. Das sechsgeschossige Gebäude bietet Platz für 500 Zuchtsauen und bis zu 1 500 Ferkel. Die Etagen sind über zwei große Fahrstühle miteinander verbunden.

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