Verunreinigte Futtermittel

08.01.2015

© Gerd Rinas

Das Unternehmen Fugema, Malchin, unterstützt die Behörden bei der Aufklärung der Herkunft des belasteten Futters. Es hat dem Landesamt u. a. sämtliche Rückstellmuster zur Untersuchung übergeben.

Zum zweiten Mal innerhalb weniger Wochen ist mit Pflanzenschutzmittelrückständen belastetes Biofutter in Mecklenburg-Vorpommern nachgewiesen worden. Wie Agrarminister Dr. Till Backhaus am Montag in Schwerin mitteilte, wurden die Behörden bereits am 24. Dezember über mögliche Verunreinigungen von Sonnenblumenkuchen benachrichtigt. Dabei soll es sich um eine Lieferung von 554 t an ein Futtermittelwerk in Malchin handeln. Die Fugema Futtermittel und Getreidehandelsgesellschaft hatte am Montag ­bestätigt, 22 Biobetriebe in Mecklenburg-Vorpommern sowie bundesweit weitere 30 Unternehmen mit dem belasteten Futtermittel beliefert zu haben. In dem als Biofuttermittel deklariertem Sonnenblumenkuchen war ein Beizmittel und ein Pilzgift nachgewiesen worden.

Nach Angaben von Backhaus stammt das Futter aus Bulgarien und der Ukraine. Die Charge, die nach Mecklenburg-Vorpommern gelangte, stammt offenbar aus einer Schiffsladung von 1 966 t, die von einem niederländischen Händler in den Hafen Brake in Niedersachsen, einem wichtigen Umschlagplatz für Futtermittel in Europa, verbracht wurde. Seit Oktober vergangenen Jahres waren von der Futtermittelcharge 1 059 t ausgeliefert worden, darunter nach Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt sowie in die USA. Rund 900 t lagern nach Backhaus Angaben noch in Brake und sind mittlerweile gesperrt worden.

Kontrolleure des Landesamtes für Landwirtschaft, Lebensmittelsicherheit und Fischerei in Rostock haben über Weihnachten den Weg des von Malchin an Biolandwirte im Land ausgelieferten belasteten Futters verfolgt. In sechs von 20 Rückstellproben wurden nach dem Futtermittelrecht zulässige Höchstwerte für das Fungizid Metalaxyl überschritten. Daraufhin wurden 22 Betriebe für die Ökovermarktung gesperrt. Im Einzelnen handelt es sich um vier Legehennenhalter, sechs Mastschweinebetriebe, zwei Milchproduzenten, drei Kälber- beziehungsweise Jungrinderhalter, vier Sauenhalter sowie jeweils einen Kükenbetrieb, eine Mutterkuhhaltung und eine Schäferei.

Ein Großteil des kontaminierten Futters ist nach Backhaus Angaben bereits verfüttert. Nach bisherigen Kenntnissen habe aber zu keinem Zeitpunkt eine Gesundheitsgefährdung für Verbraucher bestanden. In Proben von Rind-, Schweine- und Geflügelfleisch sowie von Eiern aus Betrieben, die mit dem Futter beliefert worden waren, wurden keine Belastungen nachgewiesen. Die Untersuchung einer Milchprobe stand am Montag noch aus.  Die Landwirte, denen kontaminiertes Futter geliefert wurde, treffe keinerlei Schuld, betonte Backhaus.

Allerdings müssen die Betriebe nun sehr harte Konsequenzen tragen. Durch die Sperrung ihrer Produkte für die Ökovermarktung drohen ihnen hohe Verluste. Nach den rechtlichen Vorgaben können Rindfleischproduzenten bis zu einem Jahr und Schweinefleischproduzenten bis zu einem halben Jahr von der höherpreisigen Ökovermarktung ausgeschlossen werden.

Auf Nachfrage der BauernZeitung räumte der Minister ein, dass die gesetzlich festgelegten Sperrfristen angesichts der Umstände „unverhältnismäßig“ seien. „Es gibt Ermessensspielräume. Wir werden eine Risikobewertung durchführen und uns mit den zuständigen  Ministerien in den anderen betroffenen Bundesländern abstimmen. Ziel ist es, einheitlich und transparent vorzugehen und in den Bundesländern das Futtermittel- sowie das Ökorecht nicht unterschiedlich auszulegen.“

Landwirte, die „auf Nummer sicher“ gehen wollen, bliebe nur, Futtermittel aus einer Kreislaufwirtschaft, dem eigenen Betrieb oder bekannter Herkunft zu beziehen. Nach Backhaus Einschätzung hat die Eigenkontrolle im betroffenen Mischfutterwerk versagt. „Die Eigenkontrollsysteme der Futterwerke sind das Nadelöhr“, so der Minister.

Das Unternehmen Fugema unterstützt die Behörden bei der Aufklärung der Herkunft des belasteten Futters. Es hat dem Landesamt sämtliche Rückstellmuster zur Untersuchung übergeben und Adressen von Kunden mitgeteilt, die zwischen Oktober und Dezember 2014 Mischfutter für den ökologischen Landbau erhalten haben. In einer Stellungnahme räumt das Unternehmen negative Befunde ein und bedauert die Situation. Vorlieferanten hätten versichert, dass die Ware ordnungsgemäß beprobt worden sei und nicht zu beanstanden war. „Wir arbeiten intensiv mit allen amtlichen Stellen zusammen, um die Ursachen für die Analyseergebnisse zu finden“, heißt es in der Stellungnahme.

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