Yara-Werk in Poppendorf

22.05.2017

© Gerd Rinas

Außenansicht des Verlade­terminals. Es beherbergt eine Big Bag-Absackanlage und eine ebenfalls vollautomatische Beladestation für Lkw mit losem Dünger.

Großer Bahnhof“ am Mittwoch voriger Woche im Yara-Werk in Poppendorf bei Rostock: Nach neunmonatiger Bauzeit nahmen Mitarbeiter, Geschäftspartner und Gäste aus Politik und Wirtschaft ein neues Verladeterminal mit Big Bag-Absackanlage, eine ebenfalls vollautomatische Beladestation für Lkw mit losen Düngern und eine Lagerhalle für Big Bags in Betrieb. Yara hat dafür 18,7 Mio. € investiert.

 

Zwölf Lkw pro Stunde


„Durch das neue Terminal wird die Verladekapazität loser und gesackter Ware deutlich erhöht. Zusätzlich kann die Verladung verschiedener Dünger wesentlich flexibler gehandhabt werden“, erläuterte Dr. Donald Höpfner, Geschäftsführer des Yara-Werkes in Poppendorf bei Rostock. Konnte bisher nur ein einziges Produkt am Tag ausgeliefert werden, kann nun täglich Dünger sowohl lose als auch in Big Bags verladen werden. „Die Kapazität bei der losen Verladung steigt auf 300 Tonnen pro Stunde. Das entspricht bis zu 12 Lkw. In der gleichen Zeit können 180 Big Bags mit jeweils 600 oder 1 000 kg Dünger abgesackt und zehn Lkw beladen werden“, so Höpfner. In der neuen Halle neben dem Terminal können Big Bags mit 20 000 t Dünger zwischengelagert werden.


Die 250 Mitarbeiter bei Yara Rostock produzieren jährlich 1,5 Mio. t Nitratdüngemittel, je nach Bedarf bis zu 300 000 t AHL und ca. 150 000 t Industriechemikalien.  Der Stickstoffdünger wird vor allem an Kunden in Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein, Brandenburg und Sachsen-Anhalt geliefert. Etwa die Hälfte des Stickstoffdüngers wird exportiert, unter anderem nach Polen und Skandinavien. Während für Landwirte in MV der größte Teil des Mineraldüngers bisher als lose Ware das Werk verlässt, haben sich in anderen Ländern Big Bags durchgesetzt. Auch in Polen kommt Dünger viel häufiger in großen Kunststoffsäcken zum Landwirt. 400 000 t nitrathaltige Dünger – etwa zehn Mal so viel wie bisher – sollen künftig in Big Bags ausgeliefert werden, so Höpfner. Dabei handelt es sich vor allem um Dünger, der bisher lose per Lkw transportiert wurde. Der Transport per Bahn, z. B. in Ganzzügen nach Süddeutschland, soll beibehalten werden.


Nach Einschätzung von Dr. Ulrich Ortseifen bieten Big Bags gegenüber dem losen Düngertransport per Lkw Vorteile. „Die Verpackung schützt den Dünger. Das Handling ist einfacher“, so der Marketingleiter. „Keine verschmutzten Düngerlager, keine zerfahrenen Düngerkörner, weniger Staub. Streuer lassen sich sauber befüllen.“ Zudem seien für den Landwirt Herkunft und Zusammensetzung des Pflanzennährstoffs auf den ersten Blick zu erkennen. „Big Bags stellen geringe Ansprüche an das Lager. Verschiedene Sorten sowie Restmengen können auf engstem Raum aufbewahrt werden“, zählt Ortseifen weitere Vorteile auf.

 

Rücknahmeservice


Dazu bietet Yara die Rücknahme und das Recyceln der Big Bags an. „Ab einer Mindestgröße von 42 Säcken, eine Lkw-Ladung, holen wir die Big Bags zum vorher vereinbarten Termin ab“, so Ortseifen. Mit diesem Angebot reagiert der Hersteller darauf, dass die Landwirte die bisherigen Sammelstellen für Big Bags nur unzureichend genutzt haben. Der neue Service soll für die Kunden gebührenfrei sein. „Die Kosten für die Verladung und das Absacken sind extrem niedrig. Unser Ziel ist es, diese Kosteneffizienz an unsere Kunden weiterzugeben“, betonte Dr. Markus Himken, Yara-Geschäftsführer Vertrieb Deutschland, Österreich, Schweiz und Benelux, bei der Einweihung der Anlage. Ganz ohne Preissteigerung geht es für die Landwirte aber nicht ab. Pro Tonne Dünger fallen fünf Euro Absackkosten an.


Künftig soll mehr Dünger ab Werk direkt zum Landwirt geliefert werden. „Wir wollen die Lieferkette effizienter gestalten. Der Handel bleibt unser Vertragspartner, wird künftig aber viel weniger Lagerkapazität vorhalten müssen“, erläuterte Himken.


Bei der Einweihung der neuen Anlage betonte Yara-Vorstand Terje Knutsen die Bedeutung des Werkes in Poppendorf für die Versorgung der Düngermärkte in Deutschland, Polen und Skandinavien. Agrarstaatssekretär Jürgen Buchwald sah „doppelten Anlass zur Freude“: Die Investition kam ohne Landeszuschuss aus.

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