Bauerntag des Bauernverbandes Börde

24.03.2014

© BV, Bettina Koch

Die Ehrung für das Unternehmen Agro Bördegrün GmbH & Co. KG nahmen Ausbilder Stephan Randel (2. v. l.) und Geschäftsführer Ronald Westphal (2. v. r.). entgegen. Es gratulierten Landesbauernverbandspräsident Frank Zedler (l.) sowie der langjährige Vorsitzende des Bauernverbandes Börde, Hans-Joachim Kraus.

Auf dem Bodenmarkt spielen die Preise verrückt, vom Hochwasser haben sich viele Betriebe noch nicht erholt und die Umschichtungen der Direktbeihilfen im Zuge der Agrarreform reißen Löcher in die Budgets vieler Betriebe – dennoch: Der Pessimismus hielt sich auf dem Verbandstag des Bauernverbandes Börde in Niederndodeleben in Grenzen. DBV-Präsident Joachim Rukwied erwartet, dass sich die Landwirtschaft in den nächsten 20 Jahren positiv entwickeln wird, und Agrarminister Dr. Hermann Onko Aeikens blickt mit Augenzwinkern auf das Hauptproblem der sachsen-anhaltischen Landwirtschaft: „Wir haben zu wenig Börde.“

Keine Flächenstillegung

Beide machten jedoch ihrem Ärger darüber Luft, dass die Agrarreform nach den mühsam errungenen Kompromissen zur nationalen Umsetzung noch immer nicht in trockenen ­Tüchern ist. So sei die Gefahr der Zwangsflächenstilllegungen noch nicht ausgestanden. Und mit der Novelle der Düngeverordnung drohten weitere Restriktionen.

„Wir müssen mit weniger Fläche deutlich mehr Lebensmittel erzeugen. Fläche aus der Produktion zu nehmen ist daher nicht mehr zeitgemäß“, betonte Landesbauernpräsident Frank Zedler. Hans-Joachim Kraus, der seinen letzten Bericht als Verbandsvorsitzender vortrug, wandte sich in diesem Zusammenhang auch gegen unnötigen Flächenentzug für Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen. Dafür sollten vorrangig Hochwassergebiete herangezogen werden, so seine Forderung an die Landesregierung. Landwirten, denen Flächen für den Hochwasserschutz entzogen würden, sollten Tauschflächen angeboten werden, um die Lasten auf breitere Schultern zu verteilen.

Um Preisdruck vom Bodenmarkt zu nehmen, fordert der Verband von Landgesellschaft und BVVG, landwirtschaftliche Flächen vorwiegend über Direktverkäufe und beschränkte Ausschreibungen zu privatisieren und langfristige Pachtverträge abzuschließen.

Mehrkosten für Milch

Manfred Wesche, Vorsitzender der Agrargenossenschaft Etingen, kritisierte die Wettbewerbsverzerrung durch die veränderten Direktzahlungen. Sein Betrieb bewirtschaftet mit zwölf Arbeitskräften 1 100 Hektar Land und erzeugt mit 350 Kühen 3,4 Mio. Liter Milch im Jahr. „Wir bekommen 30 % weniger Geld, das sind pro Jahr 130 000 Euro oder auf die Milch umgerechnet vier Cent je Liter. Der Zuschuss für die ersten 46 Hektar bedeutet dagegen für kleine Betriebe einen Cent je Liter mehr, das ergibt für uns einen Nachteil von fünf Cent pro Liter“, rechnete er vor.

Wesche wäre es lieber, wenn die Priorität auf der Wirtschaft läge statt auf Beihilfen, die auf politischen Entscheidungen fußen. Ohne Förderung müsste der Erzeugerpreis für den Liter Milch derzeit eher bei etwa 50 statt 40 Cent pro Liter liegen. Rukwied warnte davor, etwas aufzugeben, ohne zu wissen, „ob und was wir anderes dafür bekommen“. Der Applaus im Saal war auf seiner Seite.

Bodo Baron von Schilling hat andere Sorgen. Er betreibt in Groß Bartensleben eine Imkerei und Schäferei, und die Wölfe ziehen in der Region immer engere Kreise: „Wir rechnen damit, dass sie im nächsten Jahr bei uns sind“, sagte er. Wenn die Nähe von Wölfen Unruhe in der Herde erzeugt, könnten Schafe verlammen. Oder es passieren Unfälle, weil Schafe in Panik ausbrechen, befürchtet er. „Die Gesellschaft will den Wolf, also muss das geklärt werden.“

Aktiv bei Ausbildung

Der Gastgeber des Bauerntages Börde, die Agro Bördegrün GmbH & Co. KG, Niederndodeleben, wurde als bester Ausbildungsbetrieb der Region geehrt. Ronald Westphal, geschäftsführender Gesellschafter, und Ausbilder Stephan Randel nahmen die Auszeichnung entgegen.

Das Unternehmen bilde seit 1992 kontinuierlich Lehrlinge aus, beteilige sich aktiv an Bildungsmessen, organisiere Informationstage, ermögliche Ferienarbeit und Praktika, um junge Leute für grüne Berufe zu interessieren, hieß es zur Begründung. Agro Bördegrün arbeite zudem eng mit der Agentur für Arbeit zusammen und unterstütze Berufswettbewerbe.

„Wer gute Leistungen bringt und Motivation zeigt, hat bei uns gute Chancen, übernommen zu werden“, betonte Westphal. Im Schnitt bleibe jeder Dritte nach der Lehre im Betrieb. Zurzeit bildet Agro Bördegrün sechs Fachkräfte für Agrarservice und fünf Mechaniker für Land- und Baumaschinentechnik aus. Für das nächste Ausbildungsjahr wurden mit vier jungen Leuten neue Verträge abgeschlossen.

Umfrage: Ferkelkastration



Wie steht es um den Wissens- und Qualifikationsbedarf bezogen auf Alternativen zur betäubungslosen Ferkelkastration?

Zur Umfrage

ANZEIGE

ANZEIGE

ANZEIGE

Diese Webseite verwendet Cookies. Wenn Sie durch unsere Seiten surfen, erklären Sie sich mit unseren Nutzungsbedingungen einverstanden.

Erfahren Sie mehr