Ein Magnet für viele Besucher

07.05.2014

Herr Böhm, Sie waren bis 2010 Pressesprecher des Sächsischen Landesbauernverbandes und haben bis 2013 die Pflügermeisterschaften im Freistaat organisiert. Nun werben Sie als Pressesprecher, Webmaster und Schriftführer des Deutschen Pflügerrates e. V. für die Bundesmeisterschaften 2014, die im September in Bad Dürrenberg stattfinden. Hat dieser Austragungsort auch eine Rolle für die Übernahme Ihres neuen Ehrenamtes gespielt, das Sie seit Dezember 2013 bekleiden?
■ Ja, schon. Da für 2014 der Austragungsort mit dem sachsen-anhaltischen Bad Dürrenberg bereits feststand und ich im Vorfeld einen kleinen Anteil daran hatte, kam etwas Ehrgeiz hinzu, die Bundesmeisterschaften hier, im Osten, so besser unterstützen zu können. Es soll eine Pflügermeisterschaft werden, die mit Geschichte schreibt.

 

Sie haben schon Anfang Februar die Redaktionen der BauernZeitung und der anderen landwirtschaftlichen Wochenblätter über die Bundesmeisterschaft 2014 vorinformiert. Warum?
■ Damit man sich in den Bundesländern rechtzeitig darauf vorbereiten kann – seitens der Teilnehmer, Betreuer und auch der Besucher. Der 21. September 2014 kann so schon im Terminkalender blockiert werden. Diese langfristige bundesweite Bekanntgabe fehlte bisher.

 

Warum fiel die Auswahl gerade auf Bad Dürrenberg?
■ 1996 fand erstmals eine Bundespflügermeisterschaft auf ostdeutschen Feldern statt – in Bernburg (Sachsen-Anhalt). 2002 folgte Obergruna (Sachsen), 2006 Wöbbelin (Mecklenburg-Vorpommern). Für 2014 war zwar nicht automatisch wieder ein ostdeutsches Land gefragt, aber es war ein Wunsch.

Zudem holten Leistungspflüger aus der Agrargenossenschaft Bad Dürrenberg in den letzten Jahren stets führende Platzierungen in Sachsen-Anhalt und nahmen an Deutschen Meisterschaften teil. Außerdem wurde in der Agrargenossenschaft schon immer das Pflügen als Bodenbearbeitung, als wichtiger Berufswettbewerb und Traditionspflege hoch gehalten. Brandenburg und Thüringen haben dann für das nächste Jahrzehnt Chancen als Ausrichter.

 

Was wissen Sie über den Bad Dürrenberger Gastgeberbetrieb?
■ Die Agrargenossenschaft bewirtschaftet 4 924 ha landwirtschaftliche Nutzfläche in 36 Gemeinden. Ein leistungsfähiger Getreideanbau sowie 150 ha Kartoffeln samt moderner Lagerhaltung und Vermarktung sowie eine größere Legehennenhaltung sind Standbeine des Unternehmens. Ca. 1 000 Verpächter und 70 Beschäftigte sind ein wesentliches Rückgrat der Genossenschaft. Vorstandsvorsitzender Bernd Ullrich und sein Team „brennen“ für die Meisterschaft und werden ihr Bestes geben.



Dr. Manfred Böhm, ehemaliger Pressesprecher
des Sächsischen Landesbauernverbandes e. V. (SLB),
ist jetzt ehrenamtlicher Pressesprecher beim
Deutschen Pflügerrat e. V.


Können Sie kurz einiges zu den Bundesmeisterschaften sagen?
■ Sie finden alle zwei Jahre für die Kategorien Beet- und Drehpflügen statt. Aus jedem Bundesland können je zwei Beet- bzw. Drehpflüger am Bundesentscheid teilnehmen. Jeder Teilnehmer startet in nur einer der beiden Disziplinen. Für den Umgang mit dem Bodenbearbeitungsgerät ist ein großes Fachwissen nötig. Daher gehört zum Wettbewerb eine Klausur, bei der Fragen über agrarwirtschaftliche und soziale Zusammenhänge, Allgemeinwissen, Bodenkunde, Bodenbearbeitung und Pflanzenbau zu beantworten sind. Das Ergebnis der Klausur geht mit 10 von 110 Punkten in die Gesamtbewertung ein.

Die Bundesländer nominieren die Leistungspflüger, den Landesbetreuer und ein bis zwei Schiedsrichter. Vorangegangene Landesmeisterschaften sind in der Regel Grundlage dafür. Im Ausnahmefall können es allerdings auch Regionalmeisterschaften sein.

Nicht alle Bundesländer führen noch Landesentscheide durch?
■ Ja, leider. Besonders seit sich die Landwirtschaftsämter aus der Organisation des Berufswettbewerbes – weil keine Pflichtaufgabe mehr – verabschiedet haben. Das haben Pflügervereine bzw. Landesbauernverbände leider nicht rechtzeitig aufgefangen. Und es ist eine Erfahrung, dass nach dem Ausfall von zwei oder drei Landesausscheiden die Organisation kaum bzw. nur schwer wieder zu aktivieren ist. Das muss uns eine Lehre sein. Denn man stelle sich vor, eine Landwirtschaft ohne Pflügen und ohne Berufswettbewerbe im Leistungspflügen auf Regional- und Landesebene. Da sträuben sich nicht nur mir die Nackenhaare. Nicht nur Teile der landwirtschaftlichen Praxis und der Wissenschaft sprechen davon, dass das Pflügen nicht nur seinen Platz hatte, sondern weiterhin haben wird. Pflughersteller verzeichnen übrigens wieder steigende Absatzzahlen.

Was können Sie zum Programm der Meisterschaft sagen?
■ Für die Leistungspflüger geht es bereits am 18. September los mit der Anreise und einem Abendempfang. Am Freitag gibt es ein Exkursionsprogramm, am Samstag ist Training und am Sonntag (21. September) der Wettkampf.

Zudem wird es eine Pferdepflügermeisterschaft, eine Präsentation moderner und historischer Landtechnik sowie von Vereinen geben. Hauptsache ist aber das Pflügen. Das Ganze verspricht ein großer Besuchermagnet für viele Landwirte und Auszubildende aus dem gesamten Bundesgebiet zu werden.

Man kann so mehr zur ostdeutschen Landwirtschaft sehen und erfahren. Die zentrale Lage von Bad Dürrenberg wird neben Besuchern aus den Dörfern und vielen ehemaligen Bauern auch die Bevölkerung von Städten wie Halle, Weißenfels und Leipzig zum Kommen animieren.

Das Bundespflügen wird ein Schaufenster des Berufswettbewerbs, der bäuerlichen Traditions- und Brauchtumspflege sowie der Landwirtschaft Sachsen-Anhalts. Die Vorbereitungen sollten in allen Bundesländern genutzt werden, um das Leistungspflügen wieder zu beleben.

Trauen Sie sich eine Prognose für die Platzierungen zu?
■ Das ist schwer vorherzusagen. Die Südländer sind traditionell sehr stark. Aber auch ostdeutsche Pflüger haben gute Chancen. Entscheidend dafür ist auch ein qualifiziertes Training unter Anleitung erfahrener Betreuer, die jedes Bundesland hat. Kommen, sehen und siegen – so funktioniert es nicht. Und ich hoffe, die Landesagrarministerien unterstützen mindestens finanziell den An- und Rücktransport von Traktor und Pflug.
 
Wie können unsere Leser in den nächsten Monaten mehr vom Leistungspflügen erfahren?
■ Einfach in die BauernZeitung schauen und auf die Homepage des Deutschen Pflügerrates unter http://www.pfluegerrat.de.

Die Fragen stellte Detlef Finger

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