Gigantische Rübenernte

29.01.2015

© Detlef Finger

Im Werk Könnern der Pfeifer & Langen GmbH & Co. KG wurden in den 119 Kampagnetagen fast zwei Millionen Tonnen Zuckerrüben verarbeitet.

Die Rübenanbauer der Zuckerfabrik Könnern haben im Vorjahr eine „gigantische Ernte“ eingefahren. „Die größte, die wir je hatten“, sagte Wolfgang Beer, Vorsitzender des Anbauerverbandes (ZRAV), am Montag auf der ersten regionalen Winterversammlung in Könnern. Nach der frühesten Aussaat seit vielen Jahren wuchsen in einer langen Vegetationsperiode bei günstigem Witterungsverlauf durchschnittlich 80,9 t/ha Zuckerrüben heran. Der bisherige Rekord von 66,6 t/ha datiert aus dem Jahr 2011.

In der Summe ergab sich bei 601 Anbauern mit 24 756 ha Fläche eine Rübenmenge von 2,003 Mio. t. 1,998 Mio. t davon wurden in 119 Tagen in der Fabrik der Pfeifer & Langen GmbH & Co. KG zu 318 046 t Zucker verarbeitet, ergänzte Franz Michiels-Corsten, Standortleiter Landwirtschaft des Werkes im Salzlandkreis. Die übrigen Rüben gingen an Biogasanlagen.

Niedriger Zuckergehalt

Auch die Kampagnedauer stellt einen neuen Rekordwert dar. „Das war eine gute Übung für die Zeit ab 2017“, sagte Michiels-Corsten mit Blick auf die mit Wegfall der Zuckermarktordnung angestrebten längeren Verarbeitungszeiträume. Wermutstropfen war der relativ geringe Zuckergehalt von lediglich 17,3 %. In Kombination mit dem Rübenertrag steht dennoch ein bisher nicht erreichter Zuckertrag von 14,0 t/ha zu Buche.

Mit dem Verlauf der vom 15. September 2014 bis 11. Januar 2015 währenden Kampagne waren beide zufrieden. Täglich wurden 16 965 t Rüben verarbeitet. Der Besatz hielt sich mit 9,6 %, davon 5,4 % Erde, im Rahmen. Die innere Qualität der Rüben war gut (15 mmol/kg Amino-N, 1,9 % Ausbeuteverlust, 89,0 % theoretische Ausbeute). Technische Schwierigkeiten gab es nahezu keine, nur die zum Verarbeiten an Sonn- und Feiertagen vorgelagerten Früchte bereiteten einige technologische Probleme. Beer kritisierte in diesem Zusammenhang die ausschließlich im Land Sachsen-Anhalt unverändert „sehr restriktive und uneinsichtige Haltung“ der zuständigen Straßenverkehrsbehörden zur Erteilung von Ausnahmegenehmigungen zum sonn- und feiertäglichen Lkw-Fahrverbot. Anbauverband und Zuckerfabrik wollen sich über die Wirtschaftliche Vereinigung Zucker (WVZ) hier um eine Lösung insbesondere für den Abtransport der anfallenden Rübenpressschnitzel bemühen. Wissenschaftliche Gutachten belegen, dass nur ein unverzügliches Einsilieren dieses leicht verderblichen Futters dessen Qualität erhält. Wegen des Sonntagsfahrverbots waren Teilmengen des wertvollen Futtermittels nur noch in Biogasanlagen zu verwerten. Das Pressschnitzelaufkommen lag bei fast 205 000 t, daneben wurden im Werk 53 134 t Pellets produziert.

Preise nicht endgültig

Der hohe Wassergehalt der Rüben erwies sich bei den bis in den Dezember hinein hohen Temperaturen als Problem. „Zuckerbetonte Sorten lagern besser“, sagte Michiels-Corsten. In einzelnen Fuhren gab es sogar faule Rüben, die aus dem Einsatz von technisch unzulänglich ausgestatteten Walzenstreichgeräten (Rotowiper) zur Bekämpfung von Schosserrüben mittels Glyphosat resultierten.

Zur Rübenabrechnung laut Branchenvereinbarung konnte Michiels-Corsten wegen des erst wenige Tage zurückliegenden  Kampagneendes noch keine endgültigen Aussagen treffen. Für alle Rüben wird eine Markvergütung von 3,50 €/t gezahlt, und es werden ca. 590 000 € Qualitätsprämien ausgeschüttet. Die Früh- und Spätlieferprämien standen noch nicht fest.

Die Grundpreise in den acht Kategorien betragen (bei 16 % Polarisation) je Tonne für Quotenrüben 26,29 €, für Überrüben Ü1 (bis 110 %) 21,44 €, für Ü2 (110–125 %) 13,00 € und für Ü3 (>125 %) 9,00 €, für Industrierüben 23,00 € (fest) bzw. 23,13 € (flexibel, jeweils inkl. 15 % Überrüben) sowie für Vortragsrüben 23,00 € (100 % Vortrag) bzw. 22,00 € (< 100 %). Nebenleistungen werden auf sämtliche Rüben ausgereicht. Einschließlich Prämien und Nebenleistungen sowie abzüglich der vom Anbauer anteilig zu tragenden Kosten (Laden und Reinigen, Fracht, Verbandsbeitrag) liegen die durchschnittlichen, noch vorläufigen Rübenerlöse bei einer Ist-Polarisation von 17,3 % um drei Euro (Ü3-Rüben) bis fünf Euro über den Grundpreisen.

Die Rekordernte hat vor dem Hintergrund des ohnehin bestehenden Preisdrucks am derzeit überversorgten Weltzuckermarkt erhebliche Konsequenzen für den diesjährigen Rübenanbau. „Wir werden die Fläche im Verbandsgebiet drastisch zurückfahren müssen – etwa um ein Viertel“, rechnete Beer vor. 321 Betriebe haben demnach ihre Überrüben komplett vorgetragen, weitere 66 Anbauer in Teilen – zusammen 500 000 t. „Wir müssen den Anbau 2015 so ausrichten, dass eine sichere Erfüllung der verbleibenden Quoten- und Industrierübenmengen gewährleistet ist“, so Beer.

Ihm zufolge will die Zuckerfabrik versuchen, von den Landwirten im Frühbezug zu viel bestelltes Saatgut weiter zu vermitteln, anderenfalls müssten die Anbauer die Rübenpillen unter Beachtung der Hinweise der Züchterhäuser selbst einlagern.

Michiels-Corsten ergänzte, aufgrund der hohen Vortragswilligkeit wird der Termin für die Saatgutfrühbestellung für den 2016er Anbau bis 12. Februar 2015 verlängert. Die Kampagne 2015/16 wird nur knapp 70 Tage dauern, schätzte er zudem ein.

Vorsitzender bestätigt

Abgerundet wurden die Winterversammlungen durch Fachvorträge zu verschiedenen Themen. Am Montag informierte Christoph Felgentreu, Deutsche Saatveredelung AG (DSV), die Landwirte über praktische Aspekte des Zwischenfruchtanbaus in Zuckerrübenfruchtfolgen, Hermann-Josef Keutmann, Landwirtschaftlicher Informationsdienst Zucker (LIZ), Könnern, über den Zwischenfruchtanbau als ein Element des Greenings im Rahmen der GAP-Reform, und Anbauberater Michael Steinz über Ergebnisse eines Versuches zum Frostschutz von Rüben durch Mietenabdeckung.

Bei einer vorgezogenen Wahl wurde Wolfgang Beer für weitere drei Jahre als Mitglied des Vorstandes des Anbauerverbandes bestätigt. Vizeverbandschef Hans-Joachim Wuttig begründete diesen Schritt damit, dass man Beer, der 2016 altershalber laut Satzung nicht wieder kandidieren dürfte, als kompetenten Verhandlungsführer in den kommenden Jahren behalten wolle.

Beer selbst bedankte sich für das ihm entgegengebrachte Vertrauen. Den Rübenanbau im Umkreis bis gut 100 km um die Fabrik sieht der Verbandschef auch für die Zukunft als weitgehend gesichert an. „Bleiben Sie der Rübe treu“, appellierte er an die Mitglieder.

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