Preise fast auf Westniveau

11.03.2014

© Detlef Finger

Die guten Böden in Sachsen-Anhalt haben ihren Preis.

Die Bodenverwertungs- und -verwaltungsgesellschaft mbH (BVVG) hat ihre Privatisierungstätigkeit im vergangenen Jahr in Sachsen-Anhalt erfolgreich fortgeführt. Über Flächenverkäufe und -verpachtungen erzielten die beiden Niederlassungen in Magdeburg und Halle Erlöse von zusammen rund 135 Mio. €. Sie trugen damit nahezu ein Viertel zum Gesamtüberschuss der BVVG bei. Die Niederlassungsleiter, Hans-Egbert von Arnim und Arnfried Knüpfer, legten in Halle Details zur Geschäftstätigkeit der beiden BVVG-Filialen vor.

Direkterwerb genutzt

Danach wurden 2013 im Land Flächen im Umfang von rund 10 300 ha veräußert. Von den etwa 7 800 ha landwirtschaftliche Fläche (LF) wurden rund 3 500 ha nach dem Zweiten Flächenerwerbsänderungsgesetz an Alteigentümer verkauft. Von den bisher 745 eingegangenen Anträgen auf Kauf wurden 554 abschließend bearbeitet, davon 229 im vorigen Jahr.

Erwerbsberechtigte Pächter haben auch im Vorjahr sehr stark von der Möglichkeit Gebrauch gemacht, Agrarflächen direkt – also ohne Ausschreibung – von der BVVG zu kaufen. 2013 endeten Pachtverträge über rund 1 600 ha mit Direkterwerbsansprüchen. Auf Grundlage der Privatisierungsgrundsätze (PG) 2010 und den vom Land Sachsen-Anhalt unter agrarstrukturellen Aspekten zusätzlich vorgenommenen Regelungen wählten berechtigte Pächter für 15 % dieser Fläche den sofortigen Direktkauf, 48 % einen vierjährigen Pachtvertrag mit Kaufoption und 37 % einen neunjährigen Pachtvertrag. Die drei Varianten sind kombinierbar.

20 % an Nichtlandwirte

Die Niederlassungen haben 2013 rund 4 600 ha landwirtschaftliche Fläche öffentlich ausgeschrieben. Die Ausschreibungslose waren im Schnitt zehn Hektar groß; maximal 25 ha sollen es im Regelfall sein. Im Durchschnitt gaben je Los sechs Interessenten ihre Gebote ab. Den Zuschlag erhielten in mehr als 80 % der Ausschreibungen ortsansässige landwirtschaftliche Betriebe. Die übrigen Käufer waren zumeist nichtlandwirtschaftliche Interessenten aus allen Regionen Deutschlands. Bei den Verkehrswertverkäufen lag das Durchschnittsgebot bei 19 356 €/ha (2012: 17 392 €/ha). Zum Vergleich: Im Mittel der alten Bundesländer wurde 2012 ein Hektar landwirtschaftliche Fläche für rund 22 300 € verkauft. Die Spanne bei den Kaufpreisen hierzulande reichte in Abhängigkeit von Bodengüte, Lage und Losgröße bei Ackerland von etwa 10 000 bis 44 000 €/ha, bei Grünland lagen die Preise deutlich niedriger. „Die öffentliche Ausschreibung ist das transparenteste Verfahren“, bemerkte von Arnim. Die dabei erzielten Preise seien bei Landgesellschaft oder Kirche ähnlich.

Pacht überwiegt

Für weitere rund 1 400 ha landwirtschaftliche Nutzfläche erfolgten beschränkte Ausschreibungen, bei denen nur arbeitsintensive Betriebsformen, z. B. Ökolandbau oder Gemüsebau, und seit Ende März 2013 auch Junglandwirte ein Gebot abgeben können. Drei Viertel dieser Flächen wurden verpachtet, die übrigen an berechtigte Bieter verkauft. Die Preisfindung erfolgt hier über das von der EU notifizierte Vergleichspreissystem, in das Werte aus Ausschreibungen einfließen. Die Preisdifferenzen zu den übrigen öffentlichen Ausschreibungen sind nicht sehr groß.

Hektar 2 000 Euro teurer

Die beiden BVVG-Niederlassungen hatten zum Jahreswechsel noch rund 48 200 ha LF verpachtet, davon rund 53 % langfristig, d. h. über sechs Jahre. Der mittlere Jahrespachtzins für Bestandspachten betrug 427 €/ha (2012: 383 €/ha), bei Neuverpachtungen wurden 592 €/ha fällig (2012: 449 €/ha). Das entspricht etwa einem mittleren Zins von 12,50 €/Bodenpunkt.

Der durchschnittliche Kaufpreis für BVVG-Flächen ist in Sachsen-Anhalt somit binnen Jahresfrist um weitere fast 2 000 €/ha oder elf Prozent gestiegen. Auch in den Jahren zuvor lagen die Steigerungsraten zwischen 1 500 bis 2 000 €/ha. Bei den Bestandspachten betrug der Pachtzinsaufwuchs gegenüber dem Vorjahr fast 50 €/ha bzw. ebenfalls elf Prozent, bei Neupachten nahezu das Dreifache dessen oder 32 %.

Wald ist weiter gefragt

Die BVVG hat in Sachsen-Anhalt im letzten Jahr darüber hinaus rund 2 300 ha Wald verkauft, davon 1 900 ha nach dem Zweiten Flächenerwerbsänderungsgesetz an Alteigentümer. Das Interesse am Erwerb von Waldflächen ist weiterhin groß. Bewerbungen von Alteigentümern haben aufgrund des Entschädigungs- und Ausgleichsleistungsgesetzes (EALG) Vorrang vor Verkehrswertgeboten. Je Ausschreibungslos gehen im Schnitt sieben Gebote bzw. Bewerbungen ein. Damit setzte sich hier der Trend des Vorjahres fort. Bei den Verkehrswertverkäufen von Forstflächen erlöste die BVVG im Schnitt etwa 4 250 €/ha (2012: 4 150 €/ha. Die Waldverkäufe stehen damit unmittelbar vor dem Abschluss.Für außerlandwirtschaftliche Investitionen wurden 257 ha sogenannte Umwidmungsflächen verkauft. Einen neuen Eigentümer fanden darüber hinaus 190 Gebäude wie Ställe oder Scheunen. 
 

Niederlassungen setzen Privatisierung fort
Die BVVG-Niederlassungen Magdeburg und Halle mit ihren zusammen 99 Mitarbeitern wollen in diesem Jahr rund 8 600 ha Fläche veräußern, darunter 6 600 ha Agrarland und 1 700 ha Wald. Insgesamt sollen rund 118 Mio. € Erlöse erwirtschaftet werden. Geplant ist, rund 3 000 ha LF an Alteigentümer zu verkaufen. Derzeit liegen 191 Anträge zur Bearbeitung vor. Diese sollen im Wesentlichen bis zum Jahresende erledigt werden. Erwartet wird ein Neuzugang von jährlich bis zu 60 Anträgen. Für den begünstigten Erwerb werden noch rund 5 100 ha LF benötigt.

Von den geplanten Verkehrswertverkäufen von rund 3 700 ha LF werden voraussichtlich 60 % auf den Direkterwerb und 40 % auf den Verkauf nach Ausschreibungen entfallen. Zudem sollen rund 1 700 ha Wald verkauft werden. Derzeit sind noch 3 800 ha Forstfläche zu privatisieren.

Ende 2015 wird die Niederlassung Halle ihre Arbeit einstellen. Die verbleibenden Aufgabenbereiche werden nach Magdeburg verlagert. Diesen Grundsatzbeschluss fasste die BVVG-Zentrale bereits 2012.

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