Bierwürze von Elbe und Saale

04.08.2014

© Detlef Finger

Die Hopfenanbau GbR in Prosigk ist mit 132,5 ha Hopfenfläche größter Einzelerzeuger im Elbe-Saale-Gebiet und in ganz Deutschland.

Der Hopfenpflanzerverband Elbe-Saale hatte zum 12. Elbe-Saale-Hopfentag nach Prosigk im Landkreis Anhalt-Bitterfeld eingeladen. Gastgeber der im zweijährigen Turnus reihum in Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen stattfindenden Veranstaltung war die Hopfenanbau Regner GbR. Der 1991 von Alfred Regner in Baasdorf gegründete und seit 2007 als GbR zusammen mit Sohn Markus geführte Familienbetrieb mit Produktionszentrum in Prosigk ist mit 132,5 ha Hopfenfläche der bundesweit größte Einzelerzeuger dieser Bierzutat.

Die Region Elbe-Saale ist mit 1 265 ha Hopfen in 29 Betrieben nach der Hallertau (Bayern, 14 467 ha, 966 Betriebe) das zweitgrößte Anbaugebiet in Deutschland, vor Tettnang (Baden-Württemberg, 1 209 ha, 140 Betriebe) und Spalt (Bayern, 348 ha, 55 Betriebe). Hallertau und Tettnang bilden das größte zusammenhängende Hopfenanbaugebiet der Welt. Bundesweit steht Hopfen in diesem Jahr in 1 192 Betrieben auf 17 308 ha, also auf etwa einem Prozent der deutschen landwirtschaftlichen Nutzfläche.

Der Anbau in Mitteldeutschland kann auf eine tausendjährige Tradition zurückblicken. Hopfen wird hier heute in Sachsen-Anhalt in neun Betrieben auf 557 ha sowie in jeweils zehn Betrieben in Sachsen auf 365 ha und in Thüringen auf 343 ha produziert. Mit einer durchschnittlichen Hopfenfläche von fast 44 ha je Betrieb heben sich die hiesigen Strukturen von denen in Süddeutschland ab.

Typisch für die Elbe-Saale-Region sind die weiträumigen Hopfenanlagen mit sieben bis acht Meter hohen Spannbetonmasten und drei Meter breiten Reihenabständen, die einen hohen Mechanisierungsgrad ermöglichen. Etwa 75 % der Flächen können bewässert werden. Schwerpunkt ist der Anbau von Bitterhopfen; wichtigste Sorte ist Hallertauer Magnum (737 ha) vor Herkules (115 ha) und Northern Brewer (96 ha). Anbaubedeutung haben ferner die Aromahopfensorte Perle (136 ha) und die Flavour-Hopfensorten Polaris und Mandarina (6 ha). Der mittlere jährliche Ertrag je Hektar liegt bei etwa 40 Zentner. In Sachsen-Anhalt zum Beispiel werden insgesamt pro Jahr über 1 000 Tonnen Hopfen geerntet.

Die drei mitteldeutschen Länder arbeiten beim Hopfen sehr eng zusammen. Historisch gewachsen, liegt die fachtechnische Betreuung des Anbaugebietes (Forschung, Beratung, Öffentlichkeitsarbeit, Qualitätskontrolle etc.) in Absprache mit den Agrarministerien in Magdeburg, Dresden und Erfurt federführend bei der Thüringer Landesanstalt für Landwirtschaft.

Eine enge Kooperation besteht zum Institut für Pflanzenbau und -züchtung der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft in Wolnzach. Die Züchtung neuer Sorten erfolgt ausschließlich in Hüll in der Hallertau, dem weltweit größten Hopfenforschungszentrum.

Zum Hopfentag 2014 konnten die Gastgeber, Familie Regner, und der Vorsitzende des im Jahr 2001 nach der Verschmelzung der Hopfenverwertungsgenossenschaften (HVG) Hallertau und Elbe-Saale gegründeten regionalen Hopfenplanzerverbandes Elbe-Saale, Emil Berthold, geschätzte 250 bis 300 Gäste in Prosigk begrüßen. Sachsen-Anhalts Agrarminister Dr. Hermann Onko Aeikens kam neben seiner Grußansprache als Schirmherr die schöne Aufgabe zu, gemeinsam mit dem Präsidenten des Verbandes Deutscher Hopfenpflanzer (VDH), Dr. Johann Pichlmaier, die neue, nunmehr fünfte Hopfenkönigin des Anbaugebietes zu krönen. Die Nachfolge der mit großem Dank verabschiedeten Franziska Günther trat Jana Miertsch an. Die Tochter von Gastgeber Alfred Regner, von Kindesbeinen an mit dem Hopfenanbau vertraut, wird das Amt bis zum 13. Hopfentag im Jahr 2016 bekleiden, der auf einem Thüringer Betrieb stattfindet.

Nachdem auch der Ortsbürgermeister und Vorsitzende des Bauernverbandes Anhalt, Olaf Feuerborn, einige Worte an die Berufskollegen gerichtet hatte, stellte Alfred Regner den Betrieb  seiner Familie in Wort und Bild vor. Es folgten Vorträge von Michael Schölzel, Geschäftsführer der Köthener Brauerei GmbH, deren Biere zum Hopfentag zum Ausschank kamen, sowie von Peter Hintermeier, Firma Joh. Barth & Sohn GmbH & Co. KG, Nürnberg, sowie von VDH-Präsident Pichlmaier und VDH-Geschäftsführer Otmar Weingarten zur Bedeutung, Wettbewerbsfähigkeit und Zukunft des Hopfenanbaugebietes Elbe-Saale sowie zur Verleihung des Qualitätssiegels „Geschützte geografische Angabe“ für Elbe-Saale-Hopfen durch die EU (siehe auch Ausgabe 29, S. 15) samt dessen Bedeutung für die künftige Vermarktung des Hopfens.

Im Anschluss wurde mit dem Beistand von zwei Vertretern der Kirche in Prosigk ein bayerisches Wegekreuz als Zeichen der Verbundenheit der Hopfenbaugebiete eingeweiht. Zudem blieb Zeit für Betriebsbesichtigungen und den fachlichen Austausch.

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