Rübe hat den Turbo gezogen

29.01.2014

© Detlef Finger

Die rund 800 Anbauer in Sachsen-Anhalt, die das Klein Wanzlebener Werk mit Rüben beliefern, ernteten 2013 je Hektar 60,4 t Rüben, was bei 17,8 % Zuckergehalt einem Ertrag von 10,8 t Zucker entspricht.

Die 20. Rübenkampagne der Zuckerfabrik Klein Wanzleben war eine besondere, vor allem wegen des Witterungsverlaufs: Einer sehr späten Aussaat ab Mitte April folgten ein nasser Mai, ein trockener heißer Sommer, ein niederschlagsreicher Herbst und überdurchschnittliche Zuwächse bis November. „Die Rübe hat den Turbo gezündet“, sagte Axel Schönecker, Manager Rübenbeschaffung im Nordzucker-Werk im Bördekreis. Mit dem bewusst sehr späten Kampagnebeginn habe man diesen Zuwachs mitnehmen können – im September und Oktober immerhin 30 t/ha Rüben bzw. 6 t/ha Zucker!

Mit Durchschnittserträgen von 59,3 t/ha Rüben (bei 17,8 % Zuckergehalt) bzw. 10,6 t/ha Zucker im Einzugsbereich der Fabrik (einschließlich Ostniedersachsen) falle das Ergebnis deutlich niedriger aus als in den vorangegangenen beiden Rekordjahren, doch liege die Kampagne im fünfjährigen Mittel, was angesichts des extremen Witterungsverlaufs zufriedenstellend sei. Erfreulich sei ferner die durchgehend sehr gute innere Qualität der Rüben.

Betriebliche Reserven

Wie Schönecker auf dem traditionellen Rübenseminar für Berater in Klein Wanzleben berichtete, verarbeitete das Werk vom 27. September 2013 bis 5. Januar 2014 in einer 101-tägigen Kampagne rund 1,485 Mio. t Zuckerrüben von 1 350 Lieferanten, im Schnitt also etwa 14 600 t Rüben pro Tag.

Der Rübenmanager verwies zudem auf die teils starken Ertragsdifferenzen, die innerhalb der Naturräume (± 6,3 t/ha Zucker) größer seien als zwischen den Regionen (± 2,3 t/ha Zucker). Die betriebsspezifischen Ertragsunterschiede offenbarten noch vorhandene Reserven.

Für das Rübenjahr 2014 empfahl Schönecker den Landwirten, sich beim betrieblichen Anbauumfang auf 115 % ihrer Quotenmenge zu orientieren, um eine sichere Erfüllung der Vertragsmengen zu gewährleisten.

David Mayer ergänzte zum Projekt 20-20-20, eine optimierte frühe Saat steigere den Ertrag. So habe eine um eine Woche frühere Bestellung (3. bis 7. April) 2013 in Versuchen rund 10 t/ha mehr Rüben und fast 2 t/ha mehr Zucker gebracht. Auch eine optimierte Standraumverteilung (100 000 Rübenpflanzen pro ha bei 30 cm Reihenweite) bringe bis 5 % mehr Rübenertrag, bedarf aber einer entsprechenden Anpassung der Technik.

Gero Schlinker, ARGE Nord, berichtete über Ergebnisse von Anbauversuchen. Zum Thema Biogasrüben sagte er, die Sorten mit den höchsten Zuckererträgen brächten auch die höchsten Methanerträge. Mit Blick auf den schlagartigen hohen Befall von Rüben mit Rhizoctonia (Späte Rübenfäule) bei Erstanbau auf einem Versuchsstandort in einem Maisgebiet mahnte er, beide Kulturen in der Fruchtfolge getrennt zu halten. Denn anders als bei Rizomania (Viröse Wurzelbärtigkeit) erreichten rhizoctoniatolerante Zuckerrübensorten nicht mehr das Ertragsniveau von Normalsorten. Für den Pflanzenschutz im Anbau 2014 empfahl Schlinker, das Monitoring zu verfolgen, die Bestände zu kontrollieren und Pflanzenschutzentscheidungen bei Bedarf zügig umzusetzen.

Kalium wirkt positiv

Dr. Joachim Bischoff, Landesanstalt für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau (LLFG), referierte über die Tiefenverteilung von Nährstoffen und Düngungsmaßnahmen im pfluglosen Zuckerrübenanbau. Demnach lagerten sich organische Substanz und Nährstoffe bei Pflugverzicht in der oberen Bodenschicht an, während die Unterkrume (20 bis 30 cm Tiefe) vor allem an Phosphor (P) und Kalium (K) verarme. Eine Unterfußdüngung (bis 10 cm tief) löse dieses Problem nicht. Bischoff empfahl eine Tiefen- bzw. Unterflurdüngung im Zuge einer Streifenbearbeitung (StripTillage) im Herbst auf volle Tiefe (20 bis 25 cm) zur Durchmischung des Bodens. Bei Direktsaat sei der Anteil beiniger Rüben deutlich höher (> 50 %).

Ein Versuch in Klein Wanzleben (StripTill + Unterflurdündung mit Kornkali zu Zuckerrüben) habe die höchsten Erträge gebracht, auch gegenüber der Pflugvariante. Die Kalidüngung sei besonders im Trockengebiet wichtig. Eine optimale K-Versorgung der Böden erhöhe die nutzbare Feldkapazität, also die Menge an pflanzenverfügbarem Bodenwasser, und fördere über die Verbesserung der Bodenstruktur das Wurzelwachstum insbesondere in der Jugendentwicklung der Rüben. Wichtig für die Nährstoffverfügbarkeit sei zudem ein optimaler pH-Wert im neutralen Bereich. Auf Lößböden sei dieser meist zu hoch.

StripTill erfordere für die Verfahrenssicherheit den Einsatz von Glyphosat und eine effektive Feldmausbekämpfung, sagte Bischoff. Er riet auf Schwarzerden im Trockengebiet zum absetzigen Verfahren mit Herbstschlitz zum Lockern und Düngen sowie Aussaat im Frühjahr.

NZ-Anbauberater Dr. Andreas Windt erklärte zum zunehmenden Auftreten von Nematoden, der Anbau toleranter (nt) Sorten löse das Problem nicht, da auch diese bei höherem Befall deutliche Ertragsabfälle aufweisen – bis minus 20 % bei >1 500 Eiern und Larven je 100 g Boden. Und: Auch unter nt-Sorten vermehrten sich die Nematoden um das Zwei- bis Dreifache. Reduziert werde der Befall hingegen durch den Anbau resistenter Sorten. Allerdings ­seien diese im Ertrag deutlich schwächer (minus 8 % bis minus 10 % gegenüber nt-Sorten).

Möglichkeiten zur Reduzierung der Nematodenpopulation ergäben sich daneben durch den Zwischenfruchtanbau (Ölrettich, Senf) oder die Flächenstilllegung (Grünbrache). Außerordentlich wichtig sei in dieser Hinsicht auch die rechtzeitige Bekämpfung von Ausfallraps.

Die Zeit drängt

Dem Vorsitzenden des Zuckerrübenanbauerverbandes Magdeburg, Rainer Knackstedt, blieb es vorbehalten, auf die ­Herausforderungen im Zusammenhang mit dem Auslaufen der Zuckermarktordnung zum 30. September 2017 hinzuweisen. Bis dahin verblieben lediglich drei Kampagnen. Das sei eine sehr kurze Vorbereitungszeit, zumal es weitere Unwägbarkeiten gebe, etwa Isoglukose aus Getreide als Zuckerersatz oder die Entwicklung des Ethanolmarktes. Erforderlich seien zukunftsfähige Anschlussregelungen zwischen den Zuckerunternehmen und den Rübenanbauern, betonte der Landwirt aus Dedeleben.

Hektarerträge*
Anbau-    Rüben    Zucker
jahr    (in t)    (in t)

2006    46,40      9,1
2007    59,70    10,2
2008    58,50    10,5
2009    62,10    11,3
2010    56,00      9,6
2011    68,00    12,3
2012    65,70    12,1
2013    59,34    10,6

* im Einzugsgebiet der Zuckerfabrik Klein Wanzleben

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