Wildschweine: Viel Futter, viel Nachwuchs

02.11.2017

© Karl-Heinz Engel

Seltene Aufnahme von einer Rotte Sommersauen. Meistens verbergen sich die Tiere in dichten Feldkulturen.

Vom Raps in den Weizen, vom Weizen in den Mais. So mögen es Wildschweine. Viel Futter, viel Nachwuchs. Seit Wochen haben sich Sauen in einem 50 ha großen Maisschlag bei Altentreptow gemästet. Die Frischlinge wiegen mittlerweile 25 bis 30 kg, die älteren Tiere sind zwei- bis dreimal schwerer.

 

Leben wie im Schlaraffenland


Sie schleppen eine Menge Speck mit sich herum. Wildsauen im Mais, fressen und schlafen – ein Leben wie im Schlaraffenland. Doch dann schieben sich Maishäcksler und Traktoren mit viel Getöse näher. Die Schwarzkittel preschen von dannen. Genau darauf warteten Jäger. Von ihren Hochsitzen aus nehmen sie die Rotte aufs Korn. Am Ende bleiben acht Wildschweine auf der Strecke. Sechs oder sieben gelingt die Flucht. Acht Stücke erlegt zu haben, das kann sich sehen lassen.


„Nein“, sagt Egbert Scholle, Vorsitzender des Jagdverbandes im Altkreis Demmin, „dass sich Jäger nicht bemühen, den Sauenbestand zu reduzieren, stimmt nicht“. Hinter der Landesstrecke von durchschnittlich 50 000 bis 70 000 Stück im Jahr verberge sich enormer Einsatz bei Nacht, Wind und Wetter. Scholle reagierte damit auf den Vorwurf von Landesbauernpräsident Detlef Kurreck (BauernZeitung 41/2017, S. 12), wonach Jäger zu wenig Dampf auf Wildsauen machen würden. Dessen Kritik hat die Bedrohung durch die Afrikanische Schweinepest (ASP) zum Hintergrund.


Landwirtschaftsminister Till Backhaus appellierte ebenfalls an die Jäger, den Wildschweinbestand drastisch zu verringern. Unter anderem will er das Drückjagdverbot für drei Jahre aussetzen. Backhaus kündigte im Informationsblatt des Landesjagdverbandes einen langen Maßnahmekatalog zum Thema Seuchenvorbeugung an. Die Oberste Jagdbehörde nannte auf Beratungen in Crivitz und Poggendorf die Vorgabe, fünf Wildschweine je 100 ha Jagdfläche zu erlegen. Ein ambitioniertes Ziel, waren bisher doch meistens nur drei Stücke erreicht worden.


„Wir Jäger sind uns der Gefahr der Afrikanischen Schweinepest sehr bewusst und werden so viele Sauen wie nur möglich schießen“, kündigte Egbert Scholles Amtskollege in Mecklenburg-Strelitz, Dr. Friedhelm Stölting, an. Davon abgesehen, dass milde Winter und Eichelmasten die Bestandszunahme begünstigt haben, würde der jagdliche Einsatz im Jahreslauf aber immer häufiger an Grenzen stoßen, die die Landwirtschaft selbst setze. Gemeint ist damit vor allem die Drei-Kulturen-Wirtschaft aus Raps, Weizen (Gerste) und Mais mit Schlageinheiten von nicht selten 200 ha und mehr ohne Weg und Steg. „Die Flur ist für uns monatelang unzugänglich. Es sind weder Schussabgabe noch Wildbergung möglich“, sagt Stölting, obwohl Raps, Weizen und Mais bevorzugte Saueneinstände sind. Der Demminer Jagdverbandsvorsitzende Egbert Scholle sieht das genauso.

 

Mehr Raine und Schneisen


Stölting regt an, dass Bauern die Kulturen konsequent durch Raine und Schneisen trennen und mit niedrigwüchsigen Blüh- und Futterpflanzen bestellen. Dafür gebe es schließlich Beihilfen. Wildschweine wechseln auf solchen Streifen gern von einem Feld ins andere und könnten dann erlegt werden.


Ein Weidmann aus der Nähe von Penzlin bei Neubrandenburg mit 30-jähriger Erfahrung bemängelt außerdem, dass Landwirte Bestellarbeiten mit schwerer Technik und riesigen Scheinwerfern bis tief in die Nacht ausdehnen. Die Unruhe mache eine effektive Jagdausübung unmöglich. Stoppelbrachen, ebenfalls lukrative Futterplätze für Wildschweine, im Sinne der Jagd über eine Mondphase hinaus unbearbeitet zu lassen, sei ebenfalls kaum noch üblich, kritisiert der Jäger. Sicher gebe es dafür objektive Gründe. Dass sich dennoch Spielräume für die Bejagung auftun, würde sich in Gemarkungen zeigen, wo Landwirte ortsansässig und zudem selbst Jäger seien.                

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