Punkten für Naturschutz

17.02.2014

© Bettina Koch

Mit der Anlage von Hecken und Gehölzstreifen strukturieren Gehegewildhalter nicht nur ihre Wildgatter. Sie werten die Flächen mit solchen investiven Maßnahmen darüber hinaus auch aus naturschutzfachlicher Sicht auf.

Ökopunkte, veränderte Agrarförderung, anonyme Anzeigen von Anwohnern und Kontrollwut der Behörden – auch auf den Schreibtischen der haupt- und nebenberuflichen Wildgehegehalter in Sachsen-Anhalt beansprucht die Bürokratie immer breiteren Raum. Auf der ersten Mitgliederversammlung des Verbandes in diesem Jahr, am 1. Februar in Magdeburg-Rothensee, kamen diese Probleme auf den Tisch.

Ausgleich für Landfraß

„Ökopunkte, das Thema hat etwas sehr Monetäres“, betonte Wolfgang Eggers, Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Wildgehegeverbandes Sachsen-Anhalt. Denn wer Wild halte, der investiere und pflanze Hecken an, schaffe damit Strukturelemente in der Landschaft, verbinde den wirtschaftlichen mit einem hohen ökologischen Nutzen. Und mit dem Verkauf von Ökopunkten könnten die Wildhalter dafür auch ein paar Euro extra verdienen.

Gleichzeitig sind ihre landwirtschaftlichen Berufskollegen daran interessiert, dass der enorme Verbrauch ihrer Nutzflächen (in Deutschland täglich bis zu 100 Hektar) endlich deutlich reduziert wird. „Wir wollen, dass beim Bau neuer Straßen und Fabriken nicht noch einmal die gleiche Fläche zusätzlich für den Ausgleich verwendet wird und uns verloren geht“, erklärte Edgar Grund, Justiziar beim Bauernverband Sachsen-Anhalt. Denn damit wird den Landwirten ihr wichtigstes Produktionsmittel entzogen, der Boden.

Und auch die Industrie hat ein monetäres Interesse: Zeit ist Geld, und der zügige Zugriff auf geeignete, schon vorhandene Ausgleichsflächen bringt Investitionen schneller voran.

Kataster ist überfällig

Der Gesetzgeber hatte wohl alle diese Aspekte deutlich im Blick, als er die Fachbehörden der Länder schon 2004 dazu verpflichtete, ein öffentlich zugängliches Ökokonten-Kataster aufzubauen, damit bereits Vorhandenes sinnvoll verwertet werden kann. „Das Land Sachsen-Anhalt hatte zehn Jahre Zeit, nach den Vorgaben des Naturschutzgesetzes ein solches Kompensationsverzeichnis aufzubauen. Seit zwei Jahren dringen Wildgehegeverband und Landesbauernverband gemeinsam und mit Unterstützung der Industrie- und Handelskammer (IHK) Magdeburg auf die Einrichtung dieses Katasters – leider bisher erfolglos“, berichtete Eggers.

Nun wenden sich Bauernverband und Landwirtschaftlicher Wildgehegeverband gemeinsam und direkt an Landwirtschafts- und Umweltminister Hermann Onko Aeikens (CDU) mit der „Bitte, das Kompensationsverzeichnis unverzüglich einrichten zu lassen und in geeigneter Weise die untergeordneten Behörden auf eine, soweit zulässig, vorrangige Verwertung von Ökopunkten zu orientieren“.

Anstatt nach wie vor wertvollen Acker zu verbrauchen, könnte auf vorhandene produktionsintegrierte 25 Millionen Ökopunkte zurückgegriffen werden. Allein der Landwirtschaftliche Wildgehegeverband Sachsen-Anhalt könnte mit seinem Ökopunktevorrat in den Naturräumen Altmark, Fluß- und Auenlandschaften, Börde und Harz zur Schonung von insgesamt 100 Hektar landwirtschaftlicher Flächen beitragen, rechneten LBV-Hauptgeschäftsführer Fritz Schumann und Wolfgang Eggers vor. Darüber hinaus existieren 20 anerkannte Ökopunktekonten freier Projektträger mit einer Flächenreserve von rund 250 Hektar.

Des Weiteren wünschen sich die Wildhalter einen im Bundesland einheitlichen Umgang mit der Abschusserlaubnis im Gehege. Während in vielen Landkreisen die Erlaubnis bei der Eröffnung des Geheges für die gesamte Zeit des Bestehens gewährt und entsprechend nur einmal die Gebühr kassiert wird, muss der Antrag im Burgenlandkreis jedes Jahr aufs Neue gestellt werden – für das gesamte Jahr oder für die Saison im Herbst. Ein Vierteljahr vorher muss der Antrag beim Amt sein.

Einheitliche Regelungen

Wer also nur die Erlaubnis für den Herbst hat, im Sommer aber ein Tier verletzt oder krank vorfindet, darf das Tier nicht schießen und damit erlösen. Das widerspreche dem Tierschutz, schimpften Verbandsmitglieder, denn niemand wolle und dürfe ein Tier unnötig leiden lassen. Zudem könne es, wenn es aufgrund der Verletzung verendet oder vom Veterinär narkotisiert wurde, nicht mehr verwertet werden. „Der Gesetzgeber hat die Möglichkeit eingeräumt, eine dauerhafte Schießgenehmigung zu erteilen“, sagte Eggers. „Wir wollen eine einheitliche Verfahrensweise.“

Bürokratie nimmt zu

Auch anonyme Anzeigen rauben den Wildhaltern Zeit und Nerven. Im Jahr 2012 sollen es 3 600 Anzeigen gewesen sein. „Überwiegend gehen die Behörden sehr vernünftig damit um“, betonte Eggers. Aber manchmal nehme die Häufung der Behördenbesuche und Kontrollen überhand. Steuerprüfer, Mitarbeiter von Ordnungsamt, Amt für Landwirtschaft, Flurneuordnung und Forsten oder vom Bio-Verband geben sich manchmal fast die Klinke in die Hand. Die Wildhalter würden gern mehr Zeit auf ihre eigentlichen Aufgaben verwenden, hieß es.

Der Landwirtschaftliche Wildgehegeverband hat in Sachsen-Anhalt 59 Mitglieder. Sie halten auf insgesamt rund 180 Hektar Fläche vorwiegend Damwild, aber auch Rotwild, Muffelwild und Schwarzwild. Wolfgang Eggers freute sich über Verstärkung: Zwei Gäste haben auf der Mitgliederversammlung spontan ihren Beitritt erklärt.    

Kontakt: Landwirtschaftlicher Wildgehegeverband Sachsen-Anhalt e. V., Vorsitzender: Wolfgang Eggers, Tel. (03 90 51) 9 63 62, Mobil (01 70) 2 94 79 72, Fax (03 90 51) 9 63 63, www.wildhalterverband-lsa.de

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