Wer darf ab 2017 noch Rüben liefern?

17.02.2015

© Sabine Rübensaat

Zuckerrüben am Feldrand

Der Güstrower Rübenanbauerverband e. V., als Interessenvertreter der Rübenanbauer der Regionen Güstrow und Salzwedel, beschäftigt sich seit 18 Monaten intensiv mit dieser Frage. Grund dafür sind Pläne der Nordzucker AG, ab 2017 die Vertragsangebote für die Rübenlieferungen zu den Zuckerfabriken zu verändern.

 

Ausschlaggebend sind Änderungen der Zuckermarktordnung mit der Ernte 2016/2017. Alle Rüben, die ab 2017 angebaut werden, sind nicht mehr gesetzlich an bestimmte Verwendungszwecke gebunden. Deswegen sondieren die Zuckerunternehmen schon jetzt ihre Chancen am künftigen Zuckermarkt. Laut diverser Prognosen wird die Nachfrage nach Zucker in Europa weitestgehend stabil bleiben, aber die Möglichkeiten für den Export steigen. Damit die Unternehmen in diesen Märkten konkurrenzfähig bleiben, gilt es wie in anderen Branchen auch, Kosten in der Herstellung zu optimieren.

 

Genau an dieser Stelle wird es verzwickt: Denn das Unternehmen Nordzucker AG Deutschland wird von Rüben anbauenden Aktionären, aber auch Rübenanbauern ohne Aktien beliefert. Erstere haben sich quasi das Recht zur Rübenlieferung bereits erkauft. Aber auch die Rübenanbauer ohne Aktien beliefern seit vielen Jahren zuverlässig die Werke. Nun stellt sich die Frage, werden Kosten eingespart, wenn nur noch bestimmte Personengruppen liefern?

 

Möglicherweise würden per Satzungen der Holdinggesellschaften der Nordzucker AG künftig nur noch Rüben anbauende Aktionäre liefern können, die nicht restrukturiert haben. Würden die Holdinggesellschaften dieses Privileg nicht fördern, wäre das finanzielle Risiko einer Klage von Aktionären für das Unternehmen unermesslich, erläuterte Dr. Gorrisen, Agrarvorstand der Nordzucker AG. In der Praxis würde das bedeuten, dass nur noch Landwirte Rüben liefern dürfen, die Aktien mit Lieferanspruch bzw. Lieferanspruch besitzen bzw. geliehen haben. Für das Verbandsgebiet Güstrow würde das bedeuten, dass nur noch etwa ein Drittel der bisherigen Anbauer Rüben liefern würden. Die Rübenanbaufläche würde sich mehr als halbieren!

 

Diese Feststellung hatte der Verband bereits vor 18 Monaten getroffen und zu intensiven Gesprächen zwischen den Geschäftspartnern Nordzucker AG, Nordzucker Holding AG und zugehörigen Rübenanbauerverbänden angeregt. Alternativen, die sowohl für die Aktionäre als auch für Rübenanbauer und das Unternehmen kostenneutral umsetzbar wären, wurden diskutiert. Leider konnte kein Kompromiss erzielt werden. Deswegen bleibt zurzeit nur die Strategie, den Lieferanspruch umzusetzen. Die betroffenen Rübenanbauer haben dafür bereits ein Schreiben erhalten.

 

Allerdings wird der Güstrower Rübenanbauerverband e. V. sich mit diesem Resultat nicht zufrieden geben, denn wir sehen damit die Wettbewerbsfähigkeit der Nordzucker AG für die Zukunft stark bedroht und damit auch die Anlieferung der letzten Rüben aus dem Verbandsgebiet. Unser Ziel ist, unseren Rübenanbau uneingeschränkt fortzuführen.

 

Deswegen möchten wir an dieser Stelle alle Rübenanbauer aufrufen, sich intensiv mit diesem Thema zu beschäftigen, mit Landwirten, Aktionären und Beratern zu diskutieren, Meinungen zusammenzutragen und alternative Gestaltungsmöglichkeiten zu entwickeln. Sinnvolle Ansätze gibt es bereits. Bitte nutzen Sie die Möglichkeit der öffentlichen Diskussion, beispielsweise auf den bevorstehenden Winterversammlungen der Nordzucker AG am 18. und 19. Februar.

 

Die Termine:

• 18. Februar, 14 Uhr, Landhotel Wieseneck, Im Winkel 7, 38486 Apenburg-Winterfeld.
• 19. Februar, 9 Uhr, Gästehaus am Schlosspark, Neuwieder Weg 1, 18273 Güstrow,
• 19. Februar, 14 Uhr, Gasthof „Scharfe Kurve“, Dorfmitte 15, 19209 Lützow.

 

 

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