Bauernverband Jerichower Land: Neuer Vorsitzender

21.02.2014

© LBV

Den neuen Vorstand des Bauernverbandes Jerichower Land bilden Björn Nordmeyer, Jörg Schulze-Wext, Karl-Heinz Jäger, Matthias Wölk und Hinrich Löwe (v. l.) sowie Sören Rawolle (nicht auf dem Foto).

Björn Nordmeyer ist neuer Vorsitzender des Bauernverbandes (BV) Jerichower Land. Der private Landwirt aus Dalchau wurde auf dem Kreisbauerntag am vorigen Freitag in Genthin von den anwesenden gut 50 Mitgliedern erneut in den Vorstand gewählt. Dieser berief den 42-Jährigen an seine Spitze. Der Diplomagraringenieur folgt im Amt des Vereinschefs auf Edmund Herrmann (60). Der landwirtschaftliche Berater aus Burg will sich künftig wieder allein auf die Verbandsgeschäftsführung konzentrieren. Dem neugewählten sechsköpfigen Führungsgremium gehören ferner Jörg Schulze-Wext (38, Geschäftsführer der S & W Agrar GmbH Bergzow), Karl-Heinz Jäger (60, Geschäftsführer der Agrarwirtschaftsbetrieb Demsin GmbH), Matthias Wölk (40, Geschäftsführer der Agrar GmbH Gerwisch & Co. KG), Hinrich Löwe (44, Gesellschafter der Gut Hohenziatz GbR) sowie Sören Rawolle (41, Vorstandsvorsitzender der Agrargenossenschaft eG Tucheim) an.

Der scheidende Vorsitzende zeichnete in seinem Bericht die positive Entwicklung des 1994 gegründeten Vereins auf, der Mitte Juni sein 20-jähriges Bestehen feiert. Der Verband zählt aktuell 81 Mitglieder, darunter sind 14 Einzelunternehmen im Haupt- und fünf im Nebenerwerb, neun GbR, 13 Agrargenossenschaften, 22 Agrar GmbH bzw. GmbH & Co. KG sowie neun mit der Landwirtschaft verbundene Unternehmen. 49 dieser Betriebe halten Vieh, 28 bilden Lehrlinge aus. Die Mitglieder bewirtschaften 42 200 ha Fläche, das ist gut die Hälfte der LN des Jerichower Landes. In den Altkreisen Burg und Genthin sind es sogar 65 %.

Herrmann ging auch auf die vorjährigen Wettereskapaden und das Hochwasser ein, durch das auf rund 750 ha Acker- und 1 300 ha Grünland in etwa 35 Betrieben im Kreisgebiet ein Gesamtschaden von geschätzt fast einer Million Euro entstand. Fast 1 000 Rinder und ebenso viele Schafe mussten umgesetzt werden. Allen Helfern und hilfsbereiten Berufskollegen sprach er einen besonderen Dank aus. Die Schorlemer Stiftung des Deutschen Bauernverbandes (DBV) hat 19 dieser Betriebe mit 75 000 € unterstützt, die Abwicklung der staatlichen Entschädigungszahlungen läuft.

Herrmann appellierte ferner an die Landwirte, sich bei den im Mai anstehenden Kommunalwahlen aktiv einzubringen. Im Jerichower Land wird der Berufsstand dies in der Ende der 1990er Jahre unter dem Dach des Bauernverbandes gegründeten Ländlichen Wählergemeinschaft tun. Ein besonderer Dank für sein unermüdliches Engagement als langjähriges Kreistagsmitglied galt hierbei Helmer Rawolle (68). Der frühere Vorsitzende der Agrargenossenschaft Tucheim rief die jüngeren Kollegen ebenfalls auf, sich als Kandidaten für die Gemeinde- und Kreisparlamente aufstellen zu lassen. Dies sei „eine Investition in die Zukunft“.

Die ökonomische Basis in den Betrieben schätzte Edmund Herrmann als „solide“ ein. Kritisch sieht er die politischen Weichenstellungen durch Brüssel: „Der politische Koloss EU ist oftmals mehr Unsicherheitsfaktor denn Garant für verlässliche Rahmenbedingungen.“ Herrmann konnte konstatieren, dass dem Rückgang der Viehbestände im Kreis Einhalt geboten werden konnte. Einige Mitgliedsbetriebe hätten hier erheblich investiert, so z. B. die Lübars Agrar GmbH und die Tucheimer Agrargenossenschaft in die Milchviehhaltung.

Scharf ins Gericht ging der Verbandschef mit der Verunglimpfung der landwirtschaftlichen Produktion und vor allem  der Tierhaltung, die teilweise in einer „perversen Hetze“ gipfele. Seiner Ansicht nach fehle es der Politik in Deutschland an einem Leitbild für die Landwirtschaft.

Als Erfolg einer konstruktiven Zusammenarbeit von Verband und zuständigen Behörden im Jerichower Land konnte Herrmann vermelden, dass es der wohl einzigste Landkreis hierzulande sei, der seine landwirtschaftlichen Betriebe mit Wasserrechten ausgestattet hat. 65 Unternehmen verfügten über 207 wasserrechtliche Erlaubnisse für rund 1,8 Mio. m3 Wasser, etwa für Beregnung, Viehtränke oder Pflanzenschutz. Er erinnerte die Landwirte daran, ihre ordnungsgemäßen Meldungen  über die verbrauchten Mengen bis zum 31. März einzureichen.

Mit Blick auf die zunehmende Ausweisung von Naturschutzgebieten mahnte Herrmann abschließend, dies nicht ausufern zu lassen. Die Sicherung der langfristigen Nutzung der Flächen sei schließlich eine existenzielle Voraussetzung für die Betriebe der Landwirtschaft.

Einen interessanten Vortrag zum Thema „Grundstückverkehrsgesetz und dessen Handhabung“ hielt Dr. Winfried Sonderhoff, Abteilungsleiter Landwirtschaft in der Salzwedeler Außenstelle des Amtes für Landwirtschaft, Flurneuordnung und Forsten Altmark, auf dem Bauerntag. Landrat Lothar Finzelberg informierte in seinem Grußwort u. a. über die Ergebnisse der Prüfung von Kauf- und Pachtverträgen im Jerichower Land. Der Geschäftsführer des Maschinenrings Elb-Havel-Winkel, Christoph Albrecht, forderte eine finanzielle Nachregulierung der Fluthilfen für von Deichbrüchen betroffene Landwirtschaftsbetriebe.

Lothar Koch, Geschäftsführer des Unterhaltungsverbandes Stremme/Fiener Bruch, verwies auf künftig steigende Kosten durch die Abstufung von Gewässern erster Ordnung. Otto Müller bedankte sich im Namen der zahlreich anwesenden Landsenioren für die gute Unterstützung durch den Regionalbauernverband und warb wie der Berufsverband auch um neue Mitglieder. Der Präsident des Bauernverbandes Sachsen-Anhalt, Frank Zedler, schrieb den Landsenioren als ehemals aktiven Landwirten eine wichtige Rolle als Multiplikatoren für die Öffentlichkeitsarbeit des Berufsstandes zu. Er warb zugleich für eine rege Beteiligung der Betriebe am Tag des offenen Hofes. Zedler rief die Landwirte ebenfalls auf, sich bei den Kommunalwahlen aktiv einzubringen und selber wählen zu gehen.

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