Erste Erntebilanz

31.08.2017

© Detlef Finger

Sie zogen in Hedersleben eine erste Erntebilanz aus Sicht des Bauernverbandes: Vizepräsident Torsten Wagner, Präsident Olaf Feuerborn und Hauptgeschäftsführer Marcus Rothbart sowie Lutz Trautmann, Chef der Agrargenossenschaft (v. l.).

Noch sind die Druschfrüchte landesweit nicht komplett geerntet. Vor allem in der Altmark sind noch Getreide und Raps zu bergen. Eines steht aber bereits fest: Sowohl die Erträge als auch die Qualitäten sind zu weiten Teilen enttäuschend. Das wurde auf der Erntepressekonferenz des Bauernverbandes am vergangenen Freitag in der Agrargenossenschaft Hedersleben, Landkreis Harz, deutlich. Für den Verband zogen Präsident Olaf Feuerborn, Vizepräsident Torsten Wagner und Hauptgeschäftsführer Marcus Rothbart eine erste Bilanz zur diesjährigen Ernte, die bei allen Kulturen überwiegend unterdurchschnittlich ausgefallen ist.

 

Erhebliche Schwankungen


Erträge und Qualitäten schwanken demnach teils erheblich. Für einige Regionen ist es die schlechteste Ernte seit vielen Jahren. In Verbindung mit den ebenfalls schlechten Erlösen belasten die geringen Erntemengen die Liquidität der landwirtschaftlichen Betriebe. Damit wird es schwer, die Löcher aus den vergangenen zwei Krisenjahren zu stopfen oder zurückgestellte, dringend notwendige Investitionen nachzuholen. Vor allem die schwierigen Witterungsverhältnisse über die gesamte Vegetationsperiode hinweg – Trockenheit zur Herbstaussaat, Niederschlagsdefizit im Winter und Frühjahr, Spätfröste, Unwetter mit Hagel, Starkregen und Sturm kurz vor der Ernte sowie eine durch wiederkehrende Schauer immer wieder unterbrochene Kampagne – hinterließen deutliche Spuren.

 

Viel Kleinkorn, wenig Öl


In den meisten Regionen des Landes wurden unterdurchschnittliche Ergebnisse erzielt. Sie liegen im Schnitt beim Ertrag zwei bis 18 % unter denen des Vorjahres. Am meisten enttäuscht der Raps, der im Landesdurchschnitt 22 % unter dem langjährigen Ertragsmittel liegt. Hier wirkte sich neben dem Wetter vor allem das Fehlen insektizider Beizen aus. Wenig erfreulich sind auch die Qualitäten. Hohe Kleinkornanteile und stark schwankende Proteingehalte beim Getreide schmälern die Erlöse. Nicht zufriedenstellend sind die niedrigen Rapsölgehalte.


Die Wintergerste, landesweit auf 91 400 ha angebaut, brachte einen Ertrag von 72,2 dt/ha. Das sind sieben Prozent weniger als im Vorjahr (77,3 dt/ha) und vier Prozent weniger als im Mittel der vergangenen fünf Jahre (74,9 dt/ha). Der Winterroggen drosch auf 64 150 ha im Schnitt 50,3 dt/ha. Gegenüber dem Vorjahr bzw. dem Mittel der Jahre 2012 bis 2016 fehlen neun bzw. drei Prozent.
Der Winterweizen, mit 318 000 ha wichtigste Ackerkultur hierzulande, brachte 69,8 dt/ha. Die Ertragseinbußen fallen bei der Hauptgetreideart am höchsten aus: –18 % zu 2016 bzw. – 13 % zum mehrjährigen Mittel. Der Raps, auf 155 100 ha angebaut, steht mit 32,1 dt/ha zu Buche und verzeichnet damit noch höhere Ertragsausfälle. Diese liegen bei – 18 % zum Vorjahr bzw. – 22 % zum mehrjährigen Durchschnitt.

 

Verluste in Millionenhöhe


Nach Berechnungen des Bauernverbandes bedeuten die geringeren Erträge und tendenziell niedrigeren Preise im Vergleich zum Vorjahr allein beim Winterweizen bei einer nur geringfügig eingeschränkten Anbaufläche einen Umsatzverlust für die Landwirte in Sachsen-Anhalt von insgesamt 89 Mio. € oder 20 %. Gegenüber dem Jahr 2012 mit deutlich höherem Ertrag und weitaus besserem Weizenpreis büßen die Bauern gut 256 Mio. € oder 42 % ein!



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