Federvieh muss unters Dach

04.12.2014

© Detlef Finger

Die Unterbringung zum Beispiel von Gänsen in Ställen stellt insbesondere in kleineren Haltungen mitunter ein Problem dar.

Seit Donnerstag vergangener Woche gilt in Sachsen-Anhalt in Risikogebieten bis auf Weiteres die Stallpflicht für Geflügel. Darunter fallen laut Geflügelpestverordnung Hühner, Gänse, Enten, Puten, Perl- und Rebhühner, aber auch Fasane, Wachteln und Laufvögel. Die Aufstallungspflicht gilt für landwirtschaftliche und gewerbliche Haltungen im Haupt-erwerb ebenso wie für Hobby- und Nebenerwerbsgeflügelhaltungen.

Das Landwirtschaftsministerium hat die Landkreise über das Landesverwaltungsamt angewiesen, entsprechende Maßnahmen anzuordnen. Hintergrund ist der Nachweis von Vogelgrippeviren in einer wild lebenden Ente vor einigen Tagen in Mecklenburg-Vorpommern.

Vorsicht ist geboten

Wie das Agrarministerium informierte, bedeute Aufstallung, dass die Tiere entweder in geschlossenen Ställen oder unter einer Vorrichtung untergebracht sein müssen, die aus einer überstehenden, nach oben gesicherten Abdeckung und mit einer gegen das Eindringen von Wildvögeln gesicherten Seitenbegrenzung bestehen muss.

Risikogebiete sind Gebiete, die als Rastplätze für Wildvögel bekannt sind. Das sind z. B. Regionen entlang der Flüsse Elbe, Saale, Havel und Mulde, das Gebiet um den Arendsee (Altmarkkreis Salzwedel) und die Gerlebogker Teiche (Salzlandkreis) einschließlich von zehn Kilometer breiten Pufferzonen.

Als solche eingestuft sind im Land vor allem Gemeinden in der Altmark und im Jerichower Land, der Amtsbereich Anhalt, der Südharz und Teile des Saalekreises (siehe Karte). Eine detaillierte Aufstellung der Gemeinden mit dem Status vor der Gebietsreform findet sich auf der Internetseite des Landwirtschaftsministeriums.

Agrar- und Umweltminister Dr. Hermann Onko Aeikens sagte: „Die Fachleute des Friedrich-Loeffler-Institutes halten es für hochwahrscheinlich, dass der Vogelgrippeerreger H5N8 über Wildvögel verbreitet wird. Daher müssen wir zum Schutz unserer Geflügelbestände vorbeugende Maßnahmen ergreifen. Auch Geflügelhaltern außerhalb der Risikogebiete empfehle ich, ihre Tiere unters Dach zu bringen.“

Bei der Tierseuchenkasse Sachsen-Anhalt waren zum Zeitpunkt des Erlasses der Aufstallungspflicht landesweit gut 14,2 Millionen Stück Geflügel in 34 147 Haltungen bei 26 530 Tierhaltern gemeldet (siehe Tabelle). Bis Ende voriger Woche war in Sachsen-Anhalt kein aktueller Fall eines Ausbruchs der Geflügelpest bei Wildvögeln oder Hausgeflügel bekannt.

Bislang hätten die Epidemiologen noch keinen Zusammenhang zwischen verschiedenen Ausbruchsorten der Vogelgrippe in Europa herstellen können, so das Agrarministerium. Deshalb wolle Sachsen-Anhalt durch aktives Wildvogelmonitoring helfen, die Verbreitungswege zu identifizieren. Dazu sollen bis Ende Januar im Land 400 Wildvögel aus den Risikogebieten untersucht werden. Jagdausübungsberechtigte werden dafür mit Probentupfern ausgerüstet. Die Proben werden dann in Stendal im Landesamt für Verbraucherschutz untersucht.

Für Geflügelausstellungen und Geflügelmärkte gelte, dass die Veranstaltungen in geschlossenen Räumen stattfinden müssen und die auf der Veranstaltung ausgestellten Tiere vorher tierärztlich zu untersuchen sind. Für Menschen bestehe nach derzeitigen Erkenntnissen keine Gefahr. Bisher sei weltweit kein Fall von Ansteckung mit dem Geflügelgrippe-Subtypus H5N8 bekannt, hieß es dazu.

Bußgeld bei Verstößen

Ansprechpartner für alle Geflügelhalter zu Fragen der Stallpflicht sind die Amtstierärzte der Landkreise bzw. kreisfreien Städte. Diese entscheiden auch über eventuelle Ausnahmegenehmigungen im Einzelfall, etwa für Laufvögel wie Strauße.

Geflügelbesitzern in Sachsen-Anhalt drohen drastische Strafen, wenn sie die Stallpflicht nicht einhalten. Wer Hühner, Enten, Gänse o. a. in den Risikogebieten weiter im Freien hält, muss mit Bußgeldern bis zu 30 000 Euro rechnen. Darauf hat das Veterinäramt des Salzlandkreises hingewiesen. Es würden Kontrollen durchgeführt.

In ersten Reaktionen auf die Anordnung der Stallhaltung für Nutzgeflügel hieß es, diese führe vor allem bei den kleinstrukturierten Haltungen von Gänsen zu Problemen. Große Zuchtbetriebe von Nutzgeflügel sehen dagegen wegen der ohnehin sehr strengen Vorkehrungen aus veterinärhygienischer Sicht eher  weniger Probleme.

Beim Wirtschaftsverband Eier und Geflügel gibt es eine generelle Akzeptanz für diese Vorsorgemaßnahme. Befürchtet wird allerdings, dass Eier aus Freilandhaltung durch die Aufstallpflicht nicht mehr als solche vermarktbar seien und die Erzeuger damit finanzielle Einbußen hinnehmen müssten. Das Agrarministerium verwies in diesem Zusammenhang auf eine entsprechende EU-Verordnung, wonach Eier bei Stallpflicht noch zwölf  Wochen als Freilandeier, danach aber nur als Eier aus Bodenhaltung vermarktet werden dürfen.

Eine Übersicht über die Risikogebiete und weitere Informationen zur Stallpflicht sind im Internet unter www.mlu.sachsen-anhalt.de zu finden.

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