Langsam kehrt wieder Alltag ein

14.11.2014

© Detlef Finger

Die Mitglieder der Initiativgruppe Deichbruch Fischbeck – die Landwirte Ottmar Kapl, Michael Briest, Bernd Bleis, Dieter Northe und Jens Köpke – mit dem Geschäftsführer des Maschinenrings Elb-Havel-Winkel, Christoph Albrecht, und Berater Edmund Herrmann aus Burg (v. r.).

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Knapp anderthalb Jahre nach der Hochwasserkatastrophe von Anfang Juni 2013 mit dem Deichbruch von Fischbeck, bei dem 220 Quadratkilometer Fläche in der Region Land unter gingen, kehrt in den landwirtschaftlichen Betrieben im Elbe-Havel-Winkel und in der Tangerniederung wieder ein Stück weit Normalität in den Produktionsalltag ein – so weit das die äußeren Umstände beziehungsweise die Psyche der Menschen nach den traumatischen Erlebnissen zulassen.

Die Landwirte hatten durch die Flut eine komplette Ernte auf Teilen oder ihrer gesamten Nutzfläche verloren. Gebäude und Produktionsanlagen wurden schwer in Mitleidenschaft gezogen. In Einzelfällen musste Nutzvieh aus vom Hochwasser bedrohten Ställen evakuiert werden, was im Nachhinein zu Leistungseinbrüchen und auch erhöhten Tierverlusten führte und führt. Die Flutschäden im Agrarbereich gingen allein in dieser Region in die Millionen.

Das Geschehene wurde am vor Ort auf der Abschlussveranstaltung der Initiativgruppe Deichbruch Fischbeck in Fischbeck/Elbe noch einmal deutlich. Diese hatte sich Mitte September 2013 als Gremium zur Selbsthilfe der Landwirte unter der Ägide des Maschinenringes (MR) Elb-Havel-Winkel e. V. gegründet.

Mit Unterstützung des Landwirtschaftlichen Beratungsbüros von Edmund Herrmann aus Burg ging es für die fünfköpfige Gruppe von Landwirten aus der Region vor allem darum, stellvertretend für alle betroffenen Berufskollegen die Probleme des Berufsstandes zu artikulieren und die Belange der Bauern gegenüber der Politik und der Verwaltung zu vertreten. Dar-über hinaus unterstützte die Initiativgruppe mit ihren Partnern die Praxisbetriebe beim Erstellen der Antragsunterlagen für die Entschädigungszahlungen.

Nachdem an die betroffenen landwirtschaftlichen Unternehmen inzwischen ein Großteil der Ausgleichszahlungen in Höhe von 80 % der Schäden gemäß den Richtlinien geflossen ist, stellte nun auch die Initiativgruppe ihre Tätigkeit ein.

Runde zum Abschluss

Am vergangenen Mittwoch trafen sich deshalb deren Mitglieder mit Berufskollegen und Gästen, darunter vom Amt für Landwirtschaft, Flurneuordnung und Forsten (ALFF) Altmark Amtsleiter Horst Blum und Abteilungsleiter Hans-Hermann Dietrich, um die vergangenen 17 Monate noch einmal im Zeitraffer Revue passieren zu lassen.

Bevor Amtsleiter Blum über den aktuellen Stand der Entschädigungszahlungen informierte schilderte Jens Köpke, Vorsitzender des Maschinenringes und Mitglied der Initiativgruppe, noch einmal die ersten Tage der Katastrophe, in deren Folge der Elbe-Havel-Winkel „wie eine Badewanne vollgelaufen“ sei. Noch immer beeindruckt zeigte sich der Landwirt aus Garz von der Hilfsbereitschaft, die den Bauern zuteil wurde, u. a. durch die Aufnahme von evakuiertem Vieh, finanzielle Hilfen aus dem Spendenfonds der Schorlemer Stiftung des Deutschen Bauernverbandes, Futterbörsen, benachbarte Maschinenringe sowie Berufskollegen aus nah und fern oder die Hilfs- und Entschädigungszahlungen von Europäischer Union, Bund und Land, wenngleich die pauschalen Entschädigungssätze für Feldkulturen und Grünland nachträglich abgesenkt wurden. Er dankte außerdem ausdrücklich allen Beteiligten für die gute Organisation der Hochwasserhilfen im Juli und August 2013.

Abgeordnete vor Ort


Köpke machte auch deutlich, dass die Verwaltung Ende vergangenen Jahres zunächst keinen zusätzlichen Handlungsbedarf für die speziell durch den Deichbruch entstandenen Schäden gesehen habe. Es gebe Absprachen mit den berufsständischen Vertretungen, habe es damals geheißen. Nachdem sich die Initiativgruppe an den Ministerpräsidenten und den Landtagspräsidenten gewandt hatte, sei schließlich Bewegung in die Sache gekommen.

Den Durchbruch habe letztlich der Besuch des Agrarausschusses des Landtages am 28. Mai 2014 in Fischbeck gebracht (BauernZeitung 24/2014, S. 14), maßgeblich initiiert durch den Abgeordneten Detlef Radke. Unter Leitung der Ausschussvorsitzenden Gabriele Brakebusch machten sich die Mitglieder des Gremiums zusammen mit Landwirtschafts- und Umweltminister Dr. Hermann Onko Aeikens damals vor Ort selbst ein Bild vom Ausmaß der Schäden und den Folgen. In der Konsequenz seien die zusätzlichen Hilfen für die Behebung der Bodenstrukturschäden auf über 10 000 ha durch den Deichbruch vom Landwirtschaftsministerium genehmigt worden. 164 Euro je Hektar netto (bei Entschädigungssatz von 80 % ) flossen für erforderliche Maßnahmen wie Tiefenlockerung und Kalkung an die Landwirte. Abschließend hob Köpke die gute Zusammenarbeit mit dem ALFF Altmark hervor, mit dem die Initiativgruppe in ständigem Kontakt gestanden habe.

 
Seit Mitte Oktober wird im Auftrag des Landesbetriebes für Hochwasserschutz (LHW) ein neuer Deich an der Elbe bei Fischbeck gebaut.


„So unspektakulär, wie die Initiativgruppe gegründet wurde, endet jetzt auch deren Arbeit“, sagte Köpke. Er räumte allerdings ein, dass nicht alles erreicht worden sei. Zuvorderst führte er die nicht durchsetzbare Entschädigung für Folgeschäden in der Milchviehhaltung an, die allen ein sehr wichtiges Anliegen gewesen sei. Sehr viele lobende Worte gab es für die Initiativgruppe und insbesondere ihre Mitstreiter, Maschinenring-geschäftsführer Christoph Albrecht und Berater Edmund Herrmann. Übereinstimmend erklärten sich alle anwesenden Landwirte bereit, einen einmaligen Obulus von vier Euro je Hektar an den Maschinenring zur Abdeckung der im Zusammenhang mit der Arbeit der Initiativgruppe entstandenen Aufwendungen zu entrichten. „Der Wert der Leistung des Maschinenringes ist unschätzbar und in Geld gar nicht aufzuwiegen“, lobte etwa Christian Bleis.

Landwirte gefordert

Hans-Hermann Dietrich vom ALFF Altmark merkte an, das Amt sei bemüht, alle Anträge auf Entschädigung schnellstmöglich zu bearbeiten. Er appellierte in diesem Zusammenhang an die Antragsteller, die Rechtsmittelverzichtserklärung umgehend zurückzusenden, weil sich anderenfalls die Auszahlung der Gelder verzögere. Auch seien die Fristen für Rückmeldungen bzw. das Einreichen nachgeforderter Unterlagen unbedingt zu beachten. Er warb zudem schon im Vorhinein für die den Landwirten ins Haus stehenden Prüfungen der Verwendungsnachweise, zu der das Amt jedoch verpflichtet sei.    

Die BauernZeitung berichtete in folgenden Ausgaben über die Flut und deren Folgen in der Region und im Land sowie die Hilfs- und Entschädigungszahlungen: 24/2013, S. 6 u. S. 16; 25/2013, S. 15; 26/2013, S. 14; 27/2013, S. 15; 32/2013, S. 15; 35/2013, S. 17, 10/2014, S. 15;  24/2014, S. 14; 32/2014, S. 17.


Millionenschäden in Landwirtschaft der Region

Durch das Hochwasser und den Deichbruch von Fischbeck wurden im Elbe-Havel-Winkel und in der Tangerniederung rund 10 200 ha Ackerland überflutet. Betroffen waren 67 landwirtschaftliche Betriebe mit 1 029 Schlägen in 779 Feldblöcken. Nach Angaben von Horst Blum, Leiter des Amtes für Landwirtschaft, Flurneuordnung und Forsten Altmark, sind im landwirtschaftlichen Bereich in der Region Hochwasserschäden von rund 33 Mio. Euro an Ackerflächen, Gebäuden und Produktionsanlagen sowie Futtervorräten einschließlich der Aufwendungen  für die Evakuierung von Vieh und Transporte von Futter geltend gemacht worden. Bei 80 % Entschädigung ergebe sich ein Fördervolumen von gut 26 Mio. Euro. Knapp 18 Mio. Euro seien bis Mitte voriger Woche bewilligt bzw. ausgezahlt worden. An Soforthilfen (5 000 Euro je Betrieb) seien rund 1,1 Mio. Euro ausgereicht worden. Für die Rekultivierung von landwirtschaftlichen Flächen wurden 3,2 Mio. Euro ausgereicht. Hier seien 177 Anträge bewilligt worden, einige wenige befänden sich noch in der Bearbeitung. Hinsichtlich der Beseitigung von Strukturschäden auf dem Ackerland seien bislang 38 Anträge eingegangen, weitere würden noch erwartet. Das Antragsvolumen belaufe sich bis dato auf 1,3 Mio. Euro, von denen 200 000 Euro bewilligt seien. In den nächsten Tagen soll auch hier das meiste abgearbeitet sein, kündigte Blum an. Abschließend verwies der Amtsleiter darauf, dass seine Behörde auch für Infrastrukturschäden außerhalb der Ortslagen zuständig sei. Dies betreffe vor allem den landwirtschaftlichen Wegebau. Hier lägen 127 Anträge über ein Schadenvolumen von 41 Mio. Euro vor. Bewilligt seien 24 Mio. Euro, abgeflossen bislang drei Mio. Euro, was vor allem auf die schleppende Abforderung durch die Kommunen zurückzuführen sei. Noch relativ gering seien die Entschädigungsanträge im Forstbereich.

 

Hochwasserschäden: Antragsfristen noch einmal verlängern

Die Landesregierung soll die bestehenden Fristen für Anträge auf Hilfen zur Beseitigung der Schäden durch das Hochwasser von 2013 auf den 30. Juni 2015 verlängern und sich beim Bund für eine Ausweitung der Bearbeitungs- und Abrechnungsfrist über den 31. Dezember 2015 hinaus einsetzen.Einen entsprechenden gemeinsamen Antrag (Drucksache 6/3580) wollten die Fraktionen von CDU, SPD, Die Linke und Bündnis 90/Die Grünen am Donnerstag bzw. Freitag dieser Woche in das Parlament einbringen. Das Land wird zudem ersucht, durch erneute gezielte Öffentlichkeitsarbeit die Antragstellung zum Beseitigen aller Hochwasserschäden anzuregen sowie darauf hinzuweisen, dass Eigenanteile bei der Schadensregulierung auch über Zuschüsse aus Spendengeldern der Sozialverbände und Hilfsorganisationen erbracht werden können.Das Hochwasser vom Mai/Juni 2013 hat erhebliche Schäden auf dem Gebiet des Landes Sachsen-Anhalt verursacht. Ziel müsse es sein, alle Schäden regulieren zu können, heißt es in der Begründung für die parlamentarische Initiative aller vier Landtagsfraktionen. Demnach ist die Beseitigung der Hochwasserschäden bereits weit fortgeschritten, wozu die Landesverwaltung sowie die Landesinvestitionsbank mit einer zügigen Abarbeitung der Anträge beigetragen haben. Gewürdigt wird auch die Arbeit der Sozialverbände und Hilfsorganisationen.

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