Rekordernte wird getrübt

06.11.2014

© Dieter Kunze

Die Ernte der Zuckerrüben erfolgt in vielen landwirtschaftlichen Betrieben mit geringeren Anbauumfängen in Dienstleistung über Lohnunternehmen.

Die diesjährige Zuckerrübenernte verspricht Rekordergebnisse. Weil jedoch auf dem Weltmarkt ein Überangebot an dem süßen Rohstoff besteht, müssen die Landwirte mit deutlichen Preisabschlägen rechnen. „Wir hatten optimale Wachstumsbedingungen mit ausreichend Wasser und Wärme“, sagt Jürgen Zywitzki, Geschäftsführer des Bauernverbandes Nordharz. Die Landwirte der Region verzeichnen überdurchschnittlich gute Rübenerträge. Während es in den vergangenen fünf Jahren im Bereich des Zuckerrübenanbauerverbandes Magdeburg einen Durchschnittsertrag von 62 t/ha gab, sind es in diesem Jahr wohl um die 80 t/ha. Der mittlere Zuckergehalt liegt bei 16 bis 18 %.

Zwischen Dedeleben und Pabstorf warten in diesen Wochen wie an vielen anderen ­Feldrändern Hunderte Tonnen frisch geernteter Zuckerrüben auf den Abtransport. „Wir haben bei der Zuckerfabrik in Klein Wanzleben zwei Liefertermine – Mitte November und im Januar“, berichtet Rainer Knackstedt, Gesellschafter der Landwirtschaft Knackstedt und Rabbethge in Dedeleben. Wegen der späten zweiten Abfuhr  wird die Hälfte der Mieten von einem Dienstleister mit Vlies eingehüllt. So bleiben die Feldfrüchte vor Frost geschützt.

Bei sonnigem Wetter konnten im Betrieb die letzten Zuckerrüben von insgesamt 60 ha Anbaufläche geerntet werden. Das erledigt ein Lohnunternehmen mit einer Vollerntemaschine  in Dienstleistung. „Solch eine 400 000-Euro-Investition kann sich kaum ein Betrieb allein leisten“, sagt Knackstedt. Deshalb ist Martin Schildt aus dem Bördekreis mit seinem Rübenroder in der gesamten Region unterwegs. In einer Stunde erntet er bei den hohen Erträgen etwa einen Hektar Zuckerrüben.

Noch gilt die EU-Zuckermarktordnung. So darf jeder Anbauer nur entsprechend seiner Quote liefern. „Für 15 Prozent Überlieferung gibt es noch einen annehmbaren Erlös, was über diese Menge geht, dafür gilt nur der Mindestpreis“, weiß Knackstedt. Zwei Drittel der Rüben aus Dedeleben werden im Nordzucker-Werk Klein Wanzleben zu Zucker verar­beitet, aus dem Rest wird industrielles Ethanol hergestellt. ­Wegen der großen Ernte dürfte die Fabrik noch bis Ende Januar mit der Verarbeitung zu tun haben.

Während andere Feldfrüchte eingelagert und je nach Börsenpreis verkauft werden können, müssen für Zuckerrüben langfristige Verträge geschlossen werden. Knackstedt rechnet in diesem Jahr mit einem Preisniveau von nur noch etwa 60 % gegenüber dem Vorjahr. Der Dedelebener arbeitet seit 1999 im Zuckerrübenanbauerverband Magdeburg und ist dessen Vorsitzender. Außerdem vertritt er die Interessen der Landwirte in den Aufsichtsräten der Nordzucker AG. „Wir müssen jetzt mit der Politik nach Konzepten für die Zeit nach 2017 suchen, wenn die Marktordnung ausläuft“, betont er. Angesichts der guten Böden soll die Zuckerrübe auch künftig in der Region eine Zukunft haben.

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