Im Verbund besser wirtschaften

22.05.2014

© Bettina Koch

Die Gemeine Kiefer ist mit einem Anteil von 49 % die am häufigsten vorkommende Baumart in Sachsen-Anhalt. Sie ist vor allem im Norden und Osten des Landes auf sandigen Böden allgegenwärtig.

Ab fünf Festmeter Holzeinschlag pro Hektar wird Geld verdient.“ Auf diesen Mittelwert kommt Wolf-Thilo von Trotha, freiberuflicher Unternehmensberater im Betriebswirtschaftlichen Büro Göttingen, nach Auswertung von 75 bis 90 Betrieben jährlich mit 125.000 bis 130.000 Hektar Gesamtwaldfläche. Für den ökonomischen Erfolg sei es unabdingbar, einen professionellen und langfristigen Waldbau zu betreiben mit gepflegten Jungbeständen und integriertem Jagdkonzept.

Der Wegebau dürfe nicht vernachlässigt werden, damit der Holztransport reibungslos erfolgen kann. Die Fixkosten müssen gering, die Organisationsstrukturen schlank gehalten werden. Auch eine optimierte überregionale Holzvermarktung und die Kooperation mit professionellen Dienstleistern seien Stellschrauben, die gedreht werden müssten, um gute betriebswirtschaftliche Ergebnisse zu erzielen, betonte von Trotha am 10. Mai auf der Jahreshauptversammlung des Waldbesitzerverbandes Sachsen-Anhalt (WBV) im Fraunhofer-Institut für Fabrikbetrieb und Fabrikautomatisierung (IFF) in Magdeburg.

BG-Beiträge sind Last

Gerade weil die professionelle Betreuung und Bewirtschaftung der Wälder so wichtig ist, bezeichnete WBV-Vorsitzender Franz Prinz zu Salm-Salm die personelle Ausdünnung im Landesforstbetrieb und im Landeszentrum Wald als eine katastrophale Entwicklung: „In den vergangenen Jahren wurde das Personal um mehr als 30 % reduziert“, sagte er, „und die Anzahl der Forstreviere wurde verringert.“ Zwar gebe es sehr gut qualifizierte Leute, doch der Altersdurchschnitt sei hoch und es stehe zu wenig Fachkräftenachwuchs bereit, der auf die in den nächsten Jahren frei werdenden Stellen nachrücken könnte, stellte Prinz zu Salm-Salm fest.

Harsche Kritik übte der Verbandschef an den gestiegenen Beiträgen zur Berufsgenossenschaft. So sei der Grundpreis, den jeder Waldbesitzer zusätzlich zum Hektarbeitrag zu entrichten hat, von 40 auf 70 Euro gestiegen, demnächst werde er sogar auf 120 Euro klettern. „Wer nur einen halben Hektar Wald oder noch weniger sein Eigen nennt, kann das nicht erwirtschaften“, erklärte Prinz zu Salm-Salm. Die Folge: Kleinstwaldbesitzer verkaufen. Damit erfolge faktisch eine Enteignung durch die Berufsgenossenschaft, „und die Politik macht mit“.

Sachsen-Anhalt verfügt über rund 500.000 ha Wald, das ist etwa ein Viertel der Landesfläche. 40 % der Forsten sind nach Angaben des Waldbesitzerverbandes in privater Hand; sie gehören 53.143 Eigentümern, darunter sind 46.686 mit bis zu 5 ha Wald. Das Agrarministerium legte andere Zahlen vor; demnach sind 54 % der Waldflächen in Privatbesitz. Die „Großen“ dürfte der Grundbeitrag zur Berufsgenossenschaft wenig schmerzen: 56 Waldbesitzer haben Flächen zwischen 500 und 1.000 ha, elf besitzen mehr als 1.000 ha Wald.

Zu den größeren Waldbesitzern darf sich Jörg von Beyme zählen, der seit 2004 mit seiner Familie in Rottleberode lebt und im Südharz 500 ha Wald bewirtschaftet, die er von der Bodenverwertungs- und -verwaltungsgesellschaft (BVVG) gekauft hat. Drei Mitarbeiter wurden eingestellt für Holzeinschlag, Rückung und um Brennholz an die Endkunden auszuliefern. Außerdem werden Dienstleistungen für andere Waldbesitzer erbracht. In der Öffentlichkeit sei ein schiefes Bild von Waldbewirtschaftung entstanden, stellte von Beyme fest: „Heutzutage muss man sich für den Holzeinschlag rechtfertigen“, sagte er. Dabei werde für die Ernte der Zuwachs genutzt. Der Holzvorrat in Sachsen-Anhalt wächst jährlich etwa um acht Festmeter pro Hektar. Den Gesamtvorrat der Wälder in Sachsen-Anhalt beziffert der Verband mit 112,5 Millionen Festmetern.

Die Waldbesitzer mit wenig Fläche schließen sich zunehmend in Forstbetriebsgemeinschaften (FBG) zusammen, um den Wald effektiv zu bewirtschaften. Die Forstwirtschaftliche Vereinigung Altmark mit Sitz in Klötze geht den nächsten Schritt, den der gemeinsamen Vermarktung: Sie bündelt inzwischen die Holzmengen von zwölf Forstbetriebsgemeinschaften und vier einzelnen Waldbesitzern, insgesamt sind das die Holzmengen von rund 5 000 Waldeigentümern mit zusammen rund 25.000 ha Wald vor allem im nördlichen Sachsen-Anhalt, berichtete Geschäftsführer Dr. Asmus Roth.

Regionale Cluster

Im vergangenen Jahr hat der Verein für seine Mitglieder rund 100 000 Festmeter Holz vermarktet und damit vier Millionen Euro umgesetzt. Die Verteilung der Gelder werde mithilfe moderner Informationstechnologie zu einem großen Teil über Treuhandkonten und sehr effizient abgewickelt. Drei Teilzeitkräfte seien damit befasst, erklärte Roth, die Kosten je Hektar seien mit 1,53 Euro für die Mitglieder überschaubar.

Für Franz Prinz zu Salm-Salm ist das der richtige Weg, über solche Strukturen sowohl die effiziente Waldbewirtschaftung als auch Holzvermarktung hinzubekommen. Darüber hinaus müsse die Bildung regionaler Cluster gefördert werden – der Schulterschluss mit Stadtwerken oder Energieunternehmen und Kommunen – wenn es zum Beispiel um die Errichtung und Belieferung von Heizkraftwerken mit Biomasse geht.

„Das Ökonomische ist das, wovon wir leben“, so Prinz zu Salm-Salm. Der Wald müsse gut bewirtschaftet werden, damit er Erträge bringt. Die Erträge seien aber wiederum notwendig, um den Wald weiterhin so bewirtschaften zu können, dass er der Lebensraum für viele Tier- und Pflanzenarten, der Erholungsraum für den Menschen und der Rohstofflieferant für die Industrie bleiben kann. Die Holzgewinnung bilde die wirtschaftliche Grundlage für viele andere Bereiche wie Holz be- und verarbeitende Industrie, Papierwirtschaft, Holzhandel, Holzhandwerk, Zulieferer sowie Verlags- und Druckereigewerbe. In diesem gesamten Bereich seien in Deutschland 1,32 Millionen Menschen beschäftigt.

Diese Zusammenhänge würden oft vergessen. Das sei gerade wieder beim Umgang mit dem Eichenprozessionsspinner deutlich geworden, der enorme Schäden in den Wäldern anrichtet. Das Umweltbundesamt in Dessau warnt vor Chemieeinsatz beim Raupenbefall.

Förderung vom Land

Eine chemische oder biologische Bekämpfung soll nur vorgenommen werden, wenn durch Kahlfraß das Absterben ganzer Waldbestände droht. „Wir sollen entspannt mit dem Thema umgehen, sagt man uns. Aber für uns ist das eine existenzielle Frage“, schimpfte Prinz zu Salm-Salm. „Was nützen uns Tiere, die im Wald leben, wenn der Wald nicht mehr da ist?“ Glücklicherweise seien in Sachsen-Anhalt 8 200 ha betroffene Waldflächen überflogen worden, doch ein angemessener Forstschutz werde auch hierzulande immer schwieriger.

Agrarstaatssekretärin Anne-Marie Keding verwies auf die Verantwortung für die Biodiversität. „Trotz aller Anstrengungen geht die Artenvielfalt zurück“, betonte sie. Der Klimawandel müsse berücksichtigt werden, aber auch die Holznachfrage am Markt. Es gelte, Kompromisse zu finden, zum Beispiel mit der Ausweisung von Schutzgebieten und dem Ausgleich von Nutzungseinschränkungen. Keding appellierte an die Waldbesitzer, sich zu größeren Einheiten zusammenzuschließen. Dies werde auch vom Land mit der in diesem Jahr in Kraft getretenen Richtlinie zur Förderung forstwirtschaftlicher Zusammenschlüsse unterstützt. Wie Referent Michael Schenk aus dem Agrarministerium informierte, werden landesweit 100 000 ha Wald von Forstbetriebsgemeinschaften bewirtschaftet. 55 % der FBG betreuen weniger als 500 ha, 33 FBG haben sich um weniger als 100 ha zu kümmern; sie liegen vor allem im Süden Sachsen-Anhalts. „Unser Ziel sind starke Forstbetriebsgemeinschaften mit Mindestgrößen von 1.300 bis 3.500 ha, orientiert an den Größen der Revierförstereien“, erklärte Schenk. Mit der höheren Holzmobilisierungsprämie, mit Zuschüssen für Mitgliederinformationen, Werbung und die Zusammenlegung von FBG sowie mit der Unterstützung des Generationswechsels in den Vorständen soll dieser Prozess gefördert werden.

Neue Ideen vom IFF

Ideen für eine höhere Effektivität bei der Bewirtschaftung des Waldes liefert auch das Fraunhofer-IFF, wie Dr. Ina Ehrhardt informierte. Jedes Jahr veranstaltet das Institut die Holzlogistik-Tagung auf Schloss Hundisburg im Landkreis Börde. In mehreren Projekten befassten sich die Wissenschaftler zum Beispiel mit Abrechnungsprozessen und Rückverfolgbarkeit, mit der Erschließung von Reststoffen oder dem Vergleich der Zertifizierungssysteme. Außerdem wurden eine Waldbrand-App und der Umrechner „BioLogiCal“ für Holzmaße oder Heizwerte entwickelt. Aktuell in Arbeit ist ein Biomass Logistics Wiki, kurz BIO:logic, zu dessen aktiver Mitgestaltung die Praktiker nach Freischaltung herzlich eingeladen sind.

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