Landwirtschaft hautnah erlebt

05.12.2014

© Rudi-Michael Wienecke

Schülerin Svenja Skalitz weiß, wie man mit Kälbern in Kontakt kommt.

Um die beiden Bittkauerinnen Svenja Skalitz (13) und Jasmin Zschörner (14) werden sich in zwei Jahren die Agrarbetriebe reißen. Die beiden Mädchen gehören zu den wenigen Achtklässlern der Wilhelm-Wundt-Sekundarschule in Tangerhütte, Landkreis Stendal, die sich vorstellen können, später in der Landwirtschaft ihr Geld zu verdienen. In beiden Fällen „liegt es in der Familie“. Den jungen Damen ist die Stallluft nicht fremd, entsprechend selbstbewusst treten sie selbst an die Kühe heran.

Der Besuch der Schüler in Uchtdorf fand im Rahmen eines Projektes des Bauernverbandes statt (siehe Kasten). Matthias März, Geschäftsführer der Agrargenossenschaft, sowie sein Vater und Vorgänger als Betriebsleiter, Wolfgang März, führten kürzlich 39 Mädchen und Jungen durch ihren Betrieb, zeigten ihnen die Abläufe in der Schweine- und Milchproduktion und erklärten, dass Bauern heutzutage auch Geld mit erneuerbaren Energien verdienen. Die Landwirte warben zugleich um Nachwuchs – und viele Jugendliche fielen durch das Raster: Wer im Kuhstall die Nase rümpft, um den Mistberg einen Bogen macht oder Angst vor Tieren hat, ist in anderen Berufen wohl besser aufgehoben. Da lockt selbst der Computer im Melkstand nicht.

Dabei sind die Uchtdorfer in puncto Nachwuchs gegenüber vielen ihrer Berufskollegen „auf Rosen gebettet“: Vier Auszubildende zählt das Unternehmen derzeit, das Durchschnittsalter der Belegschaft liegt unter dem Gesamtmittel der Branche und auch der Generationswechsel in der Betriebsführung vor wenigen Jahren lässt das Unternehmen positiv in die personelle Zukunft blicken. Die Agrargenossenschaft Uchtdorf ist hier indes eine Ausnahme, die Realität im Land sieht anders aus.

Landwirtschaftsminister Dr. Hermann Onko Aeikens sprach unlängst von einer „problematischen Altersstruktur“ in den Grünen Berufen. In den nächsten fünf Jahren würden knapp 30 % der Beschäftigten altersbedingt ausscheiden. Nicht jeder Betrieb scheine die Zeichen der Zeit erkannt zu haben, denn nur jeder vierte bilde aus. Binnen zehn Jahren habe sich im Land die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge in den Grünen Berufen von 1 048 auf 531 nahezu halbiert.

Schuld daran sei indes nicht nur der demografische Wandel. Die Landwirte beklagten zunehmend auch mangelnde Kenntnisse der Schulabgänger und fehlende Disziplin. Laut Aeikens seien große Anstrengungen auf beiden Seiten notwendig. Die jungen Menschen müssten ein solides Grundwissen, Interesse und Zielstrebigkeit mitbringen. Es komme aber auch darauf an, in allen Ausbildungsbetrieben eine hohe Ausbildungsqualität durchzusetzen. Nicht zu vernachlässigen sei ferner eine angemessene Vergütung: „Gute Beispiele sprechen sich rum, schlechte allerdings auch.“

 

Praxisdemobetriebe für Projekt „Lupinen-Netzwerk“ gesucht

Das Land Sachsen-Anhalt, vertreten durch die Landesanstalt für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau (LLFG), beteiligt sich am bundesweiten Projekt „Modellhaftes Demonstrationsnetzwerk zu Anbau und Verwertung von Lupinen“, um den flächenmäßigen Anbau von Eiweißpflanzen wieder zu beleben. Der Anbau von Leguminosen hat hierzulande eine lange Tradition und wurde auch wissenschaftlich sehr erfolgreich bearbeitet. Die Bedeutung der Hülsenfrüchte ist unstrittig. Sie sind in der Lage, Luftstickstoff zu binden und hochwertiges Eiweiß in der Pflanze zu erzeugen, welches vorrangig in der Tierfütterung zum Einsatz kommt. Zudem leisten diese Kulturen einen besonderen Beitrag für eine umweltgerechte und ressourcenschonende Landbewirtschaftung. Trotzdem ist ihr Anbauanteil in den letzten Jahrzehnten auf weniger als ein Prozent der Ackerfläche in Deutschland gesunken.

Das soll sich mithilfe des bundesweit gestarteten Modellprojektes ändern. Gesucht werden Praxisbetriebe vor Ort, die sich mit Anbaudemonstrationen zur Lupine am Projekt beteiligen. Neben diesen werden weitere agrare Betriebe als sogenannte Datenerfassungsbetriebe sowie Verarbeitungsbetriebe und Handelsunternehmen benötigt, um ökonomische und produktionstechnische Kennziffern mit Bezug zu einzelnen Stoffströmen (Legehenne, Rind, Schwein, Humanernährung) zu erfassen und Ökosystemleistungen von Lupinen abzuleiten.

Über das Lupinen-Netzwerk werden interessierte Landwirte, landwirtschaftliche Kompetenzzentren (Züchtungs-, Forschungs- und Beratungseinrichtungen) und weitere Kooperationspartner verschiedenster Wertschöpfungsketten zusammengebracht. Mit einem entsprechenden Informationsangebot (online-Lupinenforum, Fachveranstaltungen) sowie über die Beratung sollen möglichst viele Landwirte in das Lupinen-Netzwerk integriert werden. Mit Bezug zur Regionalität sollen zukünftig Anbau und Verarbeitung so weiterentwickelt werden, dass sich die heimische Produktion der Lupine und ihre Verarbeitung auch wirtschaftlich lohnen.

Der offizielle Start für das Lupinen-Demonstrationsnetzwerk erfolgte am 28. Oktober 2014. Projektpartner sind: die Landesforschungsanstalt für Landwirtschaft und Fischerei Mecklenburg-Vorpommern (federführend), die LMS Agrarberatung GmbH (MV), die Landwirtschaftskammer Niedersachsen, die Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen, das Landesamt für Ländliche Entwicklung, Landwirtschaft und Flurneuordnung Brandenburg sowie die Landesanstalt für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau Sachsen-Anhalt.
Ansprechpartner für das Projekt in Sachsen-Anhalt ist die Landesanstalt für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau Sachsen-Anhalt (LLFG), Strenzfelder Allee 22, 06406 Bernburg, www.llfg.sachsen-anhalt.de. Kontaktperson ist Wernfried Koch, Zentrum für Acker- und Pflanzenbau der LLFG, Tel. (0 34 71) 334-220, wernfried.koch@remove-this.llfg.mlu.sachsen-anhalt.de

Weitere Informationen: https://www.ble.de/DE/08_Service/03_Pressemitteilungen/2014/141028_Leguminosen_Fachtagung.html

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