Eliteauktion für Merinofleischschafböcke

23.08.2012

 

 

Kölsa. Zum inzwischen 19. Mal fand in diesem Jahr die Merinofleischschaf-Elitebockauktion statt. Im vierten Jahr in Folge war die Landhandels GmbH Glesien Gastgeber für die einzige Versteigerung von Zuchtböcken dieser Rasse. Aufgetrieben wurden diesmal lediglich 23 Elitevererber. Weitere drei Böcke, die die hohen Anforderungen an eine Elite nicht erfüllten, wurden im Rahmen der vor Ort parallel durchgeführten Absatzveranstaltung der Mitteldeutschen Schafzuchtverbände (Berlin-Brandenburg, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen) angeboten, sodass insgesamt 26 Merinofleischschafböcke zum Verkauf standen. An der Elite beteiligten sich sieben Züchter aus drei Landesverbänden.


Durchweg gute Tiere


Mit je drei Züchtern und elf bzw. acht Böcken stellten Sachsen und Sachsen-Anhalt die größten Kontingente. Züchter Joachim Rehse aus Niedersachsen komplettierte das Lot mit vier Eliteböcken.

Von der Qualität her konnten alle Böcke überzeugen. Sie waren durchweg gut bemuskelt und rahmig und hatten ihre Wachstumsveranlagung in der Eigenleistung bis zum 100. Tag mit durchschnittlich 378 g täglicher Zunahme unter Beweis gestellt. 87 % der Vererber wiesen die höchste Scrapie-Resistenzstufe auf. Im Rahmen haben sich die Merinofleischschafe in den letzten Jahren weiter verbessert. Sie bieten damit beste Voraussetzungen für einen guten Fleischansatz und zur Erzeugung von schnellwüchsigen, kompakten Schlachtkörpern. Auch in der Wollfeinheit konnte der diesjährige Jahrgang überzeugen. Objektiv gemessen lag die mittlere Feinheit bei 25,6 µm. Bei der feinwolligsten Fleischschafrasse Deutschlands wird auf die Wollqualität (Stapelschluss, Wollfehler, Ausgeglichenheit) besonderer Wert gelegt, um eine gewisse Wetterhärte der Tiere zu gewährleisten. Bemerkenswert war auch die genetische Breite der aufgetriebenen Böcke trotz der geringen aktiven Zuchtpopulation.

Arno Rudolf, Zuchtleiter des Thüringischen Landesschafzuchtverbandes, und Schäfermeister Martin Winz vom Landesschafzuchtverband Sachsen-Anhalt hatten somit kein leichtes Amt, mussten sie doch beste Böcke, die sich jedoch sehr wohl in der Ausprägung der Einzelmerkmale unterschieden, rangieren. In vier Klassen suchten die beiden Richter am ersten Tag mit sehr viel Akribie die Klassensieger, den Wollsieger und den Gesamtsieger der Veranstaltung, den „Mister Kölsa“, heraus.

Zum Gesamtsieger kürten die beiden Richter mit der Katalognummer 215 aus der Zucht Theinert & Rienecker GbR aus Unterreußen (Sachsen) einen mittelrahmigen, tiefgestellten Bock, der bei guter Bewollung durch seine exzellente Bemuskelung bestach und auch zum Reservefleischsieger gewählt wurde. „Der Bock vereinigt in hervorragender Weise die Vorteile des Merinofleischschafes von Fleischbildungsvermögen und Wolle“, lautete die einhellige Meinung der beiden Juroren.

Zum Reservesieger wurde die Katalognummer 202 aus der Zucht von Wolfgang Hedel, Walbeck (Sachsen-Anhalt), gekürt, ein ausgesprochen schmucker, korrekter Bock mit 130 kg Gewicht. Die weiteren Klassensieger stellten die Theinert & Rienecker GbR (Kat.-Nr. 212) und das sächsische Lehr- und Versuchsgut Köllitsch (Kat.-Nr. 221).

Roland Martinson suchte im Auftrag der Wirtschaftsvereinigung Deutsches Lammfleisch (WDL) den Fleischsiegerbock heraus. Er entschied sich für die Katalognummer 210 aus der Zucht von Joachim Rehse in Bad Bevensen (Niedersachsen). Der Bock wurde mit dem WDL-Pokal und 100 € Ankaufprämie geehrt. Im Sammlungswettbewerb der besten Nachzuchten setzte sich die Kollektion von Wolfgang Hedel, Walbeck, knapp vor der der Theinert & Rienecker GbR, Unterreußen, durch. Für diese besondere züchterische Leistung erhielt Hedel auf dem Züchterabend in Glesien die Goldplakette vom Bundeslandwirtschaftsministerium. Schäfermeister Hubert Bloy von der Theinert & Rienecker GbR wurde für die Zucht des „Mister Kölsa“ mit der Silberplakette des Bundesagrarressorts geehrt.


Zügige Versteigerung


Den Verkauf der Böcke am zweiten Tag wickelte Auktionator Christoph Behling (Brandenburg) in hochprofessioneller Art ab. Von den 22 zum Verkauf stehenden Eliteböcken fanden alle (im Vorjahr 79,4 %) zügig einen Käufer. In der Endabrechnung wurde ein Durchschnittspreis von 934 € pro Bock (Vorjahr: 1.026 €) erzielt. Mit dem Höchstgebot von 1.900 € verließ der Ib-Preisträger der Klasse 2, Kat.-Nr. 207, den Ring. 1.600 € mussten für den Ia-Bock der Klasse 1 und 1.400 € für den Ia-Bock der Klasse 4 angelegt werden. Weitere drei Böcke wurden für 1.000 € zugeschlagen. Der „Mister Bismark“ wechselte für 950 € den Besitzer. Er kommt zukünftig in Sachsen-Anhalt zum Einsatz.

Allein elf Böcke wurden nach Sachsen-Anhalt verkauft. Hier befinden sich dank der Förderung der vom Aussterben bedrohten Nutztierrassen die meisten Merinofleischschafe. Erfreulich ist ferner, dass vier Vererber künftig in Bayern, Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Thüringen zum Einsatz kommen, wo keine oder nur wenige Merinofleischschafe gehalten werden. Damit wurde ein wichtiger Schritt getan, um die Rasse auch für andere Schafhalter attraktiv zu gestalten.

Bei der Mitteldeutschen Bockauktion wurden zwei der drei Böcke für je 500 € zugeschlagen. Somit wechselten in Kölsa insgesamt 24 Merinofleischschafböcke ihren Besitzer. Resümierend ist einzuschätzen, dass sich die Merinofleischschafzucht auf einem guten Weg befindet und die Rasse auch in Zukunft ihren Platz unter den deutschen Fleischschafrassen einnehmen wird. Dr. Hans-Jörg Rösler

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