Dürre: Voraussetzung für Hilfen ist gegeben

04.09.2018

© Sabine Rübensaat

Landwirtschaftsministerin Claudia Dalbert hat dem Kabinett in Magdeburg die vorläufigen 2018er-Ernteergebnisse für das Land vorgestellt. Sie sagte, „Sachsen-Anhalt ist vielerorts sehr stark von der Dürre betroffen“.  63 % der agraren Flächen hätten Schäden, die deutlich über 30 % des mehrjährigen Durchschnittsertrages lägen. Sie habe das Kabinett deshalb gebeten, „die Dürre als ein mit einer Naturkatastrophe gleichgestelltes widriges Witterungsverhältnis festzustellen“. Damit sei die Voraussetzung für Hilfen geschaffen. „Der einzelne Betrieb muss selbstverständlich seine Betroffenheit nachweisen“, so Dalbert. Außerdem könnten die Landwirte damit auf die Naturkatastrophe verweisen, wenn sie aufgrund der Dürre ihren Vertragsverpflichtungen nicht nachkommen können.

 

Fokus auf Futterbau

 

Neben den Ertragseinbußen im Ackerbau stünden die Verluste im Futterbau im Fokus. „Besonders kritisch ist die Situation beim Grünland und Feldfutter in den Betrieben mit Rinder- und Schafhaltung. Hier ist die Grundfutterversorgung mit Raufutter weggebrochen“, sagte die Ministerin. Die in hohem Maße betroffenen Futterbaubetriebe mit Ausrichtung auf Milchvieh-, Mutterkuh- und Schafhaltung wirtschafteten schwerpunktmäßig auf den schwächeren Standorten. Der erste Schnitt habe bereits Ertragseinbußen von 40 bis 50 % erbracht, der zweite und dritte Schnitt seien vertrocknet. Derzeit würden die Tiere aufgrund des fehlenden Aufwuchses und wegen der Gefahr der Schädigung der Grasnarbe durch Überweidung von den Weiden in die Ställe geholt und die Fütterung auf die Winterration, also Silage und Stroh, umgestellt.

 

Land stark betroffen

 

Laut der vom Bundesagrarministerium in der Vorwoche veröffentlichten amtlichen Erntebilanz auf Basis der Besonderen Ernte- und Qualitätsermittlung sind die Ertragseinbußen beim Getreide in Sachsen-Anhalt mit 25,6 % gegenüber dem Mittel der Jahre 2015 bis 2017 bundesweit mit am höchsten. Der Rückgang der Getreideernte fällt hierzulande mit 27,9 % sehr stark aus. Auch beim Raps sind die Ertragseinbußen mit mehr als einem Fünftel besonders hoch.

 

Bundesagrarministerin Julia Klöckner hatte ein Bund-Länder-Hilfsprogramm in Höhe von rund 340 Mio. € für existenzbedrohte landwirtschaftliche Betriebe vorgeschlagen. Dafür werden vom Bund etwa 150 bis 170 Mio. € zur Verfügung gestellt und die Mittel durch die Länder verdoppelt.

 

Sachsen-Anhalts Finanzminister André Schröder hatte Anfang August 15 Mio. € Landesmittel an Hilfen in Aussicht gestellt.

 

Der Bauernbund bekräftigte unterdessen seine Forderung nach schneller, unbürokratischer Hilfe. Er begrüßte die Fokussierung auf die einzelbetriebliche Betroffenheit, weil selbst in einer Region ­erhebliche Differenzen bei den ­Ertragsausfällen zu verzeichnen seien. 

 

Schaden ist viel höher

 

Der vom Bund auf deutschlandweit 680 Mio. € bezifferte Scha­densbetrag sei allerdings „viel zu gering“. Es sei bedauerlich, dass im Vorfeld der Betroffenheitsanalyse keine bundesweit einzelbetriebliche Abfrage stattgefunden habe. Bei der Erarbeitung des Kriterienkataloges zur Prüfung der Existenzgefährdung müssten sich Verwaltung und Politik des Sachverstandes des Berufsstandes bedienen.

 

Der agrarpolitische Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, Guido Heuer, sieht die Zusage finanzieller Unterstützung durch den Bund als ein positives Signal. Das Hilfsprogramm müsse zeitnah und einheitlich in den einzelnen Bundesländern ausgeschüttet werden.

 

Der Agrarsprecher der AfD im Landtag, Hannes Loth, begrüßte das Bund-Länder-Hilfsprogramm ebenfalls. Das Ministerium müsse jetzt unverzüglich auszahlen und zudem weitere Maßnahmen prüfen, etwa die vorzeitige Auszahlung der EU-Direktzahlungen. Er könne allerdings nicht verstehen, so Loth, warum Ministerin Dalbert nicht schon früher mit Landesmitteln aktiv geworden sei, um die Landwirte  zu unterstützen.

 

In Sachsen-Anhalt herrscht in den überwiegenden Regionen seit April andauernde Trockenheit. Das an zehn Messstationen im Land ermittelte stationsbezogene Niederschlagsdefizit betrug laut Agrarministerium 124 mm bzw. zwei Monatsniederschläge.

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