Energie aus Mist und Gülle

19.08.2015

Biogasanlage © Sabine Rübensaat

Auf vollen Touren läuft seit Mai eine neue landwirtschaftliche Biogasanlage mit 650 kW Leistung in Nessa im Burgenlandkreis. Betrieben wird sie von der örtlichen Milch- und Zuchtfarm GmbH zusammen mit der Biogas Osters & Voß GmbH aus dem brandenburgischen Plattenburg OT Groß Gottschow. In der Anlage sollen jährlich 30 000 t Gülle und 2 000 t Festmist aus der Rinderhaltung sowie 3 000 t Mais verwertet werden. 2,2 Mio. Normkubikmeter Biogas werden jährlich über ein Blockheizkraftwerk verstromt und in das regionale Stromnetz eingespeist. Die Wärme wird als Prozesswärme für die Biogas­anlage und den Milchviehbetrieb sowie für das Beheizen der Wohngebäude genutzt.


Die Synergieeffekte für den Milchviehbetrieb hätten bei der Anlage im Vordergrund gestanden, teilte das Planungsbüro, die Greenline GmbH & Co KG, Flensburg (Schleswig-Holstein), vorige Woche mit. Die Schaffung von notwendigen Gärrestlagerkapazitäten, ein geschlossener Pumpkreislauf, ein abgerundetes Wärmekonzept und eine optimale Verwertung der flüssigen und separierten festen Gärreste führten zu einer ausgesprochen hohen Wirtschaftlichkeit sowohl im Milchviehbetrieb als auch in der Biogasanlage. Die aktuelle Gärausbeute liege deutlich über den Erwartungen, so dass voraussichtlich die geplante Maismenge deutlich reduziert werden kann. Durch eine qualitätsorientierte Materialauswahl und optimierte Anlagenfunktionen gewährleiste die landwirtschaftliche Biogasanlage im Industriestandard zudem eine hohe Produktivität bei niedrigen Investitions- und Betriebskosten.


Nach Ansicht von Greenline-Geschäftsführer Frank Nielsen ist die energetische Verwertung landwirtschaftlicher Substrate wie Gülle, Mist und Futterreste bei einer bestimmten Viehbestandsgröße in Deutschland immer noch lukrativ. Durch mögliche Auflagen der neuen Düngeverordnung, die Lagerkapazitäten in Vieh haltenden Betriebe aufzustocken zu müssen, könnten Biogasanlagen insgesamt sogar noch attraktiver werden.


Müssten Behälter sowieso errichtet werden, könne eine Biogasanlage dieses Investment mittragen und darüber hinaus eine gute Eigenkapitalrendite erwirtschaften, so Nielsen. Zudem könnten reine Gülleanlagen deutlich günstiger gebaut werden als Nawaro-Anlagen. Bei Eigennutzung von Wärme und Strom hätten Anlagen über 75 kW insgesamt mehr Sinn.
Angesichts der verschlechterten EEG-Rahmenbedingungen spielten Substrat- und Logistikkonzepte sowie niedrige Baukosten eine zunehmend wichtige Rolle dafür, dass die energetische Verwertung von Biogas wettbewerbsfähig bleibt.

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