Mehr Raum für Flüsse

07.10.2014

© Sabine Rübensaat

Fast 22 000 ha Fläche sind an den vier großen Flüssen im Land theoretisch als Wasserrückhalteraum nutzbar.

An Elbe, Saale, Mulde und Weißer Elster bieten sich in Sachsen-Anhalt insgesamt 42 Standorte für Deichrückverlegungen oder den Bau von Poldern an. Das hat eine Studie des Landesbetriebes für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft (LHW) ergeben, die jetzt vorliegt. Landwirtschafts- und Umweltminister Dr. Hermann Onko Aeikens erklärte Montag in Magdeburg, viele der potenziellen Standorte seien bereits jetzt in die Planungen einbezogen und Teil der Hochwasserschutzkonzeption des Landes. Es seien aber auch zehn neue mögliche Standorte für Deichrückverlegungen und acht neue für Polderanlagen identifiziert worden. Detaillierte Untersuchungen müssten noch die hydraulische Eignung der Gebiete feststellen.

 

„Wir haben zwei Kernbereiche im Hochwasserschutz: erstens Neubau und Ertüchtigung der Deichanlagen, zweitens die Bereitstellung von Auffangräumen“, so der Minister. Das letzte Hochwasser im Sommer 2013 habe gezeigt, wie wichtig es sei, den Flüssen mehr Raum zu geben. Mit der Studie habe man nun eine Übersicht in der Hand, die potenziell geeignete Wasserrückhalteräume aufzeige. „Wir sprechen insgesamt über 21 788 Hektar, die theoretisch genutzt werden könnten. Wie viel davon praktisch realisiert wird, ist aber eine ganz andere Frage und hängt von weitergehenden Untersuchungen ab.

 

“Für die Studie hatten Experten rund 100 mögliche Flächen entlang der genannten Flüsse untersucht und hinsichtlich Größe, aktueller Nutzung und Effektivität beurteilt. Nicht infrage kamen dem Vernehmen nach solche Gebiete, in denen wichtige Straßen- oder Schienenwege liegen oder aber überregionale Strom- oder Gasleitungen. Ein weiteres Kriterium war, dass möglichst wenig Menschen umgesiedelt werden müssen.

 

Dem Minister zufolge soll nun mit Verbänden und Kommunen sowie Eigentümern und Nutzern der Flächen gesprochen werden. Aeikens hofft dabei auf eine ähnlich positive Stimmung, die die Bevölkerung gegenüber dem Hochwasserschutz entgegenbringt. Er legt Wert auf einvernehmliche Regelungen mit Land- und Forstwirten.

 

Der Bauernverband Sachsen-Anhalt hat im Zusammenhang mit der Vorstellung der Studie für Polder und Deichrückverlegungen die Kernforderungen der Landwirte nach Bewirtschaftbarkeit der Flächen und gesetzlicher Entschädigungsregelung erneuert.Präsident  Frank Zedler begrüßte ausdrücklich die vom Minister angekündigte Transparenz im Zusammenhang mit der Schaffung neuer Rückhalteflächen an den größeren Flüssen. Er betonte: „Landwirte sind nicht die Blockierer beim Hochwasserschutz, sondern unterstützen auch zukünftig im eigenen Interesse sinnvolle Hochwasserschutzmaßnahmen. Der Bauernverband bejaht verbessernde Hochwasserschutzmaßnahmen ausdrücklich und ist an einem fairen Planungs- und Diskussionsprozess interessiert.“

 

Jedoch hätten die von den Maßnahmen betroffenen Landwirte und Agrarbetriebe klare Forderungen, die für eine wohlwollende Begleitung der Vorhaben erfüllt sein müssen. „Landwirtschaftliche Nutzfläche muss auch in Zukunft nutzbar bleiben und Ackerland auch als Ackerland.“ Mit modernen Methoden bewirtschaftetes Ackerland nehme Niederschläge besser auf als beispielsweise Wiesen. Die aufgelockerte Bodenkruste sorge für eine bessere Infiltration der Niederschläge. Auenböden seien fruchtbar und sollten angesichts des Bedarfs an Nahrungs- und Futtermitteln keinesfalls zu „unproduktiven Brennnesselbrachen“ verkommen.

 

Der überwiegende Teil der Bauern und Bodeneigentümer sei bereit, die bewirtschafteten Flächen im Ernstfall als Überflutungsfläche zu opfern. Dieses gesellschaftlich geforderte Opfer bedürfe jedoch einer gesetzlich geregelten und öffentlich finanzierten Entschädigung – nicht nur für neue Polder, sondern auch für bereits vorhandene Überflutungsflächen. „Für das gesamtgesellschaftliche Anliegen des Hochwasserschutzes müssen als Ausgleich für Wertminderung, Bewirtschaftungsauflagen und Ertragsverluste zwingend angemessene Entschädigungen angesetzt werden“, betonte Zedler. Diese Entschädigungszahlungen werden wesentlich niedriger sein, als die Folgekosten der immer wiederkehrenden Flutkatastrophen.  

 

 

Die 42 Standorte
Im Ergebnis der vorliegenden Untersuchungen des LHW ergeben sich 13 Polderstandorte (Rückhaltefläche: 9 561 ha), sieben Standorte für die Bewirtschaftung vorhandenen Rückhalteraums (9 000 ha) und 22 für Deichrückverlegungen (3 227 ha Rückhalteraum). Von diesen 42 Standorten entfallen 24 auf die Elbe (davon acht Polder, zwölf Deichrückverlegungen (DRV)), fünf auf die Mulde (davon ein Polder, vier DRV), zehn auf die Saale (dv. ein Polder, sechs DRV) und drei auf die Weiße Elster (alles Polder).

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