Vor dem Aus?

11.03.2015

© Sabine Rübensaat

Zuckerrübenernte

Die Anzeichen für eine drastische Einschränkung des Zuckerrübenanbaus im Gebiet des Güstrower Rübenanbauerverbandes e. V. verdichten sich. Vertreter von Nordzucker ließen auf der Winterversammlung in Güstrow erkennen, dass ein Kompromiss, wie ihn der Anbauerverband zur Fortsetzung des Rübenanbaus im bisherigen Umfang anstrebt (BauernZeitung 7/2015, S. 12), nicht mehr zu erwarten ist. „Die Entscheidungen sind gefallen. Wir setzen die Beschlüsse jetzt um“, stellte Hans-Christian Koehler, Aufsichtsratsvorsitzender der Nordzucker AG, klar.

Aktionäre in der Vorhand

Hintergrund sind die Änderungen der Zuckermarktordnung nach der Ernte 2016/2017. Danach fallen Zuckerquote und Mindestpreis für Zuckerrüben weg. Nach den Satzungen der Holdinggesellschaften der Nordzucker AG sollen künftig nur noch Rüben anbauende Aktionäre an Nordzucker liefern dürfen. Die Zahl der Rüben anbauenden Nordzucker-Aktionäre und die Anzahl der Aktien im Gebiet des Güstrower Rübenanbauerverbandes sind vergleichsweise gering. Wie Verbandsvorsitzender Michael Pahlow mitteilte, könnten von den 350 Verbandsmitgliedern lediglich 18 ihre Rübenlieferungen auf Grundlage ihres Aktienkapitals ausdehnen. Bei 50 Anbauern bliebe die Liefermenge auf Basis ihrer Aktien gleich. „Etwa ein Drittel der Mitglieder und zwei Drittel der Rübenliefermenge würden wir verlieren“, so Pahlow.

Das Lieferrecht, auf dessen Grundlage bisher die meisten Anbauer aus Mecklenburg Rüben an Nordzucker geliefert haben, wird ab 2016/2017 durch einen Lieferanspruch ersetzt. Auf dieser Grundlage könnten theoretisch auch Anbauer, die bisher keine Nordzuckeraktionäre sind, weiter Rüben liefern. Allerdings ist der Erwerb des Lieferanspruchs an den Kauf von Aktien der Nordzuckerholding AG gebunden. Alternativ dazu ist auch die zeitweilige Übertragung von Aktien („Wertpapierleihgeschäft“) oder die Abtretung des Lieferanspruchs durch Aktionäre möglich. Inwieweit hiesige Anbauer eine dieser Möglichkeiten nutzen werden, blieb auf der Winterversammlung offen. Ob überhaupt „freie“ Liefermengen neben den aktiengebundenen zur Verfügung stehen werden, sei „mit vielen Fragezeichen“ versehen, sagte Verbandsgeschäftsführerin Dr. Antje Wulkow. Zwar sollen Lieferansprüche von Nordzucker offen ausgeschrieben, andererseits aber auch wirtschaftlich vergeben werden.

Größtes Handicap der Mecklenburger Anbauer ist neben dem geringen Aktienbesitz die vergleichsweise große Entfernung zur nächsten Nordzucker-Fabrik, Uelzen. Zwar übernimmt der Verarbeiter für Aktionäre die Frachtkosten reine Rüben. Für die Anbauer in Mecklenburg gilt aber der Bezugspunkt Güstrow. Bis dort müssten die Anbauer zehn Prozent der Frachtkosten (Schmutzanteil) künftig selbst tragen. Aus Sicht des Verbandes ist die Bezugspunktvergabe wettbewerbswidrig. „Wir wollen dies prüfen lassen“, kündigte Vorsitzender Pahlow an.

Anbauer nicht mit einer Stimme

Dr. Heinrich Hubert Helmke, Geschäftsführer des Dachverbandes Norddeutscher Zuckerrübenanbauerverbände, räumte ein, dass es nicht gelang, einen Kompromiss zugunsten der Anbauer herbeizuführen, die bisher auf Basis des Lieferrechts Rüben an Nordzucker liefern. Neben den Güstrowern müssen auch Landwirte in Schleswig-Holstein und um Bremen ihren Rübenanbau einschränken oder gänzlich aufgeben. „Die Landwirte waren nicht einer Meinung, die Anbauerverbände nicht und auch der Dachverband nicht. An den Entscheidungen ist nicht mehr viel zu drehen“, ließ Helmke durchblicken.

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