Erste Milchtankstelle im Altkreis Bitterfeld

30.05.2017

© Detlef Finger

Ein Schild am Eingang zum Betriebsgelände weist auf die Milchviehanlage der Agrofarm Raguhn hin. Bild rechts unten: Geschäftsführer Hartmut Korb am neuen Milchautomaten, der Mitte voriger Woche angeliefert wurde.

Der Altkreis Bitterfeld hat bald seine erste Milchtankstelle, an der Verbraucher frische, unbehandelte Rohmilch zapfen können. Die Agrofarm Raguhn GmbH nimmt am 1. Juni, zum Tag der Milch, einen Automaten am Standort ihrer Milchviehanlage in der Alten Straße im Bitterfeld-Wolfener Ortsteil Bobbau in Betrieb.


Das Unternehmen hält rund 1 000 Rinder, darunter 400 Kühe. Neben der eigenen Nachzucht von Milchvieh werden jährlich etwa 200 männliche schwarzbunte Kälber über 18 Monate zu Schlachtbullen aufgemästet. „Wir wirtschaften konventionell, unsere Milchproduktion ist aber gentechnikfrei und entsprechend zertifiziert“, hebt Geschäftsführer Hartmut Korb hervor. Bis auf zugekauftes Rapsschrot (und Mineralstoffe) wird das Futter für die Rinder auf rund 300 ha Fläche – Dauergrünland und Ackerfutter (Feldgras) selbst produziert.

 

Verluste beim Milchgeld


Die aktuelle Marktleistung des Kuhbestandes liegt bei 9 300 kg Milch pro Tier und Jahr. Die Rohmilch wird in S-Klasse an die Sachsenmilch Leppersdorf GmbH geliefert. Die Raguhner erhalten dafür zurzeit einen Grundpreis von 31,5 ct/kg, hinzu kommen Zuschläge von zusammen etwa einem Cent je Kilo. „Mit diesem Auszahlungspreis ist nach wie vor keine Kostendeckung, geschweige denn ein Gewinn möglich“, stellt Korb klar. Um einigermaßen rentabel und vor allem nachhaltig Milch erzeugen zu können, seien 40 ct/kg erforderlich. Nach Angaben des Betriebsleiters hat die Agrofarm in den letzten beiden Jahren jeweils 370 000 bis 380 000 € Einnahmeverluste bei der Milch hinnehmen müssen, die es zusätzlich noch auszugleichen gilt.


Die Milchtankstelle soll und kann dazu keinen Beitrag leisten, ist sich Hartmut Korb bewusst. Zumal sie Geld und zeitlichen Aufwand für die Mitarbeiter kostet. Sie soll vielmehr den Kontakt zum Verbraucher schaffen und für das Image der Branche werben. „Wir Landwirte machen unsere Arbeit ehrlich und vernünftig, und wir sorgen tagtäglich dafür, dass die Menschen mit gesunden Lebensmitteln aus der Region versorgt werden können“, sagt Korb.


„Unser Anliegen ist es, mit der Milchtankstelle den Bürgern das wieder verstärkt ins Bewusstsein zu rufen und unsere Arbeit transparent und nachvollziehbar darzustellen.“ Es sei wichtig, so der 54-jährige Diplom-Agraringenieur, der unsäglichen negativen öffentlichen Diskussion über die Landwirtschaft entgegenzuwirken.


Rohmilch aus der Bobbauer Kuhherde können sich die Kunden am Automaten für einen Euro pro Liter zapfen. Gezahlt werden kann mit Münzen oder Banknoten, überzähliges Geld wird rückerstattet. Die Abfüllmenge ist frei wählbar. Wer kein eigenes Gefäß dabeihat, kann zum Preis von einem Euro eine Ein-Liter-Mehrwegglasflasche mit Metallverschluss erwerben. Die Milchtankstelle soll künftig täglich von 7 bis 19 Uhr für die Kunden zugänglich sein.

 

Station bei Flurfahrt


Im Ehrenamt engagiert sich Hartmut Korb im Vorstand des Bauernverbandes Anhalt. Die diesjährige Flurfahrt des Verbandes am 1. Juni wird durch den Altkreis Bitterfeld führen und dabei auch am neuen Milchautomaten Station machen. Der Betriebshof der Agrofarm in der Bobbauer Schäferstraße ist Start- und Zielpunkt der Fahrt.


Mit Zeitungsanzeigen, Flyern, Aufstellern und Plakaten bewirbt die Agrargesellschaft nun ihr neues Angebot. Dies in der Hoffung, dass künftig viele Leute sich ihre frische Milch direkt beim Erzeuger holen und dabei mit diesem auch ins Gespräch kommen.

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