Wie das Blatt wenden?

08.08.2018

© Gerd Rinas

Für den Mais der Agrarprodukte Kleekamp eG kommt jeder Regen zu spät. Vorstandsvorsitzender Dieter Gebhardt (li.) und Bauernpräsident Detlef Kurreck informierten Ministerpräsidentin Manuela Schwesig, welche Auswirkungen die Trockenheit auf die Landwirtschaft hat.

Dieter Gebhardt ist ein erfahrener Bauer. Seit 1982 ist er in der Genossenschaft Kleekamp, seit 1993 als Vorstandsvorsitzender. „26 Ernten habe ich mit eingebracht. Aber so eine Situation wie in diesem Jahr habe ich noch nicht erlebt“, sagte der Landwirt am Freitag voriger Woche auf dem Hof der Milchviehanlage der Agrarprodukte eG in Kleekamp.

 

Hier erwarteten er und Medienvertreter am Morgen Ministerpräsidentin Manuela Schwesig und Bauernpräsident Detlef Kurreck. Einmal im Jahr besucht die Regierungschefin, begleitet vom Bauernpräsidenten, Landwirtschaftsbetriebe im Land, um sich über die Entwicklung im Wirtschaftszweig, über Leistungen und Pro­bleme zu informieren. In diesem Jahr überlagern die Trockenheit und ihre Folgen alle anderen Themen.

 

„Wir wollen nicht jammern, sondern sachlich beraten, was zu tun ist. Wir brauchen die Unterstützung der Politik“, sagte Detlef Kurreck wenig später, an Schwesig gewandt.

 

„Wir haben ein Drittel weniger Getreide und Raps als in normalen Jahren geerntet“, berichtete Dieter Gebhardt. Der Genossenschaft mit zwölf Mitgliedern fehlten dadurch 150.000 € Erlöse. Für die 850 Rinder, davon 350 Milchkühe, ist nur halb so viel Futter wie sonst gewachsen. „Wir müssen Futter und Stroh zukaufen. Mit den Silagereserven aus dem Vorjahr kommen wir bis Februar. Noch hoffen wir auf den dritten Futterschnitt im September“, so der Vorsitzende. 

 

Wenn die Politik helfen wolle, dann sollten es einfache Maßnahmen sein, schlug er vor. Die Auszahlung der EU-Direktzahlungen bis zum 30. September statt bis Jahresende wäre eine gute Unterstützung. Gut vorstellen könne er sich die Halbierung der Pachtzahlungen für Landesflächen im September und Dezember. „Das würde bei uns 5.000 € ausmachen.“ Wünschenswert wäre ebenfalls eine bessere Bezahlung der Agrar-Umweltleistungen. 

 

Bis zu 40.000 € Mehrkosten plant Gebhardt ein für Futterzukäufe, zusätzliche Pachten und höhere Aufwendungen zur Strohbergung. Insgesamt rechnet er mit bis zu 300.000 € Einnahmeverlusten. „Wie sollen wir das kompensieren?“ fragte der Vorsitzende in die Runde.

 

„Das Land ist bereit, zu helfen und zusätzliche Mittel bereitzustellen. Wir werden Geld aus der Rücklage nehmen. Wir haben gut gehaushaltet“, sagte Manuela Schwesig zu. Die Ernteeinbußen dieses Jahres seien mit normalen Ertragsschwankungen nicht zu vergleichen. „Ich sehe aber Land und Bund gemeinsam in der Verantwortung“, betonte Schwesig. Pauschale Zahlungen lehnte sie ab. „Die Notlage in den Betrieben ist unterschiedlich.“ Manche Unternehmen hätten auch Geschäftsfelder außerhalb der Landwirtschaft, so die Regierungschefin. 

 

Zweite Station der Erntebereisung war die Wariner Pflanzenbau eG in Trams. Auch hier fällt die Ernte in diesem Jahr schlecht aus. „Wir kommen nur auf 57 % der Erträge früherer Jahre. Das haben wir seit 1988 nicht gehabt“, berichtete Vorstandsvorsitzender Wolf-Dietmar Vetter. Enttäuscht beschlossen die Landwirtschaftsbetriebe in der Region, ihr Erntefest in Brüel abzusagen. „Es wäre das 20. gewesen. Aber den Landwirten ist nicht nach Feiern zumute. Wir haben den Kopf nicht frei“, so der Vorsitzende. 

 

Am Vortag hatten Aufsichtsrat, Vorstand und Leiter die Ernte ausgewertet und diskutiert, wie es weitergehen soll. „Wir müssen das Ruder herumreißen. Das hat Konsequenzen“, deutete Vetter an. Man werde nicht umhin kommen, die Unterstützung für Bauprojekte in der Region  zu verschieben und Investitionen zurückzustellen. Vetter wollte Auswirkungen auf die Einkommen der Mitarbeiter nicht ausschließen. „Wir haben zwei Jahre vor Audi die Erfolgsbeteiligungen bei uns eingeführt, um die Verbundenheit mit der Genossenschaft zu stärken. Ich bin gespannt, wie die Leute jetzt, wo es mal nicht so gut gelaufen ist, damit umgehen werden“, so der Vorsitzende.

 

Die steigenden Getreidepreise würden die Einnahmeverluste ­jedenfalls nicht ausgleichen. ­Dafür sei in den meisten Betrieben schon zu viel Ware verkauft. „Viel wird von den Banken abhängen. Wer den Kontakt pflegt, ist sicher im Vorteil. Die Banken brauchen aber klare Signale, wie es in der Agrarpolitik weitergeht. Hilfreich wären, zum Beispiel, eindeutige Aussagen, dass es keine Degression und Kappung geben wird.“ 

 

Mit Blick auf das Land ging Wolf-Dietmar Vetter noch einen Schritt weiter als Dieter Gebhardt. „Das Land hat von der Entwicklung bei Boden- und Pachtpreisen profitiert. Es wäre ein Zeichen, wenn es auf die vierte Rate der Pachtzahlungen im September verzichtet. In dieser Sache haben wir auch die BVVG und die Kirchen angeschrieben“, ließ Vetter durch­blicken. Im Anschluss besuchten Schwesig und Kurreck die Güter Brook und Christinenfeld sowie die Rainer und Christian Mann GbR, ebenfalls im Landkreis ­Nordwestmecklenburg. Hier im Klützer Winkel fielen die Verluste nicht so hoch aus wie im Binnenland.

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