Treckerklau in Wusterhusen

05.03.2015

© Edgar Offel

Objekt der Begierde: Im ganzen Land wurden im vorigen Jahr nach unbestätigten Angaben rund 160 Anzeigen wegen Diebstahls von Landmaschinen erstattet.

Zwei Traktoren der Marke Fendt fahren auf dem Gelände des Flugplatzes Heringsdorf in Richtung Swinemünde. Nun gut, auch auf einem Flugplatz müssen Grünflächen gepflegt werden. Aber mit zwei Maschinen? Mitte Januar? Sonntag früh? Und wozu brauchen sie eine Strohpresse?

Aufmerksamer Spaziergänger

Während andere darüber nur den Kopf schütteln und weiter ihres Weges gehen, teilt ein junger Mann seine Beobachtungen in der Nähe zur polnischen Grenze auf Usedom der Polizei mit. Die handelt umgehend. Über das „Gemeinsame Zentrum“ der Polizeibehörden im polnischen Swiecko bei Frankfurt/Oder werden die Kollegen in Swinemünde in Marsch gesetzt. Sie stellen auf der innerstädtischen Fähre zwei Traktoren sicher. Einer davon mit Strohpresse. Wie sich herausstellt, sind es die Maschinen, die kurz zuvor auf dem Flugplatz gesehen wurden.

Die Landmaschinen gehörten der NRW Agrar GmbH in Wusterhusen bei Greifswald. Der Ort liegt 60 Kilometer Luftlinie von Swinemünde entfernt. Die Geschäftsführer fielen aus allen Wolken, als die Polizei sie über den Diebstahl informierte. Gerade zwei Tage zuvor hatten sie Anzeige erstattet, dass in ihre außerhalb des Ortes befindliche Maschinenhalle eingebrochen und Teile von dort abgestellten Mähdreschern abgebaut worden waren. Nun waren aus der gleichen Halle vier Traktoren, Güllewagen und Strohballenpresse im Gesamtwert von 560 000 € verschwunden! Mittlerweile steht die Technik wieder an alter Stelle. Neben den beiden Traktoren auf der Fähre wurde ein weiterer zusammen mit dem modernen Güllewagen bei Stettin ermittelt. Den vierten Schlepper fand die Polizei in der Nähe des polnischen Wollin, in einer Umbauwerkstatt.

Ortbare GPS-Technik hilfreich

Über Details, die mutmaßlichen Täter sowie deren Motive hüllt sich die Kriminalpolizei in Schweigen. Wegen der laufenden Ermittlungen, die die polnische Staatsanwaltschaft an sich ziehen will. Auch die Agrar GmbH möchte sich öffentlich nicht äußern. Diebstahl ist im Grenzkreis Vorpommern-Greifswald aber allgegenwärtig. Verärgert über Beschwichtigungen der Politik hat sich in Heringsdorf im Januar eine Bürgerinitiative gegründet, die wirksamere Prävention seitens der Polizei fordert. Auch die Bauern in der Region verlangen eine Erhöhung der Polizeipräsenz, denn ihrer Wahrnehmung nach sind sie  besonders betroffen.

Dem widerspricht die Polizei. „Im Jahr 2014 hatten wir 15 Anzeigen wegen Diebstahls von Zugmaschinen. Und zehn Mal wurde der Abbau von Geräten angezeigt. Also bedeutend weniger als Wohnungseinbrüche“, sagt Axel Falkenberg, Sprecher der Polizeiinspektion Anklam. Wegen der Höhe des Schadens sei jedoch ein Landmaschinendiebstahl immer gleich in den Schlagzeilen. Die Forderung von mehr Polizeipräsenz sei verständlich. „Wir versuchen, über gezielte Aktionen zusätzliche Kräfte in die Fläche zu bringen“, versichert Falkenberg. „Aber welche Maßnahmen laufen, kann ich natürlich nicht sagen, um den Erfolg nicht zu gefährden.“ Die Zusammenarbeit mit der polnischen Seite über das seit 2007 bestehende Gemeinsame Zentrum Swiecko habe sich schon mehrfach bewährt. Hilfreich sei vor allem, wenn die Technik mit ortbarer GPS-Technik ausgerüstet sei.

Jeder muss selbst vorsorgen

Ansonsten müsse der Eigentümer schon selbst vorsorgen. Dies sieht sehr verschieden aus. Die häufigste Reaktion auf die Rundfunkmeldung vom Diebstahl in Wusterhusen war die Anweisung, Technik nicht mehr im Freien stehen zu lassen. Aber gerade der Fall Wusterhusen zeigt, dass dies nicht ausreicht. Alarmanlagen wiederum setzen voraus, dass auf ihr Anschlagen sofort reagiert werden kann. Viele lassen auch wegen häufiger Fehlalarme die Finger von der teuren Technik.

Der Nachbar der NRW Agrar GmbH, der Landwirtschaftsbetrieb Burkhard Köpnick, parkt seine Traktoren frei auf dem Gelände und verzichtet auf Alarmanlagen. „Nachdem Jugendliche von der Großdisko im Ort immer wieder Diesel und Geräte klauten, habe ich einen stabilen Zaun mit tief einbetonierten Pfählen bauen lassen. Und nachts laufen drei scharfe Schäferhunde frei, die lassen keinen aufs Grundstück“, sagt Köpnick. „Jedenfalls wurde seitdem nie wieder etwas gestohlen.“ Selbstverständlich müssten die Hunde satt sein, ansonsten bestünde die Gefahr, dass sie mit Lockfutter eingeschläfert würden.

Übrigens ist der Landmaschinendiebstahl kein Phänomen im grenznahen Raum. In ganz Mecklenburg-Vorpommern sind nach unbestätigten Angaben im vorigen Jahr rund 160 Fälle angezeigt worden. Die Zahlen von Güstrow, Ludwigslust, Neubrandenburg und Stralsund sollen dabei genauso hoch sein wie die von Anklam.

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