Volks- und Raiffeisenbank eG

02.03.2017

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Wismar, 27.02.2017. Die Volks- und Raiffeisenbank eG wird ihr traditionelles Geschäftsmodell Anfang Mai weiterentwickeln und somit den notwendigen Wandel mit den dafür erforderlichen operativen Schritten aktiv gestalten:

 

  • deutliche Anpassungen im Geschäftsstellennetz
  • Fokussierung auf Beratung in größeren Geschäftsstellen mit entsprechenden personellen Veränderungen
  • kundenorientierte Ausrichtung würdigt den Trend zur Multikanalnutzung

 

Der sich weiter verschärfende Wettbewerb im Bankenmarkt, immer neue regulatorische Anforderungen, eine zunehmende Digitalisierung verbunden mit einem stark verändertem Kundenverhalten und besonders die lang anhaltende Niedrigzinsphase stellen die Volks- und Raiffeisenbank eG vor große Herausforderungen. Der Druck auf die Kosten- und Ertragssituation nimmt weiter zu, die Welt der Regionalbanken, ihrer Kunden und ihrer Beschäftigten verändert sich in einem bisher unbekannten Maße.

 

Das kundenorientierte und regulatorische Umfeld stellt die Regionalbanken zurzeit vor tiefgreifende Herausforderungen – Gegensteuern ist notwendig:

 

Anhaltende Niedrigphase

  • Zinsniveau drückt auf Wiederanlageerträge
  • Teilweise zu geringe Kreditnachfrage verschärft Ertragsdruck
  • Deutliche Ergebniseinbußen für alle

Regulatorische Verschärfung

  • Deutlich erhöhte Eigenkapitalanforderungen nach Basel III
  • Weitere Verschärfungen u. a. durch SREP und Unterlegung von Zinsänderungsrisiken
  • Gestiegene Anforderungen an die Beratung und Dokumentation

Kunden

  • Stark verändertes Kundenverhalten aufgrund Digitalisierung
  • Sinkende und alternde Bevölkerung
  • Neue Ansätze zur Betreuung und Standorten erforderlich

Wettbewerb

  • Verdrängungswettbewerb bisheriger Anbieter intensiviert sich
  • Digitalisierung erleichtert Markteintritt für neue, auch branchenfremde Wettbewerber (z. B. Paypal)
  • Neue Produkte und Geschäftsmodelle entstehen

Erheblich zunehmende regulatorische Anforderungen verursachen zusätzliche Kosten, die die Banken zu tragen haben. Allein in den vergangenen drei Jahren waren diverse neue oder veränderte Vorschriften umzusetzen, die auch in der Volks- und Raiffeisenbank eG zu zusätzlichen Belastungen der zuständigen Mitarbeiter und zu Kostensteigerungen für die unabdingbar notwendige technische Unterstützung geführt haben.

 

Die größte Herausforderung sind jedoch die niedrigen Zinsen. Die Volks- und Raiffeisenbank eG hatte zunächst keine Probleme mit der Bewältigung der im Jahr 2008 begonnenen Finanz- und Wirtschaftskrise – im Gegenteil. Gerade den regional tätigen Banken mit ihrem einfachen und transparenten Geschäftsmodell, das darin besteht, Einlagen von unseren Kunden in der Region hereinzunehmen und diese als Kredite für Investitionen unserer regionalen Kunden wieder auszuleihen, vertrauten die Menschen mehr als den großen Bankkonzernen.


„Bodenständig“ und „regional engagiert“ war gut und angesehen. Dieses erfolgreiche, leicht verständliche Geschäftsmodell der Volks- und Raiffeisenbanken eG wird jedoch jetzt durch die lang anhaltende Niedrigzinsphase, die durch die Nullzinspolitik der Europäischen Zentralbank verursacht ist, massiv unter Druck gesetzt. Eine Änderung in der Zinsentwicklung ist nicht abzusehen. Selbst führende Vertreter der Deutschen Bundesbank und der Aufsichtsbehörde Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht sprechen von einer dramatischen Entwicklung. Sie mahnen sehr deutlich veränderte Kosten- und Erlösstrukturen und eine Überprüfung des Filialnetzes bei insbesondere den regional tätigen Banken an, um die Herausforderungen der Zukunft meistern zu können. Hintergrund dieser Aussagen ist die von der Deutschen Bundesbank im Sommer 2015 bei 1.500 deutschen Banken und Sparkassen durchgeführte Untersuchung zu den Auswirkungen der niedrigen Zinsen auf deren Ergebnisse, ein sogenannter „Stresstest“.

 

Wie bei vielen Regionalbanken sind 75 % der Einnahmen der Volks- und Raiffeisenbank eG Zinseinnahmen und diese sinken in den nächsten Jahren um rund 25 % und damit deutlich. Eine Kompensation auf der Einnahmenseite ist aus Wettbewerbsgründen kaum zu erwarten, deshalb schlägt das unmittelbar auf das Gesamtergebnis der Bank durch. Eine Genossenschaftsbank ist kein „Gewinnmaximierer“ sondern der wirtschaftlichen Förderung ihrer Mitglieder in der Region verpflichtet. Dennoch muss ein Mindestmaß an wirtschaftlichem Ergebnis erreicht werden, um die aufsichtsrechtlich vorgeschriebene Eigenkapitalausstattung nachhaltig einhalten zu können. Viele aktuelle regulatorische Anforderungen fokussieren sich sehr auf die Eigenkapitalausstattung der Bank. Hier steigen die Anforderungen künftig permanent. Die Volks- und Raiffeisenbank eG ist gegenwärtig beim Eigenkapital gut aufgestellt, trotzdem muss sie vermeiden, zurückzufallen. Das würde die Wettbewerbsfähigkeit deutlich beeinträchtigen.

 

Dieser Entwicklung mit den diversen Außenwirkungen auf uns können wir nicht mehr wie in der Vergangenheit mit kleinen Schritten begegnen, sondern es sind jetzt strukturelle Veränderungen erforderlich, die sowohl den gestiegenen Anforderungen der Mitglieder und Kunden gerecht werden als auch die erforderliche Anpassung der Kostenstrukturen gewährleisten.

 

Die Kunden haben durchaus eine hohe Kontaktfrequenz zur Bank. Die Art des Kontaktes ist allerdings vielfältig und hat sich nachhaltig verändert. Die digitale Welt erweitert zunehmend die analoge Welt durch komfortable und schnelle Lösungen in der Erledigung des alltäglichen Bankgeschäftes. Heute stehen immer stärker Telefon-, Mobile- und Online-Services für die vom Kunden gewünschte „persönliche Nähe“ bei räumlicher und zeitlicher Unabhängigkeit im Vordergrund. Unsere Kunden wollen bestimmen, auf welchem Weg sie mit uns Kontakt aufnehmen. Und sie wollen entscheiden, wann und wo sie das tun. Gemäß einer Veröffentlichung des Bundesverbandes der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR) erfolgen im Privatkundengeschäft inzwischen 98 % der Kontakte zur Bank online und lediglich noch 2 % der Kontakte über die Geschäftsstelle.

 

Eine Frequenzmessung im Rahmen unseres Projektes „Geschäftsstellenkonzept“ über einen längeren Zeitraum hat diese Entwicklung bestätigt. Im Durchschnitt nutzen noch 2-3 Kunden pro Stunde die Öffnungszeiten der kleinen Geschäftsstellen, um Dienstleistungen im Service in Anspruch zu nehmen. Über 800 Anrufe täglich gingen im vergangenen Jahr bei uns ein und wurden fallabschließend erledigt. Zirka 60.000 Transaktionen werden monatlich über unsere Internetseite durchgeführt.

 

So bedauerlich es im Einzelfall sein kann, bei einer durchschnittlichen Kontaktfrequenz für qualifizierte Beratungen von weniger als einem Mal pro Jahr und Kunde sowie entsprechend höheren Nutzungsquoten technologischer Angebote, entspricht ein so enggeknüpftes Geschäftsstellennetz wie das Bisherige nicht mehr dem Bedarf und Verbraucherverhalten unserer Mitglieder und Kunden. Eine Ausrichtung der digitalen Angebote sowie der Geschäftsstellen auf das veränderte Kundenverhalten ist daher notwendig.

 

Vor diesem Hintergrund werden wir folgende Anpassungen zum 2. Mai 2017 vornehmen:

Um weiterhin ein leistungsstarker Partner für unsere Mitglieder und Kunden zu bleiben, haben Aufsichtsrat und Vorstand der Volks- und Raiffeisenbank eG beschlossen, die kleineren, wenig frequentierten Geschäftsstellen mit den nahe gelegenen Regionalzentren und Geschäftsstellen zu verschmelzen. Insgesamt werden 7 der aktuell 28 personalbesetzten Geschäftsstellen geschlossen. Weitere 10 Geschäftsstellen werden in Selbstbedienungsstellen umgewandelt. Insgesamt reduziert die Volks- und Raiffeisenbank eG ihr Standortnetz auf 13 Geschäftsstellen und 18 Selbstbedienungsstellen. Die Umsetzung des neuen Geschäftsstellennetzes findet stichtagsbezogen zum 2. Mai 2017 statt.

 

Beide Entscheidungsgremien sowie die Projektgruppe zur Geschäftsstellenkonzeption sehen jetzt die Notwendigkeit zu diesem Schritt, um die Volks- und Raiffeisenbank eG zukunftsfähig an den Kundenbedürfnissen auszurichten. Dem Projekt ging eine umfassende Analyse aller Bankstandorte und des Nutzungsverhaltens der Kunden voraus. Die Genossenschaftsbank ist aktuell wirtschaftlich gesund und stabil. Somit hat die Bank die Möglichkeit, den Prozess eigenständig zu steuern und zu gestalten. Ein „Aussitzen“ ist in der gegenwärtigen Situation nicht das Mittel der Wahl. Nur wer eine Anpassung an veränderte Rahmenbedingungen aktiv vornimmt, wird langfristig wettbewerbsfähig sein. Heute beschlossene und eingeleitete Maßnahmen werden erst mit Zeitverzögerung zu entsprechenden Effekten führen.

 

Wir werden weiterhin mit 31 Bankstandorten in Mecklenburg klar strukturiert vertreten sein und unsere Mitglieder und Kunden mit Finanzdienstleistungen versorgen. Unser Geschäftsstellennetz bleibt weiterhin regional und flächendeckend. „Dort, wo wir eine Geschäftsstelle schließen, ist das nächstgelegene Regionalzentrum oder eine Geschäftsstelle überwiegend in 15 Minuten Fahrtzeit mit dem Pkw zu erreichen. Auch im Vergleich mit unseren regionalen Wettbewerbern sind wir nach wie vor sehr gut in der Fläche vertreten.“, betont Jan-Arne Hoffmann, Vorstandsvorsitzender der Volks- und Raiffeisenbank eG, im Pressegespräch.

 

Mehr denn je erwarten unsere Kunden qualifizierte Beratung und flexible Zugangswege in allen Fragen rund ums Geld. Die Kunden möchten heute wählen, wie sie mit uns Kontakt aufnehmen wollen. Die Zeiten haben sich gewandelt und daher antworten wir auf Digitalisierung, Niedrigzinspolitik und verändertes Kundenverhalten mit modernen Strukturen.


Mit dem permanent weiterentwickelten Zusammenspiel von technisch unterstützten Leistungen und qualifizierter persönlicher Beratung geben wir die Antwort auf den Serviceund Beratungsbedarf im digitalen Zeitalter.

 

Die Kontaktwege wie KundenServiceCenter, Online- und Mobilebanking werden wir weiter ausbauen und aufwerten. Den persönlichen Telefon-Service über unser KundenServiceCenter werden wir erweitern: ab 2. Mai 2017 sind wir montags bis donnerstags von 8 bis 20 Uhr sowie am freitags von 8 bis 16 Uhr für unsere Mitglieder und Kunden erreichbar. Die meisten Anrufe zu Kontoabfragen, Karten- und OnlineServices oder auch Terminvereinbarungen mit Beratern können oft sofort erledigt werden – kompetent und zuverlässig. Kurzberatungen per Video und Chat werden neu aufgebaut und zukünftig für unsere Mitglieder und Kunden zur Verfügung stehen. Perspektivisch soll das Medium WhatsApp als ein weiterer Kommunikationsweg angeboten werden.

 

Auch in der digitalen Welt ist die Volks- und Raiffeisenbank eG gut aufgestellt und die Regionalzentren und Geschäftsstellen mit der persönlichen Beratung bleiben fester Bestandteil. Ungeachtet dessen bietet die Volks- und Raiffeisenbank schon lange Banking über den heimischen PC an. Viele Bankkunden nutzen mittlerweile die VRBanking-App, um die alltäglichen Bankgeschäfte mobil abzuwickeln. Mit paydirekt wurde eine Möglichkeit geschaffen, um beim Interneteinkauf mit hohem Sicherheitsstandard die Bezahlung mittels eigenem Girokonto durchzuführen. Nützliche, neue Funktionen wie „Scan2Bank“ oder „Geld senden und anfordern“ sind ebenfalls hilfreiche neue Innovationen. Bei den digitalen Medien wird es keinen Stillstand geben, die Leistungsfähigkeit in diesem Bereich wird zusammen mit den Spezialisten der Genossenschaftlichen Finanzgruppe kontinuierlich weiter ausgebaut. Nur so werden wir der zunehmend steigenden Erwartungshaltung der Kunden gerecht.

 

Wir setzen nach wie vor auf die persönliche Beratung unserer Privat- und Firmenkunden. Die meisten Berater werden Ihre bisherigen Kunden ab 2. Mai 2017 auch weiterhin betreuen, die dann von einer besseren Infrastruktur und von einem breiten Beratungsangebot in der neuen Geschäftsstelle – sogar bis 20 Uhr in den Abendstunden - profitieren. Durch die Zusammenlegung der kleineren Geschäftsstellen mit den Hauptgeschäftsstellen/ Regionalzentren oder größeren Geschäftsstellen werden wir unser qualifiziertes Know-how rund um Finanzprodukte zu größeren Berater- und Betreuerteams bündeln.

 

Doch die Umsetzung des neuen Geschäftsstellennetzes zum 2. Mai 2017 wird auch mit Auswirkungen auf unsere Beschäftigten einhergehen. Veränderungen in der Beratung und striktes Kostenmanagement bedingen auch fachliche und persönliche Veränderungsbereitschaft. Und das nicht nur im Markt, sondern gleichermaßen in der Gesamtbank. Wenn wir Kunden die Wege zu ihrer Bank erleichtern, Produkte und Prozesse optimieren sowie Standorte reduzieren, bedeutet das auch, dass neue Kommunikationswege beschritten und Dienstleistungsangebote ausgebaut werden. Diese Entwicklung hat eine entsprechende Personalreduzierung zur Folge. Die notwendigen Veränderungen im Haus werden möglichst sozialverträglich umgesetzt.

 

„Gleichzeitig werden wir Beschäftigte umfassend weiterqualifizieren, damit sie auch künftig unsere Kunden kompetent und umfassend beraten können – persönlich, online oder mobil. Gute Beispiele dafür sind der Ausbau medialer Kompetenz und der gezielte Aufbau von Fachwissen für neue Funktionen.“, betont Jan-Arne Hoffmann, verantwortlich unter anderem für den Bereich Personal.

 

„Der Zusammenschluss von Bürgern zu einer Bank vor 160 Jahren in Grevesmühlen hat die Zeiten überstanden und hat es geschafft, sich den jeweiligen Bedürfnissen der Mitglieder also ihrer Eigentümer und Kunden sowie den jeweiligen Erfordernissen immer wieder anzupassen. So werden wir auch weiterhin als regional starker Partner unserer Privat- und Firmenkunden wahrgenommen werden. Mit Mut werden wir uns im Interesse unserer Mitglieder und Kunden an den Bedürfnissen ausrichten und weiterentwickeln.“, konstatiert der Vorstand am Ende des Pressegesprächs.

 

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