Apfelernte: Erträge top, Preise im Keller

18.09.2014

© Detlef Finger

Eine Apfeltorte schnitten Agrarminister Dr. Hermann Onko Aeikens, die Sächsische Blütenkönigin, Cathrin I., Obstbauverbandschef Gerd Kalbitz sowie die Bürgermeisterin der Gemeinde Salzatal, Juliane Sperling-Lippmann, und der Geschäftsführer der Obstproduktion Höhnstedt GmbH, Alexander Ehm (v. l.), in Höhnstedt zum Start in die Apfelpflücksaison an.

Sachsen-Anhalts Obstbauern erwarten eine Apfelernte mit hohen Erträgen und besten Qualitäten. Ihre Freude darüber trübt allerdings der mengenbedingte Preisverfall, der durch den von Russland verfügten Importstopp für Obst und Gemüse aus der EU noch dramatisch verschärft wird.

„Die Preise sind auf einem absoluten Tiefstand“, musste Gerd Kalbitz, Vorsitzender des Landesverbandes „Sächsisches Obst“ e. V., der seit zweieinhalb Jahren auch die Interessen der sachsen-anhaltischen Obstbaubetriebe vertritt, am Freitag voriger Woche in der Obstproduktion Höhnstedt GmbH konstatieren. Das Unternehmen im Saalekreis war Gastgeber der Auftaktveranstaltung des Verbandes zur Apfelernte im Land.

Kalbitz zufolge steht in Deutschland mit etwa 1,1 Mio. t eine der größten Apfelernten der vergangenen 15 Jahre ins Haus, die um etwa 29 % über der von 2013 liegen werde. Europaweit könnte es mit über 12 Mio. t (+1 Mio. t bzw. +9 % zu 2013) sogar die größte Ernte werden.

Eine Rekordmenge werde in Osteuropa erwartet und auch in Südeuropa seien die Erwartungen hoch. Polen als größter europäischer Apfelproduzent rechne mit einer Ernte von gut 3,5 Mio. t, Italien mit einer Rekordmenge von 2,4 Mio. t Äpfel. Davon gingen jährlich etwa 700 000 t bzw. 500 000 bis 600 000 t nach Russland. Durch den Importstopp müssten diese Riesenmengen anderweitig vermarktet bzw. verwertet werden.

In Sachsen-Anhalt ist nach Einschätzung von Philipp Moser, Vorsitzender der Fachgruppe Sachsen-Anhalt im länder­übergreifenden Obstbauverband, allein in den Mitgliedsbetrieben, die etwa 80 % der hiesigen Produzenten ausmachen, ist mit einer Apfelernte von 18 000 t  zu rechnen (+6 % zu 2013). Obgleich der Anteil der Erzeugung hierzulande an der deutschen Jahresproduktion gegenüber dem Vorjahr leicht auf 1,7 % gesunken sei und gemessen an der europäischen Produktion lediglich 0,15 % ausmache, träfen die Probleme die Obstbauern in Sachsen-Anhalt nicht minder.

Zusätzlich erschwert werde die Situation durch die hohen Vorräte aus dem Vorjahr, den frühen Erntebeginn, hohe Bestände an Apfelsaft und -konzentrat sowie den Rückgang beim Apfelkonsum, ergänzte Gerd Kalbitz. In den Haus- und Kleingärten der Selbstversorger stünden ebenfalls gute Ernten an. Der Verbandschef appellierte an die Bürger, sich beim Kauf von Obst für heimische Ware zu entscheiden. Der derzeit bei Äpfeln erreichte Anteil von 65 % lasse „noch Luft nach oben“. Ebenso sollte der LEH zu seinem Wunsch nach „mehr Regionalität im Obstregal“ stehen.

Agrarminister Dr. Hermann Onko Aeikens sieht hier ebenfalls Potenzial, zumal importiertes Obst oft „längst nicht so gut schmeckt wie die heimischen Früchte“. Auch habe die regionale Erzeugung einen Umweltaspekt. Aeikens verwies darauf, dass das Land im Rahmen seiner Möglichkeiten dazu beitrage, den Absatz anzukurbeln, etwa über das Schulobstprogramm, an dem sich Sachsen-Anhalt von Anfang an beteilige, oder die Förderung von Marketingaktivitäten bzw. Investitionen von Erzeugerorganisationen im Vermarktungsbereich.

Aeikens kündigte ferner an, dass sich die Agrarministerkonferenz mit den von der EU-Kommission vorgesehenen Sonderstützungsmaßnahmen für Obst- und Gemüseerzeuger zur Abmilderung der Marktstörungen infolge des russischen Embargos beschäftigen werde. Das Programm, dessen Mittelrahmen schon kurz nach Auflage durch das enorme Antragsvolumen gesprengt worden war, sei inzwischen „auf Eis gelegt“. Der Minister hofft nun auf eine kurzfristige Entscheidung Brüssels im Interesse der Erzeuger. Aeikens stellte klar, dass die Agrarminister von einer Vernichtung von Ware wegen des Imageschadens absehen und stattdessen die Suche nach Wegen zur alternativen Verwertung präferieren.

Alexander Ehm, der seit 2012 die Geschäfte der Obstproduktion Höhnstedt GmbH gemeinsam mit Bruder Andreas führt, stellte dann den Betrieb vor, ehe die Sächsische Blütenkönigin, Cathrin Petermann, Interessantes über das Kernobst darbot.

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