Agrarumwelt- und Klimamaßnahmen: Erste Eckwerte

25.03.2014

© Bettina Koch

Auch Streifen mit einjährigen blühenden Pflanzen sollen künftig gefördert werden, wenn diese Blühstreifen auf dem Acker „wandern“.

Für Agrarumwelt- und Klimamaßnahmen, ökologischen Landbau, genetische Ressourcen, Ausgleichszulage für benachteiligte Gebiete und Natura-2000-Ausgleich stehen im Rahmen des Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums (ELER) in Sachsen-Anhalt in der neuen Förderperiode bis 2020 voraussichtlich 267 Mio. € zur Verfügung, einschließlich der aus der Ersten Säule umgeschichteten gut 81 Mio. €. Von welchen Neuerungen die landwirtschaftlichen Wildhalter profitieren könnten, darüber informierte Jörg Fenchel, Referatsleiter im Ministerium für Landwirtschaft und Umwelt, unlängst auf der ersten Mitgliederversammlung des Landwirtschaftlichen Wildgehegeverbandes Sachsen-Anhalt in Magdeburg-Rothensee.

Anlage von Feldhecken ist erwünscht

rund der zeitlichen Verzögerung bei der Neuordnung der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) in Europa auf der politischen Ebene, greifen die Neuerungen der Agrarreform nur allmählich. Alte Programme müssen erst einmal weiterlaufen, andere werden ab 2015 wirksam, an einigen Maßnahmen wird wohl noch länger gefeilt.

So soll unter anderem das Anlegen neuer Hecken finanziell unterstützt werden. Über die Höhe werde noch verhandelt, sagte Fenchel. „Wir versuchen, Pauschalen nach Länge und Breite hinzubekommen und den Kontrollaufwand zu minimieren.“ Eine gewisse Anwuchspflege werde vorausgesetzt. Dafür seien 4 Mio. € vorgesehen.

Auf Nachfrage von Verbandsmitgliedern bestätigte Fenchel, dass über den Umgang mit Pappeln nachgedacht werde. Diese entzögen dem Boden viel Wasser und könnten so die Entwicklung neu angepflanzter Sträucher behindern. Teils sei auch aus Naturschutzsicht ein Umbau der Pappelreihen zu Feldhecken durchaus erwünscht.

Landschaftspflege mit Damwild

Den Landschaftspflegeaspekt mit Damwild zu berücksichtigen, diesen Wunsch gaben die Wildhalter Jörg Fenchel mit auf den Weg ins Ministerium. Für die Beweidung von Dauergrünland mit Schafen und Ziegen würden 280 €/ha gezahlt. Damwild pflege die Flächen nicht schlechter, so die Position der Verbandsmitglieder.

Für Wildhalter, die auch Landwirte sind, könnte unter anderem der veränderte Umgang mit Blühstreifen interessant sein, referierte Fenchel. Neben Blühstreifen, die auf fünf Jahre angelegt sind, soll es nun auch möglich sein, Saatgut einjähriger Pflanzen auszubringen und Blühstreifen auf dem Feld „wandern“ zu lassen. Hierfür würden dann 600 €/ha statt 750 €/ha gezahlt, weil das Saatgut kostengünstiger sei.

„Blühstreifen haben einen erheblichen ökologischen Nutzen“, betonte Fenchel. Wer Schonstreifen (ohne Düngung und Pflanzenschutz) anlegt, erhalte ebenfalls 600 €/ha. Das Geld soll dafür entschädigen, dass sich Ackerbauern ein Unkrautpotenzial ins Feld holen.

Kein Geld mehr für Mulchsaat

Nicht mehr gefördert werde die Mulchsaat. „Die ist jetzt Stand der Technik, die Landwirte kennen und nutzen die Vorteile“, erläuterte Fenchel. Stattdessen gebe es nun auf erosionsgefährdeten Standorten Geld für Direktsaat- und Direktpflanzverfahren. Der Ackerboden darf allenfalls streifenweise bearbeitet werden. Geschlegelte Rückstände können als Mulch zwischen den Streifen abgelegt werden. Auf dem Grünland soll auf Einzelflächen der Verzicht auf Dünge- und Pflanzenschutzmittel weiterhin mit 150 €/ha belohnt werden, für die extensive Grünlandmaßnahme „Ausschluss der intensiven Portionsweide/Absenkung der Beweidungsdichte“, die zum Beispiel bei einer Dauerstandweide gegeben ist, sollen voraussichtlich 220 €/ha gezahlt werden.

Natura-2000-Gebiete werden bedacht

Auch in Natura-2000-Gebieten würden freiwillige Naturschutzleistungen belohnt –  in welcher Höhe, steht laut Ministerium noch nicht fest. Eines der Programme sieht vor, dass die Grünflächen erst nach dem 15. Juli gemäht werden, dabei ist indirekt eine Schnitthöhe von zehn Zentimetern vorgeschrieben: Der Landwirt muss Zugriff auf entsprechendes Gerät haben, mit dem diese Schnitthöhe eingehalten werden kann. Ein weiteres Programm sieht eine Nutzungspause des Grünlandes zwischen dem 15. Juni und dem 1. September vor, damit die Gelege der Wiesenbrüter sicher sind. Und auch in Natura-2000-Gebieten kann wiederum die Beweidung mit Schafen und Ziegen gefördert werden.

Vernässte Flächen berücksichtigen

Darüber hinaus sollen nach entsprechender EU-Vorgabe die benachteiligten Gebiete neu definiert werden. „Wir haben immer mehr mit Vernässung zu tun, da sind einige Flächen neu zu erfassen“, meint Fenchel. Es müssten aber erst noch die entsprechenden Regelungen auf Bund-Länder-Ebene vereinbart werden. Voraussichtlich werde es erst 2018 eine Regelung dazu geben, sagte er vorsichtig. Nicht nur Hochwasser wie im vergangenen Sommer, sondern auch die Bautätigkeit des Bibers führt dazu, dass immer mehr Flächen immer häufiger unter Wasser stehen, führten Verbandsmitglieder aus – und baten um Prüfung, ob dafür ein Natura-2000-Ausgleich gezahlt werden könne.

Bettina Koch

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