Getreideernte: Hohe Erträge, gute Qualität

30.09.2014

© Detlef Finger

Spät geernteter Winterweizen erfüllte die Qualitätsanforderungen für Brotgetreide zum Teil nicht.

Mehr als 120 interessierte Praktiker waren am 4. September in die Landesanstalt für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau (LLFG) nach Bernburg-Strenzfeld gekommen, um Informationen über Menge und  Qualität der Getreideernte, Empfehlungen für die Sortenwahl zur anstehenden Aussaat des Wintergetreides sowie Vermarktungshinweise zu erhalten.

Dr. Gunter Aßmann, LLFG, dokumentierte zu Beginn die erreichten Erträge und Qualitäten, ausgehend vom Witterungsverlauf im Anbaujahr 2013/2014. In der vorläufigen Ertragsabrechnung wurden gegenüber dem Vorjahr bei allen Getreidearten deutlich höhere Erträge erreicht, vor allem beim Winterweizen mit 88,4 dt/ha (+10 dt/ha). Bei Weizen, Gerste und Roggen wurden eine gute bis sehr gute Kornausbildung sowie hohe Hektolitergewichte bei mittleren Eiweißgehalten festgestellt. Respektable Verarbeitungsqualitäten werden bei Backweizen und Brotroggen erwartet. Hier waren der frühere Erntebeginn im Land und die Aberntung vor den vermehrten Niederschlägen sehr von Vorteil. Bei den zuletzt beernteten Flächen kam es zu Qualitätsminderungen. Gute Futterqualitäten für die Viehversorgung liefert auch die Wintergerste. Ein teilweise erhöhter Befall mit Mutterkorn im Roggen erfordert eine entsprechende Ausreinigung. Bei der Sommergerste liegen die Eiweißwerte zur Verwendung als Braugerste im Optimum.

Sortenvielfalt wichtig

Gerhard Hartmann, LLFG, betonte die genaue Sortenkenntnis und die richtige Wahl bei der vorhandenen Vielfalt als sehr entscheidend für die Ertragsstabilität. Die Ergebnisse der mehrjährigen Landessortenversuche vermitteln den Landwirten wertvolle Hinweise. „Man muss um die Stärken und Schwächen der Sorten wissen, um das Beste herauszuholen.“ Im Vordergrund sollten Ertragserwartung, Standort- und Anbauverhältnis im Betrieb, Saatzeit, Fruchtfolgegestaltung, Winterfestigkeit, Krankheiten, Qualitäten und Reifezeitpunkte stehen. Er empfahl den Landwirten, zur Risikominderung im Betrieb auf Sortenvielfalt zu setzen. In Sachsen-Anhalt werden überwiegend hochwertige Qualitätswinterweizensorten angebaut, die sehr gute Vermahlungs- und Backqualitäten aufweisen. Eliteweizen mit besonders hohen Anforderungen an Eiweißgehalt und Qualität werden auch exportiert, etwa in die Benelux-staaten oder nach Italien.

Läger sind von Vorteil

Reimer Mohr, Hanse Agro GmbH, Gettorf, führte den derzeitigen Preisverfall auf die guten Ernteergebnisse in den Getreideregionen Europas und weltweit zurück. Damit steige der Exportdruck. Klar im Vorteil seien jetzt Betriebe mit Vorverträgen aus dem Jahr 2013 zu höheren Preisen. Mohr empfahl den Landwirten, „den Getreidemarkt aufmerksam zu verfolgen, ihre Lagerkapazitäten mit den Preisdifferenzen zwischen Futter- und A-Weizen bei der Vermarktung zu bilanzieren und sich von ihren Händlern vor Ort beraten zu lassen.“ Viele Betriebe hätten sich inzwischen entsprechende Lagerkapazitäten geschaffen, die Getreideproduzenten könnten damit bei günstiger Preisentwicklung aktiv handeln und vermarkten.

(Die Beiträge der Referenten sind im Internet unter www.llfg.sachsen-anhalt.de eingestellt.)


Dr. Harald Lütkemeier

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