Mästen kann lohnen

21.11.2013

Besucher vor Folienstall

Gutes Beispiel

Die rund 60 Teilnehmer der Veranstaltung konnten in der gastgebenden Agrar-Gesellschaft „Börde“ gleich vier Haltungsformen für die Mast von Jungbullen in Augenschein nehmen, darunter diesen Folienstall. © Detlef Finger

Es ist mittlerweile schon eine kleine Tradition, dass der Kontroll- und Beratungsring (KBR) Rindermast des Landeskontrollverbandes (LKV) und der Fachausschuss (FA) Rindfleisch des Bauernverbandes Sachsen-Anhalt ihre Mitgliederversammlungen gemeinsam durchführen und zugleich als Informationsveranstaltung für die Praktiker gestalten.

Zur diesjährigen Tagung am vergangenen Mittwoch in der Agrar-Gesellschaft „Börde“ mbH Rottmersleben (Bördekreis) konnten KBR-Berater Bernd Prignitz und der Vorsitzende des Fachausschusses, Karl-Heinz Jäger, zusammen mit dem Geschäftsführer des Gastgeberbetriebes, Thomas Seeger, rund 60 Teilnehmer begrüßen.

 

Interessantes Thema

Die überaus gute Resonanz sei wohl den interessanten Vorträgen rund um das Thema „Stallbau für die Rindermast“ und dem möglichen Einblick in einen der größten Rindermastbetriebe hierzulande geschuldet, mutmaßte Bernd Prignitz. Der für die insgesamt vier Kontroll- und Beratungsringe zuständige Abteilungsleiter beim LKV, Dr. Hans-Jörg Rösler, informierte zunächst darüber, dass die Förderung der Leistungsprüfung in der tierischen Produktion (Milch/MLP, KBR) in der neuen Förderperiode ab 2014 hierzulande fortgeführt werde, was auch ein Zeichen für die Wertschätzung dieser Arbeit sei. Die Modalitäten würden sich jedoch ändern. Fest stehe, dass der LKV nicht mehr wie bisher als Antragssteller fungieren kann. Die neue Gemeinschaftsaufgabe (GAK) sehe eine Einzelbeantragung durch den Landwirt vor. Praktisch sei dies jedoch nur sehr schwer umsetzbar. Deshalb prüfe das Magdeburger Landwirtschaftsministerium derzeit die Möglichkeit, dass Landwirte den LKV mittels Vollmacht mit der Beantragung und Abrechnung der Fördermittel beauftragen. Eine Entscheidung sei in den nächsten Tagen zu erwarten, da die Förderanträge für 2014 bis spätestens Ende 2013 beschieden sein müssen bzw. ein vorzeitiger Maßnahmebeginn ausgesprochen sein muss.

Anhand der Schlacht- und Leistungsdaten von Jungbullen und Mutterkühen sowie von betriebswirtschaftlichen Berechnungen durch den KBR untermauerte Bernd Prignitz im Anschluss seine Einschätzung, dass die Rindermast in Sachsen-Anhalt eine Zukunft habe, auch wenn dieser Betriebszweig mitunter schlecht geredet werde. Zuletzt hätten die Landwirte mit Bullenmast Geld verdient, unterstrich auch Karl-Heinz ­Jäger.

Gekennzeichnet war die Bullenmast im Wirtschaftsjahr 2012/13 laut Prignitz durch stark variierende, tendenziell fallende Rindfleischpreise, steigende Kraftfutterpreise sowie extrem hohe Kosten für Absetzer. In die Schlachtauswertung des KBR flossen im Vorjahr die Zahlen von 38 Betrieben mit 40 Haltungen und zusammen 7 318 Mastbullen ein. Das sind 66 % des Gesamtbestandes an Jungbullen im Land (siehe Kasten).

 

Hauptrasse: Fleckvieh

Hauptrasse bei den in die KBR-Auswertungen eingegangenen Mastbullen ist Fleckvieh mit einem Anteil von gut 18 % (1 330 Tiere, 15 Haltungen) und sind Fleckvieh-Kreuzungstiere mit ebenfalls über 18 % (1 377 Tiere, sechs Haltungen). Dahinter rangieren schwarzbunte Holstein-Friesian mit fast 35 % (2 533 Tiere, 22 Haltungen). Die übrigen Rassen bzw. Kreuzungen liegen allesamt im niedrigen einstelligen Bereich oder darunter.

Im Mittel aller Rassen betrugen die Lebend- bzw. Schlachtgewichte der Bullen mit einem Alter von durchschnittlich 589 Tagen 653 kg bzw. 369 kg, bei einer rasseabhängig großen Spannbreite der Schlachtgewichte von 262 kg (Galloway) bis knapp über 400 kg (Fleckvieh- und Anguskreuzungen, Charolais). Die mittleren Tageszunahmen lagen bei 1.062 g. Sie reichen von 826 g (Galloway) bis deutlich über 1.200 g (Anguskreuzung, Charolais, Fleckvieh).

 

Höherer Gewinn bei den Schwarzbunten

Aus der Wirtschaftlichkeitsrechnung des KBR für 2012/13 für 31 Betriebe mit 6.658 Bullen geht hervor, dass mit der Mast von schwarzbunten (SB) Bullen 122 € je Tier verdient wurden und bei den Mastrassen (MR) 83 € je Tier. Bei sonst nahezu gleich hohen Kosten gaben die Tiereinsatzkosten (Absetzer) mit 345 €/Tier für SB-Bullen bzw. 665 €/Tier für MR-Bullen den Ausschlag für den höheren Gewinn bei den schwarzbunten Bullen – trotz geringerer mittlerer Schlachtgewichte zum Ende der Mast (342 kg/396 kg), geringerer Tageszunahmen (948 g/1.152 g) sowie geringerer durchschnittlicher Erlöse je Kilo Schlachtgewicht (3,64 €/3,86 €).

In seinem Fazit sagte Bernd Prignitz, die Schlachterlöse seien gut gewesen. Bei den gestiegenen Kosten seien derzeit jedoch mindestens 4,00 bis 4,50 €/kg Schlachtgewicht für eine rentable Rindermast nötig. Er betonte, dass auch diese nicht mehr „nebenher“ zu betreiben sei. Der Berater empfahl zudem, aus Gründen der Sicherung der Rentabilität der Rindermast bei geplanten Stallbauten den kostengünstigeren Umbau einem teuren Neubau vorzuziehen.

 

Spezielle Regeln fehlen

Christoph Bärecke, Landgesellschaft Sachsen-Anhalt, zeigte die rechtlichen Rahmenbedingungen, Fördermöglichkeiten und Kosten für den Neu- bzw. Umbau von Ställen für die Rindermast auf. Danach fehlen in Deutschland spezielle Regelungen für Mastrinder, was im Einzelfall zu viel Entscheidungsraum führen könne. Eine viel genutzte Grundlage für Planer, aber ohne Rechtsstatus, sei die Niedersächsische Tierschutzleitlinie für die Milchkuhhaltung in Verbindung mit dem „Merkblatt 112 – Mastrinderhaltung“ der Tierärztlichen Vereinigung für Tierschutz sowie Baumerkblätter. Mögliche Formen seien die Haltung auf Vollspaltenböden (nicht verboten, aber politisch und gesellschaftlich nicht gewollt), Tretmist (Kompromiss zwischen Tiergerechtheit und Pflegeaufwand), Stroh (maximaler Tierkomfort, relative geringe Baukosten, aber hoher Strohbedarf und entsprechende Folgekosten) sowie in Liegeboxenlaufställen (höchste Investitionskosten, wenig Erfahrungen damit im Mastbereich).

Laut Bärecke wird eine För­derung über das Agrarinves­titionsför­derungs­pro­gramm (AFP) weiterhin möglich sein, doch seien die Vor­gaben für besonders tiergerechte Haltungsbedingungen im alten AFP (bei 35 % Zuschuss) jetzt die Grundvoraussetzungen für die Basisförderung im neuen AFP (2 mit 0 % Zuschuss). Mithin erfolge eine Straffung der Bedingungen. Vollspaltenböden seien nicht mehr förderfähig, Tretmist und Tiefstreu fallen unter die Basisförderung, so Bärecke.

Joachim Schüffler, Gebietsleiter bei der Firma Patura, stellte danach Stallausrüstungen für die Rinderhaltung vor, etwa Gitterkonstruktionen, Fangstände, Windnetze und Waagen. Er merkte an, dass es nur wenige spezielle Ausführungen für die Mastrinderhaltung gebe, die z. B. höhere Materialstärken und größere Profilquerschnitte erfordere.

 

Umbau zur Mastanlage

Gutram Prochorowsky vom gleichnamigen Ingenieurbüro in Beetzendorf gab danach einen Überblick über den Umbau eines Laufstalles für Milchvieh der Agrar-Gesellschaft Rottmersleben in Klein Rottmersleben zum Bullenmaststall mit rund 400 Plätzen zu Kosten von knapp unter 1.700 € pro Stallplatz. Dieser soll noch in diesem Jahr samt einer Biogasanlage in Betrieb genommen werden.

Der Geschäftsführer der Rottmerslebener Agrar-Gesellschaft, Thomas Seeger, sagte mit Blick auf diese Investition in den besonders tiergerechten und damit zukunftsorientierten Stallumbau, dass der 2.000-ha-Betrieb die Rindermast auch künftig erhalten und ausbauen wolle. Mit der Biogasanlage zur Verwertung der Abprodukte solle der Betriebszweig „rund gemacht“ und nachhaltig gestaltet werden.

 

Einblicke in die Praxis

Im Anschluss an die Vorträge zeigte Manfred Schütze, Leiter der Rindermast in der Agrar-Gesellschaft „Börde“, den Teilnehmern den neuen Tretmiststall und die bereits im Betrieb praktizierten Haltungen für die Jungbullenmast (konventioneller Stall mit Vollspaltenboden, Folienstall, Feedlot/Freifläche) in Klein Rottmersleben und Schackensleben. Das Unternehmen verfügt über eine eigene Mutterkuhherde mit rund 80 Tieren und mästet überwiegend Fleckvieh- bzw. Fleckviehkreuzungstiere, die als Absetzer bzw. seit diesem Jahr auch als Fresser aus rund 20 Herkünften in drei Bundesländern – vorwiegend  Sachsen-Anhalt, aber auch Thüringen und Brandenburg – zugekauft werden.

 

 

Rinderbestand in Sachsen-Anhalt:

Die Landesagrarstatistik weist für die Viehzählung im Mai 2012 in Sachsen-Anhalt einen Rinderbestand von 341 128 Tieren aus. Darunter sind 124 445 Milchkühe in 685 Haltungen und 30 032 Mutterkühe in 1 637 Haltungen sowie 11 108 Jungbullen (ein bis zwei Jahre alt) in 1 119 Haltungen. Im Mai dieses Jahres waren es landesweit insgesamt 344 937 Rinder, darunter 125 333 Milchkühe, 30 020 Mutterkühe und 11 914 Jungbull

ANZEIGE

Termine

Keine Veranstaltungen
Zu Ihrer Auswahl konnten leider keine Veranstaltungen gefunden werden.

ANZEIGE

Diese Webseite verwendet Cookies. Wenn Sie durch unsere Seiten surfen, erklären Sie sich mit unseren Nutzungsbedingungen einverstanden.

Erfahren Sie mehr