Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“

03.08.2016

© Birgit Hamm

Das alte Pinnow entdeckt man am besten beim Spaziergang über den neu geschaffenen Kirchensteig.

Der Bürgermeister von Pinnow residiert auf einer Baustelle. Doch was heißt residieren? „Ich gehe lieber zu den Leuten“, sagt Andreas Zapf und schmunzelt: „Mein Büro ist der am wenigsten genutzte Raum hier.“ Hier ist das Gemeindezentrum, das gerade um einen neuen Mehrzwecksaal erweitert wird. Erst im Frühsommer begonnen, wird er schon im November mit dem traditionellen Adventsmarkt eingeweiht.


Pinnow, eine Gemeinde im Landkreis Ludwigslust-Parchim, wurde 2016 zu einem der acht schönsten Dörfer Deutschlands gekürt. Die Goldmedaille im Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ wurde nicht nur mit Freibier, sondern auch mit der Aufführung eines 1982 hier gedrehten DEFA-Kinderfilmes gefeiert. Als „Die Taubenjule“ entstand, hatte das idyllische Dörfchen inmitten einer von der Eiszeit geprägten Seen- und Hügellandschaft gerade mal 300 Einwohner. Reetgedeckte Fachwerkhäuser schmiegten sich zwischen die blanken Seen und die sandigen, mit Kiefern bewachsenen Hügel. Wer hierher kam, suchte Ruhe und Natur.


Heute muss Bürgermeister Zapf die Interessen von 2 000 Menschen unter einen Hut bringen. Das versucht der 61-Jährige seit seinem Amtsantritt vor zwölf Jahren. Sein Anspruch: „Man muss die Leute immer bei der Stange halten.“ Das scheint ihm zu gelingen. Die Goldmedaille schreibt er all seinen Mitstreitern zu, angefangen von der Gemeindevertretung, in der Fachleute auf den verschiedensten Gebieten ihre Kompetenz einbringen, über die Bürger in Pinnow und dem Ortsteil Godern, die mit ihrem Engagement das Dorf so lebendig machen, bis zu den großen und kleinen Unternehmen, angefangen von Handwerkern und Gewerbetreibenden bis hin zu den drei Landwirtschaftsbetrieben.


Die Wende hat Pinnow groß gemacht. Schneller als in der benachbarten Landeshauptstadt waren Baugebiete erschlossen worden. Schweriner und Neu-Mecklenburger ließen sich hier nieder. „Anfangs hatten wir mehr Rheinländer als Mecklenburger“, schmunzelt der Bürgermeister. „Die wollten Karneval in Pinnow.“ Der hat sich aber nicht durchgesetzt. Die Kinder des Dorfes feiern Fasching. Wie es in Mecklenburg üblich ist.


Geblieben ist aber ein buntes Vereins- und Kulturleben. Der 1999 gegründete Kultur- und Heimatverein lädt zu „Kino in Pinnow“, Literaturabenden und Lesungen, oft mit Pinnower Autoren. Der Malzirkel „Goderner Kreis“ ist seit über 30 Jahren bekannt für seine Sommergalerie. Zur „Irish-Night“, von der Gemeinde gemeinsam mit Kirchgemeinde und Feuerwehr organisiert, kommen alljährlich über 1 000 Besucher auf die Pferdekoppel. Der „Pinnower Ohrenschmaus“ oder die Konzertreihe „Pinnower für Pinnow“ der Kirchgemeinde sind auch über die Dorfgrenzen hinaus bekannt.


Der Sportverein „Petermännchen“ mit mehr als 200 Mitgliedern hat sich neben Fußball, Tischtennis und Volleyball vor allem dem Gesundheitssport verschrieben. Tennis-, Segelflug-, Modellbau-, Reit- und Schützenverein bieten jungen und alten Bürgern vielfältige Betätigungsfelder. Ein Ort zum Leben. Das sehen auch viele junge Familien so. In diesem Jahr wurde der Kindergarten um 30 Plätze erweitert; der neue Spielplatz für die Kleinsten wird im September eingeweiht. Das Credo des Bürgermeisters: „Was wir machen, schaffen wir aus eigener Kraft.“ Stolz verweist er auf den eigenen Bauhof mit drei Mitarbeitern. Trotz der Verantwortung für 43 Kilometer gemeindeeigene Straßen – der größte Posten im Haushalt – ist Pinnow schuldenfrei.


Auf ihrer Goldmedaille werden sich die Pinnower aber nicht ausruhen. Der Goderner Strand, ein beliebtes Naherholungsgebiet, soll schöner und das Seniorenheim um eine Anlage für betreutes Wohnen ergänzt werden. Der Bürgermeister fühlt sich „plietsch“ genug, um für seine Projekte an die notwendigen Fördermittel zu kommen.


Da stehen ihm die Bürger in Nichts nach. Eine Pinnowerin schrieb einfach mal an Günther Jauch, ob er nicht die Anschaffung einer neuen Orgel und die Erneuerung der Kirchenglocken unterstützen möchte – und erhielt von der Stiftung des Moderators 20 000 Euro.

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